Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

URTEIL: Ignaz Walker teilweise freigesprochen

Das Urner Obergericht hat Ignaz Walker zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Der Mordversuch an seiner Frau wird ihm nicht mehr angelastet.
Ignaz Walker am Montag auf dem Weg zur Urteilsverkündung im Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Ignaz Walker am Montag auf dem Weg zur Urteilsverkündung im Rathaus in Altdorf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Das Urner Obergericht spricht Ignaz Walker frei im Fall des versuchten Mordes in Mittäterschaft an seiner Frau und schuldig der Gefährdung des Lebens im Fall Johannes Peeters. Das Urner Obergericht hat ihn zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Das verkündete der Vorsitzende des Obergerichts am Montagnachmittag in Altdorf.

Entschädigung für Überhaft

Da Ignaz Walker bereits über vier Jahre in Untersuchungs- und Sicherheitshaft war, hat er die Freiheitsstrafe bereits abgesessen. Über eine Entschädigung für die Überhaft wird in einem separaten Verfahren entschieden.

Im September 2013 hatte er 15 Jahre gefasst. Dem Erstfelder Barbetreiber Walker war vorgeworfen worden, im Mai 2010 auf Johannes Peeters geschossen zu haben. Im November 2010 soll er einen Killer auf seine damalige Ehefrau angesetzt haben.

Motive und Indizien nicht mehr derart zwingend

Den Freispruch im Falle des angeblichen Auftragsmordes begründete das Gericht damit, dass die Motive und Indizien nicht mehr derart zwingend seien, dass nicht auch eine andere Tatvariante möglich sei, sagte der Vorsitzende des Obergerichtes. Der Beschuldigte sei deswegen aus Mangel an Beweisen freizusprechen.

Das Gericht geht aber davon aus, dass der Beschuldigte einen Schuss auf einen Gast abgegeben hat. Weil der Hauptbelastungszeuge nicht mehr vom Gericht befragt werden konnte, wurde der Milieuwirt aber nur noch der Gefährdung des Lebens und nicht mehr der versuchten Tötung schuldig befunden. Dazu kommen Waffendelikte.

Sowohl Staatsanwaltschaft wie Verteidigung zeigten sich in ersten Reaktionen über die Begründung des Gerichtes erstaunt. Ein Weiterzug des noch nicht rechtskräftigen Urteils ans Bundesgericht scheint nicht unwahrscheinlich.

Oberstaatsanwalt Thomas Imholz zeigte sich über den Freispruch im Mordfall überrascht. Er widersprach dem Gericht. Es gebe keine neue Beweislage, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Verteidiger Linus Jaeggi zeigte sich zwar erleichtert über den Freispruch, kann aber die Verurteilung wegen des Schusses auf den Gast nicht nachvollziehen. Eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren sei nicht wenig, sagte er.

