Urner Umweltrat kritisiert Ehrenbürgerrecht für Sawiris: «Regierung handelt fern von jeglicher Sensibilität»

Der Vorschlag des Regierungsrats, dem ägyptischen Milliardär das Urner Ehrenbürgerrecht zu verleihen, löst unterschiedliche Reaktionen aus. Der Umweltrat kritisiert, Wirtschaft Uri lobt.

Philipp Zurfluh
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Nachdem die Urner Regierung am 28. April verkündete, Samih Sawiris (63) für sein Engagement zum Ehrenbürger von Uri zu ernennen, gab es auch kritische Voten. «Wenn man schon Investoren im Kanton Uri zu Ehrenbürgern erküren will, hätte es da noch viele CEO, die auch im Kanton Uri eine Firma aufgebaut haben, hier seit Jahrzehnten wohnen und als Kind schon hier in die Schule gingen», steht in einem Leserbrief. Weitere Leser unserer Zeitung argumentieren ähnlich. «Wen immer ich auf der Strasse frage, was sie von dieser Idee halten: Die Antwort ist in den allermeisten Fällen ein Kopfschütteln. Als ob es zurzeit nichts Wichtigeres zu entscheiden gäbe», schreibt jemand anderes.

Erhält Samih Sawiris das Ehrenbürgerrecht? Das Urner Parlament befindet darüber in der Session vom 18. Mai.

Erhält Samih Sawiris das Ehrenbürgerrecht? Das Urner Parlament befindet darüber in der Session vom 18. Mai.

Bild: Alexandra Wey / Keystone (Andermatt, 25. Juni 2017)

Harsche Kritik am Regierungsrat äussern nun die Urner Umweltorganisationen Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Uri, Pro Natura Uri und VCS Uri. Sie tun in einer Mitteilung ihren Ärger kund und wehren sich gegen die Darstellung des Regierungsrats, dass es dem Milliardär «gelungen sei, die Umweltorganisationen von seiner unternehmerischen Vision zu überzeugen». Dass er in seiner Begründung der Urner Umweltverbände heranziehe, entbehre jeglicher Grundlage. «Aus Sicht der Urner Umweltorganisationen hat er das Ehrenbürgerrecht nicht verdient», sagt Pia Tresch, Geschäftsführerin von Pro Natura Uri, auf Anfrage. «Richtig ist, dass die Umweltorganisationen vor allem den Schaden zu begrenzen versuchten, indem sie die Rechtsmittel ergriffen, die zur Verfügung standen.» Leider werde nun einfach ausgeblendet, dass Sawiris in den Kanton Uri gekommen sei, um hier nicht ganz uneigennützig zu investieren, um hier sein Geld zu investieren und um mit der Landschaft Geld zu verdienen.

Auch der Zeitpunkt der Auszeichnung ist für Pia Tresch unverständlich. «Es ist fern von jeglicher Sensibilität, einen Milliardär zum Ehrenbürger vorzuschlagen, während Menschen ums Überleben und ihre Existenzen kämpfen.» Dieses Argument lässt René Röthlisberger, Präsident Wirtschaft Uri, nicht gelten. «Die Wahl aufgrund von Corona zu verschieben, wäre ein politischer Blödsinn», so der Wirtschaftsvertreter. «Seien wir doch froh, dass es in diesen Zeiten auch Positives zu vermelden gibt», so Röthlisberger.

«Grossartiges für Uri geleistet»

Der Präsident von Wirtschaft Uri unterstützt die Auszeichnung für den Unternehmer. «Sawiris hat den Kanton Uri in den vergangenen 15 Jahren aus unternehmerischer Sicht am meisten vorwärtsgebracht.» Alle Unternehmen und Unternehmer mit innovativem Handeln, Durchhaltewillen und dem Tatendrang einer Weiterentwicklung für einen Mehrwert würden Wertschätzung verdienen. «Die Arbeit im Zusammenhang mit dem Resort in Andermatt hat weit über die Kantonsgrenzen Schlagzeilen gemacht. Er hat Grossartiges für Uri geleistet», sagt René Röthlisberger. Durch Sawiris sei eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen worden. Mit dem heutigen Ausbaustandard und der Geschäftsentwicklung habe er bewiesen, dass nebst aller Leidenschaft auch unternehmerisches Geschick notwendig gewesen sei. «Er hat viele Unternehmer beflügelt», ist Röthlisberger überzeugt. «Wir in Uri müssen Neues wagen und weiter innovativ bleiben.»

Sawiris: «Milliardenverlust wegen ein paar hundert Todesopfer»

(pz) Der Unternehmer sorgte in einem Interview vom 3. Mai in der «Sonntags-Zeitung» mit Äusserungen für viel Aufsehen. Darin kritisierte er die Massnahmen der Schweiz gegen die Coronapandemie. «Es gehen Milliarden von Franken verloren für ein paar hundert weniger Tote.» Der Aufwand in der Schweiz, um Menschen unter 60 Jahren vor Covid-19 zu retten, stehe in keinem Verhältnis zum Schaden für die Wirtschaft, sagte er weiter. «Bislang gab es in der Schweiz unter 200 Todesfälle in dieser Altersgruppe. Eher gewinnt man im Lotto, als dass man an Covid-19 stirbt.»

Umweltverbände setzen ihre Hoffnung auf den Landrat

Die unternehmerischen Fähigkeiten des Ägypters möchte Pia Tresch nicht in Abrede stellen. Er habe viel zur Wertschöpfung beigetragen. Stellvertretend für die Urner Umweltverbände ist sie jedoch der Meinung, dass viele andere im Kanton Uri ansässige Firmen seit Jahrzehnten Arbeitsplätze schaffen würden und die noch mehr Auszeichnung verdient hätten.

Die Umweltorganisationen hoffen, dass der Landrat am Montag «genügend Fingerspitzengefühl an den Tag legt» und das Geschäft abtraktandiert, da es momentan Wichtigeres zu besprechen gäbe. Doch Pia Tresch macht sich keine Illusionen: «Niemand will gegen Sawiris etwas Negatives sagen. Man toleriert und schweigt, Hauptsache das Geld fliesst weiterhin.»