URSERNTAL: Weltklasse vor über 1400 Gästen

Das Oster­festival lockte mehr Publikum an als im Vorjahr. Auch die Qualität kann sich sehen lassen. Die Initianten planen bereits die Ausgabe 2017.

Florian Arnold
Drucken
Teilen
Die Festival Strings Lucerne am Eröffnungskonzert mit Alphorn-Solist Arkady Shilkloper. (Bild Dominik Wunderli)

Die Festival Strings Lucerne am Eröffnungskonzert mit Alphorn-Solist Arkady Shilkloper. (Bild Dominik Wunderli)

Florian Arnold

Das zweite Klassik-Osterfestival in Andermatt hat an Beliebtheit gewonnen. Insgesamt haben die acht Konzerte des «Swiss Chamber Music Circle» über 1400 Personen besucht, wie seit gestern Nachmittag feststeht. Im Vorjahr waren es knapp 1300 gewesen. «Für das harte Pflaster, das wir hier in Andermatt vorfinden, ist das ein guter Zuwachs», sagt Intendant Jörg Conrad. Ausserdem konnten einige Sponsoren für die diesjährige Ausgabe dazugewonnen werden.

Die Gäste stammten vorwiegend aus der Zentralschweiz, Zürich und Basel. Allerdings kamen auch internationale Besucher. Besonders die Sonderpakete der Andermatter Hotel seien gebucht worden, so Conrad. Als positiv erachtet er auch, dass Personen aus Brig oder der Surselva die Gelegenheit einer Gratisbahnfahrt in Kombination mit einem Ticket nutzten. «Hier können wir in Zukunft mit besserer Werbung noch mehr Leute anziehen.»

Neat-Stück uraufgeführt

Heute schon steht fest: Das Festival soll in den kommenden Jahren wieder stattfinden. «Wir werden erst nach der fünften Ausgabe definitiv entscheiden, ob es weitergehen soll», sagt Conrad. «Wenn sich Andermatt mit Destinationen wie Interlaken oder Gstaad vergleichen will, braucht es ein solches Festival», so der Intendant. Das wünsche die Klientel, die heute in luxuriösen Hotels wie dem «The Chedi» übernachte oder eine Eigentumswohnung im Tourismusresort kaufe.

Die Qualität der Musik stimme aber bereits jetzt. «Wir konnten Konzerte von absoluter Weltklasse präsentieren», sagt Conrad. Dazu zählt er auch das Eröffnungskonzert: Das Stück «Portale» von Luigi Laveglia, das sich um die Neat dreht, wurde in der Kirche Andermatt von den Festival Strings Lucerne uraufgeführt. Solist war der russische Alphornist Arkady Shilkloper.

Den Initianten ist es wichtig, jungen Schweizer Komponisten und Preisträgerensembles eine Plattform zu bieten – so beispielsweise im Konzert des Trios Saitenwind mit Akkordeon, Cello und Saxofon. Auch Platz für zeitgenössische Kompositionen ist vorhanden. Conrad: «Wir wollen damit zeigen, dass die Zeit auch in der klassischen Musik nicht stehen bleibt.»

Gut angekommen ist auch das Education Schulkonzert für Kinder, bei dem Instrumente vorgestellt wurden. Erfolge feierte das Festival zudem mit den Luzerner Sängerknaben, dem Diamones Piano Trio und dem Raschèr Saxophone Quartet, die Standing Ovations entgegennehmen durften. Einen pompösen Schlusspunkt setzte «German Brass» am Ostermontag. «Die Leute haben schon gejubelt, als noch nicht einmal der letzte Ton des Konzerts verklungen war», erzählt Conrad. «So etwas habe ich noch nie erlebt.»

Gratiskonzert geplant

Bereits wird an die nächste Ausgabe gedacht. Am Konzept soll sich vorerst nur wenig ändern. 2017 ist ein Gratiskonzert für die Bevölkerung vorgesehen, damit noch mehr Einheimische das Festival besuchen. Die Kirche bleibt der Konzertsaal. Mit einfachen technischen Mitteln wollen die Initianten noch mehr aus dem Raumklang herausholen. Denkbar ist auch, dass einst der Konzertsaal des Hotels Radisson Blue, das im Tourismusresort entsteht, neben der Kirche als Aufführungsort genutzt werden kann.

Längerfristig können sich die Initianten vorstellen, einen eigenen Musikwettbewerb durchzuführen. «Auf diese Weise könnten wir es schaffen, die besten Kammermusikensembles Europas nach Andermatt zu bringen und ein immenses Niveau hinzubekommen», sagt Conrad.