Seedorfer Verein will Leistungen der Pioniere schätzen

Vier neue Ehrenmitglieder und ein in Versform vorgetragenes Protokoll prägten die GV des Krankenunterstützungsvereins Seedorf.

Hören
Drucken
Teilen
Präsident Rolf Wipfli (Mitte) gratuliert den vier neuen Ehrenmitgliedern und dankt für die 30-jährige Mitgliedschaft im KUV; von links:  Bruno Wipfli, Dani Wipfli, Fredi Zwyssig und Sepp Schuler.

Präsident Rolf Wipfli (Mitte) gratuliert den vier neuen Ehrenmitgliedern und dankt für die 30-jährige Mitgliedschaft im KUV; von links: Bruno Wipfli, Dani Wipfli, Fredi Zwyssig und Sepp Schuler.

Bild: Bruno Arnold (Seedorf, 12. Januar 2020)

(bar) 22 der 51 Mitglieder des Krankenunterstützungsvereins (KUV) Seedorf, unter ihnen auch Ehrenpräsident Werner Arnold, trafen sich am Sonntag, 12. Januar, im Feuerwehrlokal unter dem Vorsitz von Präsident Rolf Wipfli zur 132. GV. Ein stilles Memento galt einleitend dem verstorbenen Freimitglied Josef Arnold («Hoferi Sepp»).

Seit der Einführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sind die Krankenunterstützungsvereine in den Urner Gemeinden nach und nach aufgelöst worden. Nicht so in Seedorf (siehe Box). «Ich bin überzeugt, dass unser Verein auch für die nächste Generation interessant bleiben wird», betonte Präsident Rolf Wipfli. «Denn es ist denkbar, dass die Vereinsstruktur, die wir pflegen, künftig wieder mehr Sinn erhält.»

Schrittmacherin für Weitsicht und Fortschritt

Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, in der soziale Absicherungen selbstverständlich seien, dürfe man aber nie vergessen, unter welchen schwierigen Umständen die Vorfahren ihre schweren Lebenssituationen gemeistert hätten. «Die Gründung des KUV war eine Pioniertat der alten Seedorfer und gleichzeitig der Auftakt zu Superleistungen, denen sich Seedorf im 20. und 21. Jahrhundert verschrieben und durch die sich die Gemeinde quasi als Schrittmacherin für Weitsicht und Fortschritt ausgezeichnet hat.» Die einstige arme Seegemeinde am Gitschen sei dadurch in den vergangenen Jahren zu einem kleinen Urner Kultur- und Bildungszentrum geworden. «Es ist klar, dass dies wiederum zu überlegter und konstruktiver Planung, Verwaltung und Solidarität verpflichtet», so der Vorsitzende. «Wer die Zukunft gestalten will, sollte die Vergangenheit kennen oder kennen lernen», hielt Wipfli weiter fest. Ein Blick in die Vereinsannalen öffne den Blick für die damalige Zeit. Das könne gerade mit Blick auf die grössten Herausforderungen der Zukunft zum Nachdenken anregen und von Bedeutung sein. Als solche Herausforderungen nannte Wipfli unter anderem die Entwicklung der Schweizer Sozialwerke, die Digitalisierung, den Abbau von Stellen oder auch die Klimaerwärmung.

Ursprung am Palanggen

(bar) Auslöser für die Gründung des Krankenunterstützungsvereins (KUV) Seedorf waren die gefährlichen Arbeiten beim Holzflössen und bei weiteren Tätigkeiten am Palanggenbach am Ende des 19. Jahrhunderts. Bei Krankheit oder Unfall erhielten die Arbeiter keinen Lohn. Diesem Problem wirkten sie 1888 mit der Gründung des Vereins entgegen. Die Mitglieder waren ab diesem Zeitpunkt bei Arbeitsausfällen durch Krankheit und Unfall «versichert». Das Eintrittsgeld betrug für damalige Verhältnisse hohe 3 Franken, der Monatsbeitrag 1 Franken. Die Patienten wurden 50 Tage lang unterstützt, während der ersten 25 Tage mit 1 Franken, vom 26. bis zum 50. Tag mit 50 Rappen.

Beschlüsse auf 112 Zeilen zusammengefasst

Die GV des KUV hat seit Jahren vor allem gesellschaftlichen Charakter und lebt denn auch von humorvollen Einlagen. Für eine solche sorgte diesmal Sekretär Bruno Arnold – mit einem Novum in der 132-jährigen Geschichte des Vereins. Er hatte die Beschlüsse der GV 2019 in Versform respektive auf 112 Zeilen zusammengefasst. Selbstverständlich und auch der Ordnung halber wurde aber auch ein «ordentliches» Protokoll zu den Vereinsakten gelegt. Höhepunkt der Versammlung war die Ernennung von vier neuen Ehrenmitgliedern. Aufgrund ihrer 30-jährigen Mitgliedschaft im KUV konnten Fredi Zwyssig, Sepp Schuler und Bruno Wipfli aus Seedorf sowie Vorstandsmitglied Daniel Wipfli aus Bürglen in die Reihe der Ehrenmitglieder aufgenommen werden. Sie wurden dafür mit einer individuell gestalteten präsidialen Laudatio und mit einem Präsent geehrt. Dem Verein gehören somit neu zwei Frei-, 36 Ehren- und 13 Aktivmitglieder an. An der GV 2019 wurde bezüglich Mitgliederbestand beschlossen, vorläufig auf das Anwerben respektive die Aufnahme neuer Kandidaten zu verzichten.

Erneut ein kleines Defizit ausgewiesen

Kassier Hanz Schuler musste für 2019 ein Defizit von knapp 800 Franken präsentieren. Das Vereinsvermögen beläuft sich neu auf rund 54500 Franken. Oberstes Ziel des KUV soll es sein, mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln den Mitgliedern ein Krankengeld von 10 Franken pro Tag respektive jährlich höchstens 300 Franken sowie den Angehörigen jedes einzelnen verstorbenen Mitglieds 1000 Franken an die Beerdigungskosten leisten zu können. Diese Vorgabe will man auch 2020 ohne erhöhte Beiträge einhalten, bleiben sie doch aufgrund des GV-Beschlusses unverändert (Eintrittsgebühr: 50 Franken; Jahresbeitrag: 24 Franken; Sterbebeitrag: 2 Franken).

Nach dem offiziellen Teil der GV wurde die Zusammenkunft mit dem traditionellen Imbiss fortgesetzt. Der Dank des Präsidenten ging an dieser Stelle an Paul Gisler und Beber Imholz. Sie haben die Siedwürste nicht nur nach Geheimrezept zubereitet, sondern grosszügigerweise auch gleich die Finanzierung der anfallenden Kosten übernommen.