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Urnerin spielt mitten im «Gedächtnispalast»

Corinne Gnos macht in einem aussergewöhnlichen Theaterprojekt mit. Zusammen mit 40 Profis und Laientheaterspielern verwandelt die 38-jährige Erstfelderin alte Fabrikhallen in Emmenbrücke in Theaterbühnen.
Markus Zwyssig
Annette Windlin (links) bespricht sich mit der Urnerin Corinne Gnos. (Bild: PD)

Annette Windlin (links) bespricht sich mit der Urnerin Corinne Gnos. (Bild: PD)

In die einstigen Produktionshallen der alten Spinnerei Nylon-6 der Viscosistadt in Emmenbrücke kehrt neues Leben ein. Das Unterfangen ist ambitiös: Auf verschiedenen Etagen und 5000 Quadratmetern wird ab heute Freitag die Liebesgeschichte eines Paares erzählt – und zwar ohne chronologischen Ablauf und verteilt auf fünf Etagen. Der «Gedächtnispalast» wird bis Ende Juni 25 Mal aufgeführt.

Im Stück, das von der Autorin Martina Clavadetscher stammt, steckt auch etwas Uri drin: Regie führt Annette Windlin, welche die Altdorfer Tellspiele 2020 inszeniert. Ausstatterin Ruth Mächler war bei mehreren Produktionen in Uri tätig. Und unter den 40 Personen, die mitspielen, befindet sich Corinne Gnos aus Erstfeld.

Für einmal ist das Berühren und Öffnen erlaubt

Der «Gedächtnispalast» sei ein spezieller Ort. «Da dürfen die Besucher nicht nur schauen, sondern auch Gegenstände berühren und Schubladen öffnen», sagt Corinne Gnos. Viele der alten Maschinen befinden sich immer noch in den Hallen. Unzählige Ordner mit alten Dokumenten sind noch vorhanden. «Mir kam es so vor, als wären die Arbeiter von einem auf den andern Tag gegangen», erinnert sich Gnos an die erste Besichtigung der Halle. Sie spielt im Stück eine der sogenannten Parzen, die einen Teil des Gedächtnisses darstellen. Zentral dreht sich alles um die entscheidende Frage: Was ist Deine schönste Erinnerung? «Nach aussen spricht man vielleicht vom Hochzeitstag», sagt die Erstfelderin. «Wenn man aber ein bisschen genauer nachfragt, sind es meist viel kleinere, unscheinbare Momente, die einem am positivsten in Erinnerung bleiben.» Spannend sei in diesem Zusammenhang auch, wie stark sich die Erinnerungen mit der Zeit veränderten.

Corinne Gnos spielt seit 25 Jahren Theater. Alles nahm seinen Anfang beim Kollegitheater, danach war sie mehrere Jahre beim Jugendtheater Altdorf aktiv und arbeitete mit den Regisseuren Jürg Schneckenburger und Benno Muheim zusammen. Mit Regisseurin Annette Windlin verbindet die 38-Jährige die Ausbildung zur Lehrerin an der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau. Mittlerweile arbeitet Gnos dort auf der Kanzlei als Kauffrau. Mit Windlin ist es das sechste Projekt. Ob die Erstfelderin auch bei den Tellspielen dabei sein wird, weiss sie noch nicht. Doch was gefällt Corinne Gnos am Theaterspielen so besonders? «Ich schlüpfe sehr gerne in verschiedene Rollen», sagt sie. Dabei gebe sie immer einen Teil von sich selber preis. Toll sei es, dass man gemeinsam ein Projekt auf die Beine stellen könne.

Vom Grossvater fürs Theater begeistert

Inspiriert zum Theaterspielen hat Corinne Gnos auch ihr Grossvater. Werner Gnos machte über Jahre beim Trachtentheater Erstfeld mit. «Offensichtlich war er dort als Theaterspieler recht bekannt. Ich habe einmal mitbekommen, wie jemand im Publikum zum Sitznachbar sagte: Achtung jetzt kommt Werni Gnos, jetzt wird es lustig.»

Das Theaterstück stellt an alle Beteiligten grosse Anforderungen. Bereits im vergangenen Herbst begannen die Proben. Und auch die kommenden 25 Aufführungen haben es in sich. Jedes Mal drei Stunden lang zu spielen, das sei anstrengend, sagt Gnos. Dabei ist der Zuschauer viel unterwegs und es ist gar nicht so einfach immer am richtigen Ort zu sein. «Wir spielen jeden Abend dreimal dieselbe Sequenz. Wichtig ist dabei das Timing. Denn die verschiedenen Sequenzen müssen aufeinander abgestimmt sein.»

Die Mitspieler kommen aus Luzern, Zug Zürich, Nid- und Obwalden, Schwyz und Uri. Viele bringen Erfahrung mit, andere wurden durch ein Inserat auf das Stück aufmerksam.

Neben Corinne Gnos gibt es noch weitere Mitwirkende mit Urner Bezug. Antonia Bucher stammt eigentlich ebenfalls aus dem Kanton Uri. Sie wohnt aber seit längerem in Luzern. Guido Infanger aus Nidwalden kennt man von den Aufführungen von Momänt & Co. Zuletzt spielte er die Hauptrolle in Molières «Le Malade Imaginaire».

«Man muss nicht alles gesehen haben»

Nun ist Corinne Gnos gespannt, wie die Zuschauer reagieren. «Wichtig ist, dass man sich auf das Geschehen einlässt», rät Gnos. «Man kann sich auch einfach treiben lassen.» Es gehe auch darum, den Theaterabend zu geniessen. «Man muss nicht alles gesehen haben.» Spannend sei schliesslich auch der Austausch der Theaterbesucher am Ende des Abends. «Jeder kann in der Gruppe seine eigene Perspektive des Theaterstücks erzählen.»

Einen ersten Eindruck der Publikumsreaktionen hat die Urnerin bereits gewonnen. «An den offenen Proben habe ich mit Besuchern gesprochen, die in ihre eigenen Erinnerungen abgedriftet sind und sich mit diesen auseinandergesetzt haben.»

Das Theaterstück «Gedächtnispalast» feiert heute Freitag in der Viscosistadt in Emmenbrücke Premiere. Weitere Infos gibt es unter www.gedaechtnispalast.ch.

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