Der Fall Walker - die Chronologie

  • Mai 2004: Ignaz Walker eröffnet in Erstfeld das Striptease-Lokal Taverne. Zuvor ist er in mehrere Strafverfahren verwickelt.
  • Dezember 2006: Walker beschuldigt drei Polizisten, während ihrer Freizeit in der «Taverne» Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung begangen zu haben. Einer der drei ist Polizist M. Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi stellt das Verfahren gegen zwei der drei Angezeigten trotz mehrerer Zeugenaussagen mangels Beweisen ein.
  • 4. Mai 2007: In der «Taverne» tötet der Asylbewerber Ali Sebti zwei Personen. Walker überlebt verletzt. Dem Täter gelingt die Flucht.
  • 4. Januar 2010: Johannes Peeters wird vor der «Taverne» angeschossen. Mit 2,58 Promille im Blut sagt er gegen Walker aus. Die Befragung wird in Anwesenheit Walkers wiederholt. Polizist M. stellt Walkers DNA auf der Patronenhülse sicher. Zuvor macht er seine Vorgesetzten auf seine mögliche Befangenheit aufmerksam. Diese geben grünes Licht.
  • 12. November 2010: Kurz vor der geplanten Scheidung werden auf Nataliya K., die Frau von Ignaz Walker und Mutter von dessen Sohn, drei Schüsse abgegeben. Ihr damaliger Freund Claudio V. alarmiert die Polizei. Als Schütze wird Sasa Sindelic verhaftet, Walker als Auftraggeber.
  • August 2012: Johannes Peeters wird in Frankreich wegen Drogendelikten in Untersuchungshaft gesetzt.
  • 24. Oktober 2012: Vor Landgericht beteuert Walker seine Unschuld, Sindelic verstrickt sich in Widersprüche. Beide werden verurteilt. Walker zieht den Fall ans Obergericht weiter, Sindelic tritt seine Haft an.
  • Anfang 2013: Die Staatsanwaltschaft Uri leistet unter der Leitung von Bruno Ulmi (Stellvertreter Thomas Imholz) im Verfahren gegen Peeters den französischen Behörden Rechtshilfe. Das Obergericht (zusammengesetzt aus einem Profi und vier Laien) verschärft Walkers Urteil. Auf den Antrag des Verteidigers Linus Jaeggi, Kronzeuge Johannes Peeters nochmals zu befragen, heisst es seitens des Obergerichts, dieser sei unauffindbar. Die Staatsanwaltschaft verschweigt ihr Wissen um dessen Platzierung in einem französischen Gefängnis.
  • April 2014: Thomas Imholz wird neuer Oberstaatsanwalt und tritt die Stelle von Bruno Ulmi an.
  • Oktober 2014: Die «Rundschau» berichtet erstmals über den Fall und macht unter anderem die Befangenheit von Polizist M. zum Thema. Hauptinformant ist Linus Jaeggi, der Verteidiger von Walker.
  • Dezember 2014: Das Bundesgericht hebt das Urteil auf. Die DNA fällt als Beweis weg. Das Gericht muss alles daransetzen, Peeters erneut zu befragen. Ansonsten sind seine Aussagen «besonders vorsichtig und zurückhaltend» zu würdigen.
  • Januar 2015: Sasa Sindelic spricht in der «Rundschau» von einem Mordkomplott. Er habe die Tat mit Nataliya K. und deren Freund Claudio V. geplant. Er nennt den Namen eines unbekannten Schützen, der unkenntlich gemacht wird. Der Luzerner Staatsanwalt André Graf soll die neue Theorie überprüfen.
  • April 2015: Die Staatspolitische Kommission des Landrats kritisiert, dass die Regierung die Ausstandsfrage von Polizist M. nicht klären liess. Kurz zuvor gibt die Regierung Hanspeter Uster diesen Auftrag. Grosser Mediendruck ist zu spüren.
  • Juli 2015: Johannes Peeters wird in Frankreich wegen Drogendelikten zu 3 Jahren Haft verurteilt.
  • 18. August 2015: Johannes Peeters stirbt an Krebs.
  • September 2015: Hanspeter Uster will seine Expertise zur Befangenheit von Polizist M. erst nach der Obergerichtsverhandlung abgeben. Der Luzerner Staatsanwalt André Graf stellt seine Untersuchungen ein, nachdem er Sasa Sindelic und «Rundschau»-Reporter Roman Banholzer befragt hat.
  • 19. Oktober 2015: Vor Obergericht beginnt die zweite Berufungsverhandlung. Sasa Sindelic hält an seiner im «Rundschau»-Interview geäusserten Version fest. Zu Spekulationen, wonach es sich beim unbekannten Schützen um seinen Bruder gehandelt haben könnte, äussert sich der Kroate nicht.
  • 21. Oktober 2015: Während des laufenden Prozesses vor dem Obergericht Uri enthüllt die «Rundschau» von Fernsehen SRF: Peeters sass ab August 2012 in Frankreich in Untersuchungshaft. Ihm wurden Drogentransporte zwischen Holland und der Schweiz vorgeworfen. Die Urner Staatsanwaltschaft leistete den französischen Kollegen im Juli 2013 Rechtshilfe. Im Juli 2015 verurteilte ein französisches Gericht Peeters wegen zahlreiche Drogendelikte zu drei Jahren Gefängnis. Der Holländer starb im August 2015 an Krebs.
  • 30. Oktober 2015: Die Berufungsverhandlung wird am 30. Oktober mit dem Schlusswort von Ignaz Walker (vorläufig) beendet. Noch offen ist ein Antrag von Verteidiger Linus Jaeggi, weitere Beweise zu Person von Johannes Peeters abzunehmen.
  • 22. Februar 2016: Die Verhandlung wird erneut aufgenommen, weil das Obergericht Uri einen im Herbst gestellten Antrag von Verteidiger Linus Jaeggi um Abnahme weiterer Beweise zur Person von Johannes Peeters gutgeheissen hatte. Den Parteien waren in der Zwischenzeit mehrere hundert Seiten zur Person des mittlerweile verstorbenen Hauptbelastungszeugen zugestellt worden. Am 24. Februar wird die zweite Berufungsverhandlung definitiv abgeschlossen.
  • 18. April 2016: Ignaz Walker wird vom Vorwurf des versuchten Mordes in Mittäterschaft an seiner Frau freigesprochen. Das Obergericht verurteilt ihn aber wegen Gefährdung des Lebens an Johannes Peeters und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.

Mehr zum Thema lesen Sie am 19. April in der Neuen UZ.

zf/sda/rem

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.