Urner Schreinerlehrlinge begehen den steinigen Weg zur eigenen Kletterroute

Jonas Furrer und Emanuel Steiner haben für ihre Vertiefungsarbeit ein sportliches Thema gewählt.

Georg Epp
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Jonas Furrer (links) und Emanuel Steiner sind stolz auf ihre selbst errichtete alpine Kletterroute.

Jonas Furrer (links) und Emanuel Steiner sind stolz auf ihre selbst errichtete alpine Kletterroute.

Bild: Georg Epp (Altdorf, 28. Januar 2020)

Seit Montag, 27. Januar, bis Montag, 3. Februar, präsentieren über 100 junge Frauen und Männer das Ergebnis ihrer Vertiefungsarbeit im Berufsschulhaus in Altdorf. Wildtierpopulation, HC Ambri Piotta, Alp Surenen, Wasserkraft Uri, Demenz, Imkerei oder Mobbing: Die Vielfalt der Themen bei den diesjährigen Vertiefungsarbeiten der Urner Lernenden der Abschlussklassen des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) Uri ist gross.

Rund eine Viertelstunde dauert jeweils der Vortrag, in dem die Lernenden ihre Vertiefungsarbeiten den Lehrpersonen und dem Publikum präsentieren. Wenn ein Thema zu zweit bewältigt wurde, wie im Beispiel von Jonas Furrer und Emanuel Steiner, dann stehen 30 Minuten zur Verfügung.

Was ist einfacher – oben oder unten beginnen?

Uri ist und bleibt ein Kletterparadies, hier treffen Bergsteiger auf Alpenklassiker wie Clariden, Krönten und Gross Ruchen – wer es lockerer angeht, erlebt die Bergwelt auf Hochtouren, beim Bouldern oder an einem Klettersteig. Die Liebe zum Bergsport begeistert auch die beiden Schreinerlehrlinge Jonas Furrer (Lehrbetrieb Zgraggen AG Göschenen) und Emanuel Steiner (Lehrbetrieb Küchenbau Walker GmbH Schattdorf). Sie wählten für ihre Vertiefungsarbeit gemeinsam das Thema «Alpine Kletterroute einrichten». Die Leitfrage lautete: «Was sind die Herausforderungen bei der Planung und Erstellung einer alpinen Kletterroute?» Jonas Furrer erläuterte bei der Präsentation die Unterschiede zwischen den Kletterarten Bouldern, Leadklettern/Sportklettern, Top-Rope-Klettern, Free-Solo-Klettern oder eben das Alpinklettern.

Bereits die Gebietsuche gestaltete sich alles andere als einfach. Am Gandschijen in der Göscheneralp fand man den idealen Ort oder besser gesagt das ideale Gestein für eine neue alpine Kletterroute. Nun ging es ans Materialsammeln. Die Berufsschüler stellten fest, dass eine Kletterroute mindestens 100Franken pro Seillänge an Material kostet. Als Sponsor konnte Bächli Bergsport in Luzern für das Projekt gewonnen werden. Oben oder unten beginnen – das war die nächste Frage. Schnell wurde klar, dass man von oben her am hängenden Seil um einiges einfacher die Löcher für das Hakenmaterial bohren kann als von unten her. Dazu mussten aber Utensilien wie Bohrmaschine und Hakenmaterial zuerst irgendwie nach oben gebracht werden. Ein gelungenes Video zeigt die beiden bei der Arbeit.

Aufwand übersteigt die Erwartungen

In Sachen Schwierigkeitsgrade gibt es mehrere Tabellen, die bekanntesten sind die UIAA-Skala (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) und die französische Kletterskala. Je höher die Zahl, desto schwieriger ist die Route. Mit Buchstaben hinter der Zahl wird nochmals feiner unterschieden, so ist eine Kletterroute 5a leichter als 5c.

Emanuel Steiner und Jonas Furrer referierten abwechslungsweise und begeisterten die Besucherinnen und Besucher. Sie zeigten sich am Schluss zurecht stolz über ihre alpine Kletterroute, der Aufwand war aber doch einiges grösser als anfänglich gedacht.