Urner sterben früher – fühlen sich aber gesünder

Der kantonale Gesundheitsbericht attestiert den Urnern eine hohe Zufriedenheit. Bei den objektiv messbaren Kriterien liegt Uri im Durchschnitt der Schweiz.

Florian Arnold
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Die Urnerinnen und Urner fühlen sich gesünder als der schweizerische Durchschnitt. Dies geht aus dem dritten kantonalen Gesundheitsbericht hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Gesundheitsdirektor Christian Arnold ist stolz auf dieses Resultat. «Wir dürfen uns verglichen mit der Schweiz sehen lassen.» Die Gesundheit sei aktuell das Thema Nummer eins, sagte er im Rahmen einer Präsentation vor den Medien am Mittwoch. Die Coronakrise habe wieder ins Bewusstsein gerückt, was im Leben wichtig sei. «Wenn bei der Gesundheit etwas nicht mehr stimmt, zieht das weitreichende Konsequenzen mit sich», so Arnold.

Gesundheitsdirektor Christian Arnold (links) und Damian Hedinger von Obsan diskutieren den dritten kantonalen Gesundheitsbericht.

Gesundheitsdirektor Christian Arnold (links) und Damian Hedinger von Obsan diskutieren den dritten kantonalen Gesundheitsbericht.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 2. September 2020)

Die entsprechenden Daten werden vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) alle fünf Jahre erhoben. Die Basis des aktuellen Berichts bildeten die Zahlen von 2017. Diese sehen wie folgt aus: 88,1 Prozent der Urner Bevölkerung schätzen ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Der Durchschnitt der Gesamtschweiz liegt bei 85 Prozent. 29 Prozent der Urner Bevölkerung (schweizweit 33 Prozent) leiden an einem lang andauernden Gesundheitsproblem, und 21 Prozent (schweizweit 25 Prozent) sind durch ein Gesundheitsproblem eingeschränkt.

Spezialärzte werden weniger besucht

Damian Hedinger, der den Bericht erstellt hat, wies drauf hin, dass die Urner vor allem bei den subjektiven Faktoren besser abschneiden. Dies widerspiegelt sich auch bei den Arztbesuchen. Die Urnerinnen und Urner gehen pro Jahr 2,2 Mal zum Hausarzt und suchen nur 1 Mal einen Spezialarzt auf (ohne Frauenärzte). Schweizweit liegen die Zahlen bei 2,3 Hausarztbesuchen sowie 1,5 Spezialarztbesuchen. Zudem werden im Kanton Uri auch weniger Vorsorge- beziehungsweise Kontrolluntersuchungen für chronische Krankheiten und Krebs in Anspruch genommen. In Uri zahlt man nach Appenzell Innerrhoden und Nidwalden am drittwenigsten Krankenkassenprämien.

Was die objektiven Kriterien angeht, liegt der Kanton Uri in etwa im Schweizer Mittel. Die Lebenserwartung steigt zwar stetig, sie liegt aber mit 84 Jahre bei den Frauen und 81 Jahre bei den Männern unter dem Schweizer Durchschnitt. Sowohl im Kanton Uri als auch in der Gesamtschweiz sterben die Menschen am häufigsten an Herz-Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Krebserkrankungen.

Übergewicht ist eine Volkskrankheit

42 Prozent der Urnerinnen und Urner sind von Übergewicht (inklusive Adipositas) betroffen. Das Problem ist bei den Männern höher. Dies geht auch mit einem geringeren Bewusstsein für gute Ernährung einher: Frauen achten mehr auf ihre Ernährung, und Urner Männer achten seltener auf ihre Ernährung als Schweizer Männer. 19 Prozent der Urnerinnen und Urner geben einen erhöhten Blutdruck an, 9 Prozent erhöhte Cholesterinwerte und 5 Prozent berichten von Diabetes. Allerdings hat die körperliche Aktivität seit 2007 sowohl im Kanton Uri als auch in der Schweiz zugenommen.

Im Kanton Uri liegt der Raucheranteil bei 23 Prozent (Schweiz: 27 Prozent). Im Jahr 2017 berichten 13 Prozent aller Urner und 15 Prozent aller Schweizer von einem täglichen Alkoholkonsum (5 Prozent Urnerinnen und 7 Prozent Schweizerinnen). Auch der wöchentliche Konsum ist bei den Männern deutlich ausgeprägter als bei den Frauen. Die Anteile im Kanton Uri liegen tendenziell unter dem Schweizer Durchschnitt.

Grundlage für politische Entscheide

Nicht zuletzt ist auch die Arbeitszufriedenheit in Uri gross. Über drei Viertel der Befragten sind mit ihrer Arbeit (sehr) zufrieden. Nur 3 Prozent geben an, dass sie mit ihrer Arbeit (sehr) unzufrieden seien, was deutlich unter dem Wert der Gesamtschweiz liegt (11 Prozent). Aber 9 von 10 Erwerbstätigen in Uri berichten sowohl von physischen als auch von psychosozialen Belastungen bei der Arbeit. 13 Prozent kennen das Gefühl emotionaler Erschöpfung, ein Indikator für Burn-out. 10 Prozent aller Urnerinnen und Urner berichten von mittleren bis starken psychischen Belastungen, was weniger sind als in der Gesamtschweiz (15 Prozent).

Für den Gesundheitsdirektor Christian Arnold sind die Daten sehr wertvoll. Sie würden die Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen bilden. In den bereits laufenden Projekten fühlt man sich durch den jüngsten Bericht bestätigt. So ist die Gesundheitsförderung Uri in den Bereichen Ernährung und Bewegung, Gesundheitsförderung im Alter sowie psychische Gesundheit aktiv. Sensibilisieren möchte man die Urner Bevölkerung für mehr Vorsorgeuntersuchungen.

Der Beitrag von Tele 1: