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Urner Singer-Songwriter Matteo Gisler rappt nun auf Mundart: «So kann ich zu 100 Prozent das sagen, was ich will»

Matteo Gisler hat für seinen neuen Song «Intro» ins Rap- und Hip-Hop-Genre gewechselt. Nachdem er eine erste Kostprobe auf Instagram veröffentlicht hatte, wurde er zum Weitermachen ermuntert.  

Markus Zwyssig
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Er sei angekommen, endlich angekommen, heisst es im neuen Song «Intro» von Matteo Gisler. Die Aussage überrascht, denn die neue Single von ihm, die am 1. Mai auf Spotify erscheint, zeigt eine ganze neue musikalische Seite. Diesmal ist Matteo Gisler nämlich nicht Singer-Songwriter mit Gitarre, unterlegt wird sein neuer Song vielmehr von einem modernen Beat. Für einmal singt er nicht, sondern rappt vielmehr – und das erstmals auf Mundart. Zu finden ist er auf Spotify unter Matteo, so wie er sich als Solokünstler auch nennt.

Hier eine kleine Kostprobe:

«Was ich zu sagen habe, geht auf Englisch einfacher als auf Deutsch», hatte er vor knapp eineinhalb Jahren im Interview zur letzten Kind of a Mate-Single noch erzählt. Doch Dinge ändern sich, oft sogar schneller als gedacht. Zuerst war sich Matteo Gisler nicht sicher, ob er den richtigen Schritt gewagt hatte. Ein bisschen löste der Sprachwechsel bei ihm auch Angst aus.

Matteo Gisler aus Altdorf rappt erstmals auf einem neuen Song, den er am 1. Mai auf Spotify veröffentlicht.

Matteo Gisler aus Altdorf rappt erstmals auf einem neuen Song, den er am 1. Mai auf Spotify veröffentlicht.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 8. Juni 2019)

Im Gespräch gibt er denn auch zu: «Leicht ist es mir nicht gefallen, von Englisch auf Mundart umzustellen», gibt er im Gespräch denn auch zu. Trotzdem ist er nun froh, dass er die Hürde genommen hat.

Kostprobe auf Instagram ermutigte zu weiteren Taten

Seine Musik bewegt sich irgendwo zwischen Rap und Pop. Knapp zwei Monate ist es her, dass er einen neuen Song aus Spass für einmal auf Mundart geschrieben hat. Das Ganze sei spontan entstanden. Eine Kostprobe, Strophe und Refrain, veröffentlichte er auf Instagram. «Das Feedback war recht positiv und das habe mich ermuntert, weiterzumachen», sagt der 21-jährige Altdorfer.

Obwohl er sich lange gegen Songs auf Mundart gesträubt hatte, sagt er nun: «In Mundart kann ich zu 100 Prozent das sagen, was ich will.» Englisch sei halt trotz allem ein bisschen schwierig, denn es sei ja nicht seine Muttersprache. «Meine Musik wird dadurch noch persönlicher», so Matteo Gisler. «Hinter Englisch kann man sich besser verstecken. 50 Prozent des Publikums hört nicht so genau hin oder versteht nicht alles.»

Soloprojekt motiviert ihn zum Experimentieren

Seit Anfang Jahr geht es für Matteo Gisler ein bisschen «back to the roots». So hat er bereits vor geraumer Zeit einen Song veröffentlicht, den er solo eingespielt hat. Diesen sang er aber noch auf Englisch. «Ich will wieder ein bisschen mehr experimentieren», sagt Matteo. Sein Soloprojekt sei für ihn wichtig, nachdem er vier Jahre lang als Singer-Songwriter mit einer Band unterwegs gewesen sei. Jetzt brauche er den Raum, um kreativ zu sein. «So kann ich zu 100 Prozent das machen, was ich will.»

Ein älterer Song von Matteo:

Privat hört er extrem viel Rap und Hip-Hop. Toll findet er beispielsweise den deutschen Pop-Rap-Künstler Cro. «Mich fasziniert, wie er alles selber macht: die Beats und die Texte», so Matteo Gisler. Er pflege einen komplett eigenen Stil. Mit Hip-Hop und anderen musikalischen Facetten entwickle er sein eigenes Ding weiter. Er mache Popmusik, aber nicht nur. Seine Musik sei viel experimenteller. Eine weitere Inspiration ist für Matteo Gisler die Berner Rapperin und Beatboxerin Steff la Cheffe. «Die habe ich vor kurzem so richtig für mich entdeckt und finde grossartig, was sie macht.»

Viel Enthusiasmus für Rap und Hip-Hop, aber nicht extremes «Ürner Tyytsch» 

Bei so viel Enthusiasmus für Rap und Hip-Hop war es naheliegend, das selber auch einmal auszuprobieren. Der Beat für den neuen Song von Matteo Gisler stammt von einem Produzenten aus England. «Der hat mir mega gut gefallen», verrät er. Den Rest hat er selber gemacht. Wie viele andere arbeitet der Informatiker zurzeit zu Hause im Homeoffice. Aus dem Haus gehe er nur, wenn es nötig sei. Da habe man auch Zeit, Sachen auszuprobieren, zu experimentieren.

Zum Song gibt es auch ein Video. Dieses wird am 30. April, dem Tag vor der Veröffentlichung der neuen Single, auf Youtube erscheinen. Zu sehen sind im Clip Szenen aus Matteos Gislers Leben. Im Schnelldurchlauf gibt es bewegte Bilder von ihm von früher bis heute.

Matteo rappt nicht in markantem Urner Dialekt. Er hat in Zug die Berufsschule besucht, ist viel ausserkantonal unterwegs und seine Freunde leben in der ganzen Schweiz verstreut. Daher habe er beim Rappen nicht so einen urchigen Dialekt. «Auch mein Grosi wird nun Freude haben, denn diesmal versteht sie den Text.» Ob sich aber auch Freude an der Musik habe, das wisse er nicht, sagt Matteo Gisler und schmunzelt. 

Die Band macht derweil eine Pause

Im Ideenhaus in Seelisberg hat Matteo Gisler vor der Coronakrise noch mit seiner Band Kind of a Mate, zu der nun auch Streicher gehören,  geprobt und neue Songs ausprobiert. Doch zurzeit ist dies aufgrund der vom Bund angeordneten Schutzmassnahmen nicht möglich. «Aber wir wollten sowieso eine kreative Pause machen und zurzeit keine Livekonzerte spielen, da trifft uns der Lockdown als Band nicht so hart.» Als kleinen Trost gibt es nun ab dem 1. Mai eine neue Single von Matteo Gisler.