URNERBODEN: Urner Grosskäserei ist bereit zum Start

Die Käserei ist das grösste Projekt, das die Älpler auf dem Urnerboden je gemeinsam realisiert haben. Nun wird sich zeigen, ob sich der Mut gelohnt hat.

Bruno Arnold
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Schon bald wird sich weisen, ob sich der Weitblick des Verwaltungsratspräsidenten der Alpkäserei Urnerboden AG, Toni Gisler, auszahlt. (Bild Eveline Beerkircher)

Schon bald wird sich weisen, ob sich der Weitblick des Verwaltungsratspräsidenten der Alpkäserei Urnerboden AG, Toni Gisler, auszahlt. (Bild Eveline Beerkircher)

Toni Gisler aus Bürglen verbringt 2014 seinen 24. Alpsommer auf dem Urnerboden – mit Melken, Käsen, Stallausmisten, Tierpflege, «Scheenä» und allem, was sonst noch dazugehört. Doch der 24. Alpsommer ist für ihn nicht einfach Routinearbeit, er ist speziell und einmalig: Ab Dienstag wird in der nigelnagelneuen Alpkäserei auf dem Urnerboden erstmals Milch verarbeitet. Während Jahren hat Gisler für dieses Projekt gekämpft, Überzeugungsarbeit geleistet, unzählige Gespräche und Verhandlungen geführt, Sitzungen abgehalten sowie Pläne und Kostenberechnungen studiert. «Ein bisschen stolz bin ich jetzt schon», sagt der Verwaltungsratspräsident der Alpkäserei Urnerboden AG und blickt zur Käserei. Dort herrscht wenige Tage vor der offiziellen Betriebsaufnahme emsiges Treiben. Handwerker führen Abschlussarbeiten an den In­stallationen aus, Michaela Jost richtet den Verkaufsladen ein, Betriebsleiter Martin Stadelmann und Käser Thomas Schacher polieren das 6500 Liter fassende «Kessi». Vor dem Neubau dampft der Teer, über den schwere Walzen fahren. Gisler diskutiert derweil mit dem Finanzchef der Alpkäserei AG, Sepp Huber. Er tut dies in Intervallen, denn sein iPhone läutet fast im 10-Minuten-Takt. «Für den Schlussspurt brauchen wir jede Stunde», sagt Gisler lachend.

«Ein hunderttägiger Probelauf»

«Ein bisschen angespannt bin ich schon», meint Gisler. «Aber ich bin äusserst zuversichtlich.» Der Probelauf ist gelungen, die Produktionsabläufe haben bestens funktioniert. «Natürlich: Kinderkrankheiten gibt es immer. Doch wir haben Spezialisten vor Ort, die schnell eingreifen können.» Finanzchef Sepp Huber nickt bestätigend und meint: «Der erste Sommer ist sehr wichtig, auch wenn er fast so etwas wie ein hunderttägiger Probelauf ist.»

Rund 1,4 Millionen Liter Milch fallen während eines Alpsommers auf dem Urnerboden und den Oberstafeln an. Rund 500 000 Liter werden auch in naher Zukunft von mehreren Älplern selber verkäst, die damit weiterhin eine grosse Käsevielfalt garantieren. 400 000 Liter gehen an die Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), und 500 000 Liter werden in der Käserei auf dem Urnerboden zu grossen Alpkäsen, «Mutschli», Raclette, Joghurt, Rahm, Butter, Pastmilch, Milchdrinks und so weiter verarbeitet. «Mehr wollen wir anfänglich auch nicht», betonen Huber und Gisler. «Wichtig ist, dass wir nicht auf den Produkten sitzen bleiben, sondern dass wir den Absatz sichern können», erklärt Gisler. «Hauptabnehmer sind Coop und Migros Zentralschweiz. Aber auch Urner Detailhändler werden unsere Produkte führen», ergänzt Huber. Und nicht zuletzt hoffen die Verantwortlichen auf viele Kunden im Laden, der im Käsereigebäude integriert ist. «Wenn die Qualität der Produkte stimmt, dann ist sehr viel erreicht», ist Huber überzeugt. «Und sollten wir dann den Älplern im Herbst auch noch einen einigermassen guten Milchpreis auszahlen können, dann werden auch sie zufrieden sein und die Bestätigung haben, dass der Bau der Käserei nicht einfach nur mutig, sondern auch richtig war.»

Wertschöpfung erhalten

«Der Bau der Käserei kommt um Jahre zu spät», argumentieren die Kritiker. Gisler lässt dies nicht gelten: «Auf dem Urnerboden hat man schon immer zur richtigen Zeit das Richtige gemacht. Zuerst wurde Käse produziert. Als dies aus personellen oder andern Gründen nicht mehr möglich war, hat man zentrifugiert und Rahm abgeliefert. Als auch das nicht mehr funktionierte, hat man die Vollmilch an Grossabnehmer verkauft. Schliesslich hat der sinkende Milchpreis dazu geführt, dass man sich für den Bau einer eigenen Käserei entschieden hat, um die Wertschöpfung auf der eigenen Alp zu erhalten.»

Die Finanzierung des Baus ist gesichert (siehe Box). In den ersten Jahren budgetiert die AG gemäss Businessplan für den Betrieb zwar noch ein Defizit. Huber und Gisler sind aber zuversichtlich: «Wir rechnen damit, dass wir schon in wenigen Jahren schwarze Zahlen schreiben können. Das zeigt auch der Businessplan.»

«Wir liegen durchaus im Rahmen»

Die Kritik, dass man die Käserei nur gerade rund 100 Tage betreiben könne, lässt die Verantwortlichen eher kalt: «Es gibt auch auf anderen Alpen saisonal betriebene Käsereien. Im Vergleich mit solchen Betrieben und aufgrund der Kuhzahlen liegen wir bezüglich Aufwand und Ertrag durchaus im Rahmen.»

Gelagert werden die Käse auf dem Urnerboden – mit Ausnahme des Raclette-Käses. Dieser wird von Fachleuten der Seiler Käserei AG, Sarnen, gehegt und gepflegt, und zwar in einem speziell eingerichteten Käsekeller in Giswil. Doch zuerst muss jetzt einmal produziert werden. Denn just zur offiziellen Eröffnung der Alpkäserei am 28. Juni sollen die ersten kleinen Käse reif sein.