Vater und Sohn kommen sich musikalisch näher: Der Urner Felix Gisler gibt mit seinem Sohn Dave eine neue CD heraus

Sie machen ganz unterschiedliche Musik. Jetzt spielen Felix Gisler und sein Sohn Dave gemeinsam auf der akustischen Gitarre. Das ist für beide Seiten eine Herausforderung.

Markus Zwyssig
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Vater und Sohn auf dem Sofa: Felix und Dave Gisler haben erstmals gemeinsam eine CD aufgenommen.

Vater und Sohn auf dem Sofa: Felix und Dave Gisler haben erstmals gemeinsam eine CD aufgenommen.

Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 7. März 2020)

Es ist eine Familienangelegenheit mit Gegensätzen. Vater Felix Gisler war Lehrer auf der klassischen akustischen Gitarre und arbeitete als Musikpädagoge. Sohn Dave Gisler spielt in seinem Jazz-Trio und mit vielen weiteren Musikern auf der elektrischen Gitarre experimentelle Musik. Beide sind seit Jahren leidenschaftliche Musiker. Jetzt erst erscheint die erste gemeinsame CD. Beide haben Lust gehabt, gemeinsam ein Projekt zu realisieren. Von wem die Initialzündung dazu kam, kann rückblickend weder Felix noch Dave Gisler mit Bestimmtheit sagen.

Obwohl Dave Gisler mit 16 Jahren den Weg zur Jazz-Musik und damit zur Improvisation fand, fusst das Musikmachen aber auf familär gemeinsamen Erfahrungen. «Im Alter zwischen 8 und 14 Jahren war mein Vater für mich der wichtigste Lehrer auf der akustischen Gitarre», blickt der 37-Jährige zurück.

Vater und Sohn nähern sich musikalisch

Zwei Generationen und dazu noch Vater und Sohn, das seien spezielle Voraussetzungen, sind sich beide im Gespräch beide einig. «Wir haben diese Konstellation als interessant empfunden und versuchten dann eine Mitte anzupeilen», sagt Felix Gisler. Beide nutzen ihre starken Seiten und kommen einander entgegen. Felix Gisler von der komponierten traditionellen Musik und Dave aus dem freien Feld des spontanen Improvisierens. Das sei ihm wichtig und passiere aus dem Moment heraus. «Es muss nicht immer alles abgekartet sein», sagt Dave Gisler. Für ihn ist aber auch klar: «Es kann nicht ganz perfekt sein, wenn man von A bis Z improvisiert.»

Der Prozess sei ein spannendes Erlebnis. «Ich bin limitiert auf der klassischen Gitarre, was die Virtuosität anbelangt», räumt Dave Gisler ein. Die könne er nicht so einsetzen wie die elektrische Gitarre. Dieser Prozess sei aber sehr gut für ihn gewesen. «Ich musste mich auf das Wesentliche fokussieren.» Aber auch für Felix war es eine Herausforderung, sich von den strengen Formen beispielsweise der Barockmusik oder von anderen Musikrichtungen und Stilen zu lösen. «Ich habe mich in ein Feld hinein gewagt, in dem nicht alles schon im voraus festgelegt ist», so der 65-Jährige.

Weil vieles auf den Aufnahmen frei improvisiert ist, verlangt dies auch vom Zuhörer einiges ab. «Mit unserer Musik richten wir uns eher an Menschen, die ein Ohr für Experimente haben», sagt Felix Gisler. «Wir begeben uns mit den Zuhörern in ganz unterschiedliche Hörwelten. Unsere Musik schmeichelt nicht nur, sondern es gibt auch Klänge, die sich reiben.»

Die beiden Musiker wollen mit den Aufnahmen nicht unbedingt zeigen, wie virtuos sie spielen können. Vielmehr geht es ihnen darum, Stimmungen entstehen zu lassen. Es seien eher ruhige, lyrische Stücke. «Wer unsere Musik hört, kann auch die Augen schliessen und das ganze meditativ auf sich wirken lassen», rät Felix Gisler.

Aufnahmesessions in Ferienstimmung auf kanarischer Insel

Im Sommer 2019 trafen sich Vater und Sohn im eigenen Haus auf La Gomera, der zweitkleinsten zu Spanien gehörenden kanarischen Insel. Beide nahmen sich viel Zeit, gemeinsam Musik aufzunehmen - mit zwei akustischen Gitarren ohne Verstärkung und Effekte. «Wir hatten kein Konzept, sondern spielten frisch und fröhlich drauf los», so Felix Gisler. Aufgenommen wurde das ganze in rund einer Woche mit zwei Stereo-Mikrofonen auf einem digitalen Home-Recording-Studio-Gerät. «Anschliessend hörten wir uns die Aufnahmen an und trafen eine Vorauswahl», erklärt Felix Gisler das Vorgehen. So kam genügend Material zusammen, dass es für eine CD reichte. «Es gab keine Nachbearbeitungen. Wir haben einzig verschiedene Stücke etwas in ihrer Länge gekürzt.» Anschliessend wurden die Aufnahmen im professionellen Studio abgemischt. Die Hülle hat die Frau von Felix, Mary Anne Imhof, gestaltet. «Wir haben 300 Stück gepresst», sagt Felix Gisler. «Die CD soll ein Sammlerstück sein.»

An der CD-Taufe soll das Publikum eine ähnliche Art und Weise des Musizierens erleben. Das, so Felix Gisler, sei noch einmal eine frische Herausforderung, denn die Atmosphäre sei eine ganz andere. «In La Gomera waren wir privat. Wir konnten in der Badehose spielen.» Trotzdem hoffe man, die Konzertbesucher mit einer ähnlich erfrischender Spiellaune begeistern zu können.

Bis zum Live-Erlebnis müssen sich die Urner Gitarren-Fans nun aber noch etwas gedulden. Das Konzert Ende März im Kulturkloster musste aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden. Das Verschiebedatum ist auf Sonntag, 30. August, um 17 Uhr angesetzt.

Hinweis: Die CD kann bei Felix Gisler zum Preis von 30 Franken plus Versandspesen bestellt werden: gisler.felix@bluewin.ch oder über 078 616 40 40.