Urner wollen mit Leihladen zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen

In Altdorf können künftig Alltagsgegenstände - von der Schraubzwinge bis zum VW-Bus - ausgeliehen werden.

Interview: Thomas Huwyler
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Marina und Reto Jäger betreiben künftig den Leihladen in Altdorf.

Marina und Reto Jäger betreiben künftig den Leihladen in Altdorf.

Bild: PD

Gegenstände ausleihen und vielen zur Verfügung stellen statt daheim verstauben lassen oder gar wegwerfen: So lautet die Devise des ersten Leihladens der Zentralschweiz, der am 10.Januar in Altdorf eröffnet wird. Marina und Reto Jäger sind die innovativen Köpfe hinter dem Projekt. Im Interview erzählen sie, wie der Leihladen entstanden ist und was ihre Ziele sind.

Sie eröffnen am 10.Januar an der Hellgasse 25 in Altdorf den ersten Leihladen der Zentralschweiz. Was ist ein Leihladen?

Marina Jäger: Ein Leihladen funktioniert nach dem bewährten Prinzip einer Bibliothek, mit dem Unterschied, dass man bei uns anstelle von Büchern Alltagsgegenstände wie Werkzeuge, Sportgeräte oder Haushaltsgeräte ausleihen kann.

Was für eine Idee steckt dahinter?

Reto Jäger: Die Grundidee schlummert schon seit Jahren in unseren Köpfen. In unserem Haushalt haben sich über die Jahre viele Geräte und Gegenstände angesammelt, die wegen seltenen Gebrauchs Staub angesetzt haben. Ein Leihladen bietet die Möglichkeit, diese Gegenstände weiterhin nutzen zu können, aber gleichzeitig auch Anderen zugänglich zu machen. Wenn mehrere Personen Gegenstände beisteuern, entsteht ein wertvolles Inventar, das von vielen genutzt werden kann. Jede Sachspende ist willkommen und erhöht die Attraktivität des Leihladens.

Warum braucht es diesen Leihladen?

Marina Jäger: Wir sind überzeugt, dass die Leihkultur ein wichtiges Puzzleteil ist, um den gewaltigen Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Wenn wir wirklich eine nachhaltigere Gesellschaft anstreben, müssen wir uns von den «Geiz ist geil» und «Das gönn ich mir»-Mentalitäten verabschieden. Wertvolle und qualitativ hochstehende Produkte zu leihen, erscheint uns weit sinnvoller, als billige Wegwerfprodukten zu kaufen, die weder zuverlässig funktionieren noch repariert werden können und als Folge einen riesigen Abfallberg verursachen.

Wie funktioniert der Leihladen?

Reto Jäger: Die Ausleihe erfolgt über die gleiche Onlineplattform, die auch von der Kantonsbibliothek Uri genutzt wird. Wer einen Gegenstand ausleihen will, kann dies bequem via Internet von zu Hause aus erledigen: den Wunschgegenstand suchen, für den benötigten Zeitraum reservieren und dann im Leihladen an der Hellgasse 25 während den Öffnungszeiten abholen und zurückbringen.

Was kann ausgeliehen werden?

Reto Jäger: Unser Sortiment basiert auf den Kategorien «Handwerk und Garten», «Elektronische Geräte», «Freizeit und Sport», «Küche und Haushalt» sowie «Fahrzeuge und Mobilität». Konkret kann man bei uns eine Bohr- und Hobelmaschine, einen Beamer, eine Drohne, Schneeschuhe, Kanus, einen Dörrapparat, eine Popcornmaschine oder einen VW-Bus samt Fahrradheckträger ausleihen. Neben den attraktiven Gegenständen haben wir auch einige Mauerblümchen im Sortiment, die für gewisse Situationen aber unentbehrlich sind, beispielsweise Kabel, Übergangsstecker für Reisen oder Schraubzwingen.

Wer kann den Leihladen benutzen?

