Urner Skigebiete müssen Alternativen suchen

Skifahren ist wieder modern. Davon profitieren viele Wintersportgebiete. Doch in niedriger gelegenen Destinationen fehlt der Schnee.

Christian Tschümperlin
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Gute Bedingungen nicht nur auf der Skipiste: ein Langläufer unterwegs in Andermatt.

Gute Bedingungen nicht nur auf der Skipiste: ein Langläufer unterwegs in Andermatt.

Bild: Urs Hanhart (9. Januar 2020)

Schweizer Wintersportgebiete im Hoch: Die Trendwende bei den Gästezahlen setzt sich in der aktuellen Saison fort, wie Seilbahnen Schweiz vermeldet. In der Zentralschweiz hat sich die Zahl der Gäste gegenüber dem Fünf-Jahres-Schnitt um 15,2 Prozent verbessert. Der Aufwärtstrend hatte in der Saison 2017/2018 eingesetzt. Die Umsätze hatten zuvor eine vierjährige Talfahrt hinter sich. Aber kommt die aktuelle Entwicklung auch Skigebieten in niederen Lagen zugute?

Die Eggberge ob Flüelen liegen auf 1446 Metern über Meer. Das Ausflugsziel lebt von Wanderern und Skifahrern. «Der Skilift ist zurzeit nicht in Betrieb», sagt Skilift-Betriebsleiter Otto Arnold. Dabei hat alles so gut begonnen: Vom 28. Dezember bis 5. Januar hatte Arnold alle Hände voll zu tun, die Skifahrer kamen. Die Schneedecke war zwar dünn, aber dank schönem Wetter und trockener Luft konnte man fahren. Die Gäste seien zufrieden gewesen. «Als der Schnee sulzig wurde, war es aus.» Im Dezember scheint die Sonne am Morgen nicht direkt auf die Piste. Schneekanonen sind aber aufgrund fehlender Wassermengen keine Option. «Wir leben mit der Natur.» Sorgen macht sich Arnold aber keine:

«Ich habe in den Neunzigerjahren erlebt, dass der Lift einen ganzen Winter lang nie eingeschaltet wurde. Heuer konnten wir die wertvollsten Tage nutzen. Und sobald die Sonne scheint, gehen die Leute in die Höhe, auch wenn der Schnee fehlt.»

Hälfte der Gäste bleibt aus

Das Skigebiet Biel Kinzig ob Bürglen hat den Liftbetrieb seit Dienstag eingestellt. «Föhn und Westwind haben den meisten Schnee weggeblasen», sagt Hans Schuler, Betriebsverantwortlicher von Skilift und Sesselbahn. Aufgrund des Schneemangels bleibt momentan die Hälfte der Gäste aus. «Auf Rosen gebettet sind wir nicht», so Schuler. Schneekanonen kommen auch hier keine zum Einsatz – «Bei der Grösse unseres Skigebiets ist das mit Blick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis kein Thema.» Dafür kommen die Wanderer. «Das Winterwandern kannte man vor 30 Jahren noch nicht so intensiv. Jetzt stellt es eine wichtige Stütze für unseren Tourismus dar.»

Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 9. Januar 2020)

Unglücklich ist Schuler mit dem Saisonstart nicht. Auf Biel Kinzig konnten bereits eine Woche vor Weihnachten die Pisten freigegeben werden. «Über die Festtage waren wir gut besucht. Wir haben viele Wintersportler, die uns treu sind, Eltern mit Kindern etwa.» Unter grossem Einsatz habe die Pisten präpariert, mit Schaufeln und Pistenfahrzeugen.

Einen guten Saisonstart konnte man auch auf der Sonnenterrasse Gitschenen in Isenthal verbuchen: Über die Festtage lief der Lift. Dank der vielen Ferienhäuser war das Ausflugsziel gut besucht, sagen die Verantwortlichen. Momentan kommen noch vereinzelt Langläufer, Skitourenfahrer und Schneeschuhläufer.

Wandern, Velofahren und die Sonne geniessen, das ist auf dem Haldi ob Schattdorf angesagt. «Der Skilift war bisher nicht in Betrieb», sagt Luftseilbahn-Betriebsleiter Christian Gisler.

«Die Leute kommen aufgrund der Hochnebel-Lage trotzdem. Oben ist es sonnig, unten grau.»

Über die Festtage hätten sich viele Familien dem Wandern verschrieben, jetzt folgten die Senioren. Zudem freut man sich über die aktiven Ferienhausbesitzer, die sogar aus den Niederlanden anreisen.

Traumhafte Verhältnisse für Wanderer bietet derzeit auch das Ratzi ob Spiringen. Die Skifahrer müssen aber auf eine andere Destination ausweichen: Das Skigebiet war in der aktuellen Saison nur am 28. und 29. Dezember offen. «Das war ein kurzer Einsatz mit einem grossen Aufwand für zwei Tage. Aber wir haben es für die Gäste gerne getan. Diese haben sich sehr gefreut», sagt der Präsident der Verwaltung Hans Herger. Der grösste Trumpf des Ratzi sei auch dessen grösster Fluch: Es liegt an einem Sonnenhang. «Dieses Jahr ist wenig Schnee gefallen. Für den Rest haben die strahlende Sonne und der Föhn gesorgt.» Zur Frage der Schneekanone sagt Herger mit einem Augenzwinkern: «Wir haben eine Bio-Piste.»

Eingeschränkter Betrieb wegen Januarloch

Als relativ schneesicher gilt das Brüsti ob Attinghausen, obwohl es nur auf 1525 bis 1600 Metern liegt. Das Skigebiet befindet sich auf der Nordseite des Brüsti. «Bis zirka Mitte Januar haben wir beim Skilift am Nachmittag nur wenig Sonne», sagt Bahn-Verwaltungsrat Kari Briker. Die nächsten zwei Wochen ist das Skigebiet nur mittwochs und am Wochenende geöffnet. Als Grund nennt Briker das Januarloch, welches erfahrungsgemäss bis zu den Sportferien dauert. Danach ist der Skilift wieder die ganze Woche in Betrieb.

Die Gästezahlen auf dem Brüsti sind laut Briker im Vergleich zu den Vorjahren stabil. «In Andermatt gibt es neue Möglichkeiten und die Halbtaxabos für Skitickets machen uns zu schaffen. Doch zu uns kommen viele Familien und langjährige Gäste», sagt er. Der Verwaltungsrat streicht die im Vergleich zu grösseren Skigebieten geringen Wartezeiten am Lift hervor. Dank nur noch mässigen Lawinensituation stehen den Brüsti-Besuchern zudem die Möglichkeiten von Skitouren und Schneeschuhwanderungen offen.

Langlauf-Freunde müssen derzeit auf die Destination Unterschächen verzichten. Auf der 6,5 Kilometer langen Loipen sind nur 400 Meter geöffnet. Der Rest der Piste bleibt bis zum nächsten Schneefall geschlossen. Langläufer, die sich trotzdem im Schnee austoben wollen, kommen in Andermatt, Hospental und Realp auf ihre Kosten. Alle 28 Kilometer Loipen stehen für die Wintersportler seit Ende November durchgehend bereit. In Andermatt ist man sich des Glücks der höheren Lage bewusst: «Wir profitieren davon, dass andere Regionen nicht präparieren konnten», sagt Jacqueline Baumann von Andermatt Tourismus.

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