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URNER UMWELTGESETZ: Erfolgsgeschichte mit harzigem Start

Mit dem kantonalen Gesetz, das Uri 2007 guthiess, wurde unter anderem der Grundstein für die Abwasser Uri AG gelegt. Trotz dieser guten Lösung weht dem Amt für Umweltschutz ein starker Wind entgegen.
Florian Arnold
Erfolgsgeschichte mit harzigem Start

Erfolgsgeschichte mit harzigem Start

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Eigentlich wäre es reine Formsache gewesen. Denn beim neuen kantonalen Umweltgesetz ging es nicht darum, neues Recht zu schaffen, sondern die nationalen Vorschriften zu übernehmen und für Uri zu regeln. Trotzdem sagte das Urner Volk zu einer ersten Vorlage Nein. Erst einer überarbeiteten Version wurde vor 10 Jahren zugestimmt.

Alexander Imhof, Leiter des Amts für Umweltschutz, erinnert sich: «Die Gemeinden fürchteten sich vor einer gemeinsamen Lösung für die Abwasserreinigung.» Vorher war jede Gemeinde selber für ihr Abwasser verantwortlich. Nun sollte dafür die Abwasser Uri zuständig sein – was zu vielen Diskussionen führte. Die Gemeinden wurden fortan zu Aktionären. Ihre Infrastruktur wurde von der Abwasser Uri übernommen. «Man konnte nur schwer abschätzen, mit wie viel Geld die einzelnen Gemeinden für ihre eigenen Anlagen entschädigt werden würden», so Imhof.

Gebühren konnten schon zweimal gesenkt werden

Nach dem harzigen Start ging es bergauf. «Die Abwasser Uri AG ist eine absolute Erfolgsgeschichte, die schweizweit anerkannt wird», so Imhof. Der Aktionärsschlüssel sei nun unumstritten. Die Gemeinden wurden entlastet und schrieben nach der Übernahme hohe Gewinne, denn die gesamten Infrastrukturen mit Leitungen und Anlagen wurden übernommen und abgegolten. «Die Abwasser Uri funktioniert heute wirtschaftlich», sagt Imhof. Die Gebühren konnten seit der Gründung schon zweimal gesenkt werden. Gerade kleinere Gemeinden wurden von einer schweren Last befreit. Denn die eigenen ARAs wurden vielerorts zur Hypothek.

Geplant ist, dass bald das gesamte Abwasser von Realp bis zum Urner Talboden in Altdorf gereinigt wird. Die erforderlichen Leitungen werden aktuell gebaut. Die ARA Realp und Erstfeld konnten bereits aufgehoben werden. Und jene in Andermatt, Göschenen und Wassen werden bald überflüssig. «Die Anlage in Altdorf ist auf einem sehr modernen Stand, weist also eine sehr gute Reinigungsqualität auf und ist zudem genug gross, um auch die künftigen Abwassermengen zu verarbeiten», sagt Imhof.

Landwirtschaft ist kritisch gestimmt

Die Abwasser Uri ist nicht umstritten. Die Arbeit des Amts für Umweltschutz jedoch schon. «Der Urner ist zwar sehr naturverbunden, und ihm ist es darum auch ein Anliegen, dass der Natur Sorge getragen wird», sagt Imhof. «Doch der Umweltschutz ist aus dem Fokus der Politik verschwunden.» Probleme wie der Gewässerschutz seien nicht mehr zentral. Gerade von der Landwirtschaft her wehe ein zäher Gegenwind, so Imhof. «Insbesondere der schweizweite Widerstand gegen den Gewässerraum hat dazu beigetragen, dass man uns gegenüber sehr skeptisch ist.» Dies, obwohl viele Landwirte von den Gewässerschutzbestimmungen profitiert hätten. «Die Bauern erhalten heute Abgeltungen für Land, das sie nicht düngen dürfen», erklärt Imhof.

Ein anderer Gegenspieler ist die Wirtschaft. «Wir gelten oft als Verhinderer. Dabei geht es uns nur darum, dass die in der Bundesgesetzgebung vorgeschriebenen Richt- und Grenzwerte eingehalten werden.» Gerade der Lärmschutz habe an Bedeutung gewonnen. «Die Bedürfnisse nach Wirtschaftswachstum und nach Ruhe lassen sich eben nicht immer vereinen.»

Viele wünschten sich aber auch, der Umweltschutz würde der starken Bautätigkeit in Uri und dem damit verbundenen Kulturlandverlust einen Riegel schieben. So weit aber reiche das Gesetz nicht, erklärt Imhof. «Wir können uns diesbezüglich höchstens bei Richtplananpassungen einbringen. Aber letztlich entscheidet jede Gemeinde selber, wo gebaut werden darf.»

Bei den Bauabfällen ziehen das Amt für Umweltschutz und die Wirtschaft aber am selben Strick. «Unser Ziel ist es, dass ­Abbruchmaterial besser wiederverwertet werden kann», sagt Imhof. Beim Siedlungsabfall bestehe momentan kein Handlungsbedarf. «Die Verbrennungsanlage in Perlen im Kanton Luzern ist noch lange nicht ausgelastet.» Und Uri könnte die Kapazitäten, um die Schlacke zu lagern, problemlos bereitstellen. Trotzdem gäbe es noch Potenzial in der Bevölkerung. «Wir möchten die Leute sensibilisieren, dass sie vermehrt Produkte konsumieren, die mit weniger Verpackung auskommen.» Zudem wäre es wünschenswert, dass Geräte eher repariert als ersetzt würden. «Auf solche Dinge können wir aber nur mit Kampagnen aufmerksam machen. Man kann niemanden dazu zwingen.»

In einer Analyse des Verwaltungsapparats von Uri kam BAK Basel zum Schluss, dass das Urner Amt für Umweltschutz im Vergleich etwa zu Appenzell Innerrhoden oder Obwalden überdotiert sei. Die Aufgabengebiete seien von Kanton zu Kanton anders verteilt, erklärt Imhof. In Appenzell Innerrhoden sind die Fischerei und ein grosser Teil des Gewässerschutzes nicht beim Umweltamt untergebracht. «Zudem hat unser Kanton sehr viele Grossbaustellen», so der Leiter des Amts. Dazu zählten etwa der baldige Ausbau des Axens, die Skiinfrastrukturen und Sanierungen, die bis zum Gotthardpass reichen. «Nicht zu vergessen ist auch der Transitverkehr, der mit dem Bau der zweiten Röhre an Bedeutung gewinnen wird», sagt Imhof (siehe Box).

Es gibt neue Herausforderungen

«Unser Amt ist für die Umsetzung und Einhaltung von mehr als 20 Bundesgesetzen und -verordnungen verantwortlich», sagt Imhof. Gewässerrenaturierungen, Restwasserbestimmungen bei Wasserkraftwerken, Seeschüttungen und die Grundwassernutzung sind die kommenden Herausforderungen.

Hinzu kommen auch bisher weniger beachtete Probleme, wie etwa Mikroverunreinigungen im Abwasser, Lichtverschmutzung, Klimawandel oder belastete Böden. «Daneben wird die Trinkwassersituation für einige Gemeinden in Zukunft eine Herausforderung», sagt Imhof. «Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden wird noch wichtiger werden.»

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