Marina Jäger: Der Leihladen kann von allen genutzt werden, die bereit sind, unserem Verein beizutreten. Wir haben das System mit der Mitgliedschaft bewusst gewählt, weil wir davon ausgehen, dass eine Vereinsmitgliedschaft auch ein Bekenntnis zur Haltung «Leihen statt kaufen» darstellt.

Kostet es, wenn man etwas ausleihen will?

Reto Jäger: Die Ausleihe der Gegenstände ist für Vereinsmitglieder kostenlos. Der Jahresbeitrag beträgt für Einzelpersonen 100Franken, für Paare und Familien 140Franken sowie 50Franken für Lehrlinge und Studenten. Da uns bewusst ist, dass sich nicht alle diese Ausgabe leisten können, darf der Mitgliederbeitrag aber kein Ausschlusskriterium sein. Darum bieten wir die Mitgliedschaft im Bedarfsfall auch für einen kleineren Betrag an. Ohne Angaben von Gründen kann der Mitgliederbeitrag selbst festgelegt werden.

Wie sieht es versicherungstechnisch aus, wenn etwas beim Gebrauchen kaputtgeht?

Marina Jäger: Leider können die Leihgegenstände nicht versichert werden. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass unsere Artikel im selben Zustand zurückkommen, wie wir sie verliehen haben. Bei einem Schaden werden wir gemeinsam nach einer Lösung suchen, die für beide Parteien stimmt. Wenn immer möglich, soll der Gegenstand repariert werden.

Der Aufbau des Leihladens hat Geld gekostet. Werden Sie finanziell unterstützt?

Marina Jäger: Neben einer Stiftung haben uns bis jetzt diverse private Gönner und einige Firmen unterstützt. Zudem sind die Mitgliederbeiträge eine wichtige Einnahmequelle. Damit der Verein finanziell auf sicheren Beinen stehen kann, hoffen wir natürlich auch auf eine Unterstützung von Kanton und Gemeinden. Da wir fest von unserer Idee überzeugt sind, sind wir als Initianten des Vereins bis jetzt für sämtlichen ungedeckten Kosten aufgekommen. Nach der Aufbauphase werden wir uns in den nächsten Monaten überlegen, wie der Verein in Zukunft finanziert werden kann. Dabei werden wir uns mit konkreten Konzepten an die entsprechenden Stellen wenden. Kurz gesagt: die Finanzierung der IG-Future bleibt vorläufig eine Herausforderung und wir freuen uns über jegliche Art von Support.

Wann ist der Leihladen aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Reto Jäger: Wenn es uns gelingt, ein Sortiment aufzubauen, das möglichst vielen Mitgliedern einen echten Mehrwert bietet, sind wir auf dem richtigen Weg. Wenn die Produkte dann tatsächlich auch genutzt werden, können wir von einem Erfolg sprechen. Da unser Lokal auch über einen Gastrobereich verfügt, wäre es schön, wenn sich der Leihladen während den Öffnungszeiten zu einem Treffpunkt entwickelt.

Was kommt Als Nächstes?

Reto Jäger: In den letzten Monaten haben wir intensiv daraufhin gearbeitet, dass wir den Leihladen am 10.Januar eröffnen können. Damit sich Interessierte ein Bild vom Leihladen und von unserem Verein machen können, führen wir am Samstag, 25.Januar, einen Tag der offenen Tür durch. Neben dem Leihladen plant und organisiert der Verein IG-Future auch Aktivitäten und Events. Am Samstag, 28.März, spielt die Band Walliser Seema in unserem Lokal. Für den Frühling sind weitere Aktivitäten geplant. Sobald alle Details klar sind, werden wir die Daten auf unserer Website veröffentlichen.

Öffnungszeiten: Montag, 17 bis 19Uhr, Freitag, 16 bis 19Uhr und Samstag, 10 bis 12Uhr. Informationen und Kontakt unter ig-future.ch, kontakt@ig-future.ch oder auf Facebook Ig-future.