Urner Triathletin Jolanda Annen hält sich in einem privaten Pool fit: «Ich bin froh, draussen trainieren zu dürfen»

Dass Olympia erst 2021 stattfindet, kommt der 27-jährigen Schattdorferin gelegen. Eine Fussverletzung warf sie im Februar zurück. Demnächst beginnt sie wieder mit Lauftraining und hofft, dass dieses Jahr noch Wettkämpfe durchgeführt werden.

Urs Hanhart
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Vor vier Jahren sorgte die Schattdorferin Jolanda Annen in Rio im olympischen Triathlon mit dem sensationellen 14. Platz mächtig für Furore. Heuer wollte sie in Tokio noch eine Schippe drauflegen und sich ein olympisches Diplom sichern, also unter die besten Acht vorstossen. Dieses grosse Ziel muss sie nun verschieben. Die Olympischen Spiele in der japanischen Metropole sind wegen der Coronapandemie auf 2021 verlegt worden. «Das war der einzig richtige Entscheid. Es würde komisch rüberkommen, wenn man in der Sportwelt so tun würde, als wäre nichts geschehen. Zudem hätten sich viele Athleten gar nicht richtig vorbereiten können, weil die Sportstätten geschlossen sind», sagt Annen und meint: «Die Bedingungen wären alles andere als fair gewesen, zumal viele Sportler aufgrund von Ausgangssperren seit geraumer Zeit nicht mehr draussen trainieren dürfen.»

Mehr als zwei Monate kein Lauftraining

Anfangs Februar zog sich Annen auf einer Veloausfahrt bei einer Kollision mit einem unvermittelt abbiegenden Auto den Bruch von drei Mittelfussknochen zu. Daraufhin musste sie eine Zwangspause einlegen. Mittlerweile sind die Brüche gut verheilt. «Demnächst kann ich das Lauftraining wieder aufnehmen. Ich werde es aber langsam angehen und einen vorsichtigen Aufbau machen», verrät die Urnerin. Annen hat erst die Hälfte der Olympia-Qualifikation in der Tasche. Ursprünglich hatte sie geplant, im Frühling vier Rennen zu absolvieren, unter anderem in Brasilien und auf den Bermudas, und sich dort mit guten Resultaten das Ticket für Tokio endgültig zu sichern. Aber die Fussverletzung machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Jolanda Annen beim Zieleinlauf beim Sieg am Uri Triathlon.

Jolanda Annen beim Zieleinlauf beim Sieg am Uri Triathlon.

Bild: Urs Hanhart (2. Juli 2017)

Sie wäre sogar dazu verdammt gewesen, darauf zu hoffen, dass ihr keine andere Schweizer Triathletin mit starken Auftritten das Olympia-Ticket vor der Nase wegschnappt. So gesehen kam für sie die Verschiebung des weltweit grössten Sportevents ganz gelegen. Nun hat sie es nämlich wieder in der Hand, die Olympia-Selektion aus eigener Kraft zu schaffen. 

«Die Ausgangslage war ziemlich schlecht für mich.»

Nun sei sie natürlich froh, wieder selber eingreifen zu können, erklärt die Triathlon-Schweizer-Meisterin von 2015.

Im Gegensatz zum Lauf- konnte die Profi-Triathletin das Schwimm- und Radtraining schon vor geraumer Zeit wieder aufnehmen. «Die Hallenbäder sind geschlossen. Aber ich habe die Möglichkeit erhalten, in einem privaten Pool meine Schwimmeinheiten absolvieren zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar», so Annen. «Im Schwimmen und Radfahren habe ich intensiv trainiert. Dadurch fühle ich mich in diesen beiden Disziplinen sehr gut in Form, so gut wie noch nie.»

Jolanda Annen im Jahr 2018 beim Weltcup-Rennen in Salinas (Ecuador).

Jolanda Annen im Jahr 2018 beim Weltcup-Rennen in Salinas (Ecuador).

PD

Saisonstart erst im Sommer oder Spätsommer

Im Triathlon werden aufgrund der Coronakrise bis mindestens Ende Juni keine Wettkämpfe ausgetragen. Das hat die Internationale Triathlon-Union so entschieden. Es gibt bereits Gerüchte, dass diese Pause bis Ende August verlängert wird. Trotz dieser Ungewissheit hat Annen nach eigenen Angaben keineswegs mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Sie betont: «Ich hoffe, dass es wenigstens im September und Oktober noch einige Weltcuprennen geben wird. Ich möchte bestmöglich bereit sein und versuchen noch einige gute Resultate zu erzielen. Selbstverständlich würde ich lieber im Hallenbad trainieren und ab und zu auch mit einer Gruppe Velo fahren oder laufen.» Aber es gehe allen so und man müsse versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. «Ich bin sehr froh, dass wir in der Schweiz draussen trainieren dürfen. Das geniesse ich sehr», sagt die 27-Jährige.

Die Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronakrise sind auch für Annen in privater Hinsicht recht einschneidend. Dazu sagt sie: «Wenn ich zu Hause bin, pflege ich gerne die sozialen Kontakte. Jetzt läuft es halt mehrheitlich telefonisch. Das ist schon etwas komisch.»

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