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Umstrittene Herdenschutzhunde: Urschner erkämpfen sich Mitspracherecht

Nachdem Herdenschutzhunde auf der Unteralp in Andermatt negativ aufgefallen waren, wollte eine IG die Tiere im Urserntal verbieten. Eine entsprechende Initiative wird zwar demnächst zurückgezogen, gelohnt hat sich der Widerstand aber trotzdem.
Carmen Epp
Herdenschutzhunde bewachen ihre Schafe, jagen dabei aber auch so manchem Touristen Angst ein. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Herdenschutzhunde bewachen ihre Schafe, jagen dabei aber auch so manchem Touristen Angst ein. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Wenn es um den Schutz von Nutztieren vor dem Wolf geht, anerkennt der Bund zweierlei Massnahmen: den Elektrozaun und Herdenschutzhunde. Letztere sorgen aber vor allem in touristischen Gebieten immer öfter für Ärger. So auch auf der Unteralp. Während vier Alpsommer liess Wanderschäfer Ernst Vogel aus Schwarzenbach LU seine 1100 Schafe auf die Alp im Urserntal treiben und dort von Hirten versorgen. Da das Gebiet weitläufig und nur schwer einzäunbar ist, liess der Schäfer seiner Tiere von drei Herdenschutzhunden vor Wolf und Co. bewachen.

Während der Schäfer seine Tiere bei den drei Hunden in Sicherheit wusste, wuchs bei den Zweibeinern im Tal der Unmut. Statt nur unliebsame Wölfe zu verjagen, versetzten die imposanten Beschützer auch so manchem Wanderer und Biker in Angst und Schrecken. Touristen hätten auf der beliebten Wanderung auf dem Vier-Quellen-Weg aus Furcht vor den Hunden Kehrt gemacht, vereinzelt hätten die Hunde die Wanderer und Biker gar angegriffen, hiess es.

155 Urschner sehen Sommertourismus in Gefahr

Nachdem die Verbreitungsgebiete der Herdenschutzhunde auf einer Online-Karte publiziert wurden und Infotafeln zusätzliche Touristen abgeschreckt haben sollen, hatte alt Talammann Columban Russi genug. «Es kann doch nicht sein, dass wir im Urserntal Werbung machen für den Sommertourismus, viel Geld in Wander- und Bikewege stecken, und am Schluss fürchten sich die Leute davor, überhaupt hierher zu kommen», sagte er im März auf Anfrage und gründete die Interessensgemeinschaft «Keine Herdenschutzhunde».

Damit stiess Russi im Urserntal auf offene Ohren: Innert kurzer Zeit unterzeichneten 155 Urschner eine Initiative, die Herdenschutzhunden dem Korporationsgebiet – also Andermatt, Hospental und Realp – verbieten und dies in der Verfassung der Korporation Ursern aufnehmen wollte.

Der Korporation Ursern war das Problem längst bekannt. Nachdem die Reklamationen wegen der Hunde auf der Unteralp stetig zugenommen hatten, bat der Enge Rat den Schäfer bereits im November 2017, die Unteralp im Sommer 2018 ohne Herdenschutzhunde zu bestossen, was dieser dann – wenn auch zähneknirschend – hinnahm.

Mit der Initiative stand der Enge Rat schliesslich vor der Frage, ob ein solches Verbot allgemein ausgesprochen werden könnte. Ein Rechtsgutachten ergab, dass es nicht bundesrechtskonform wäre, eine Herdenschutzmassnahme, die auf Bundesebene gefördert wird, auf Ebene der Verfassung der Korporation zu verbieten.

In der Zwischenzeit habe die IG schriftlich angekündigt, die Initiative zurückzuziehen, wie es auf Anfrage bei der Korporation Ursern heisst. Definitiv abgeschrieben wird sie wohl am 25. Januar 2019, wenn der Grosse Rat tagt.

Neue Bewilligungspraxis räumt Mitsprache ein

Erfolglos blieb der Widerstand von Columban Russi und Co. jedoch nicht. Die Initiative wurde auch deshalb zurückgezogen, weil der Kanton Uri in der Zwischenzeit die Bewilligungspraxis von Herdenschutzhunden angepasst hat.

Neu wird der Entscheid der kantonalen Fachkommission Herdenschutzhunde, ob und unter welchen Auflagen Herdenschutzhunde auf Urner Boden bewilligt werden, als anfechtbare Verfügung mit Rechtsmittelbelehrung erlassen, sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind auf Anfrage. «Zudem werden die Gesuche, welche das Gebiet der Korporation Ursern betreffen, der Korporation Ursern vor dem Entscheid der Kommission zur Stellungnahme vorgelegt.»

Mit dieser neuen Art von Mitspracherecht käme man dem Anliegen der Urschner Initianten ein grosses Stück entgegen, heisst es auf Anfrage bei der Korporation Ursern. «In Zukunft werden wir also nicht mehr vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern können allfällige Bedenken einbringen, bevor es wieder zu spät ist.»

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