Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERFÜGUNG: Walker erhält strenge Auflagen

Für das Urner Obergericht ist es nicht mehr verhältnismässig, dass Ignaz Walker weiterhin in Haft sitzt. Es hat deshalb gestern die sofortige Entlassung verfügt.
Seit gestern Mittag ist Ignaz Walker (links) – hier mit Verteidiger Linus Jaeggi – wieder auf freiem Fuss. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Seit gestern Mittag ist Ignaz Walker (links) – hier mit Verteidiger Linus Jaeggi – wieder auf freiem Fuss. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Bruno Arnold und Florian Arnold

Ignaz Walker ist wieder auf freiem Fuss. Gestern, kurz nach 13.30 Uhr, konnte er das Gefängnis in Stans verlassen. Die Verfahrensleitung des Urner Obergerichts hatte am 9. September von Amtes wegen ein weiteres Haftprüfungsverfahren eröffnet und die aktuelle Situation bezüglich der Kollusionsgefahr überprüft. Dabei war sie zum Ergebnis gekommen, «dass die Fortführung der Sicherheitshaft wegen Kollusionsgefahr mittlerweile nicht mehr verhältnismässig ist». Eine Fortführung der Sicherheitshaft aufgrund der beiden anderen Haftgründe (Flucht- und Wiederholungsgefahr) war von der Verfahrensleitung bereits im Juli 2015 – bei der Beurteilung des damaligen Haftentlassungsgesuchs von Walker – als nicht mehr verhältnismässig erachtet worden.

Mit Ersatzmassnahmen begegnen

Damit Walker aber trotz der ihm nun zugebilligten Freiheit den gegen ihn hängigen Prozess vom kommenden Oktober vor dem Obergericht Uri nicht beeinflussen kann, wurden Ersatzmassnahmen angeordnet. So muss der Beschuldigte konkret die folgenden Auflagen erfüllen: Seine Papiere sind bis auf weiteres gesperrt. Der 47-jährige Erstfelder darf die Schweiz nicht verlassen, muss die Behörden laufend über seinen Wohn- und Arbeitsort informieren und hat sich wöchentlich zweimal bei einem Polizeiposten zu melden. Ausserdem wird Walker eine Kontaktsperre zu mehreren Personen auferlegt. So darf er sich beispielsweise nicht mit dem als Auftragsschützen verurteilten Sasa Sindelic austauschen. Weiter darf Walker weder direkt noch indirekt mit gewissen am Prozess beteiligten Zeugen in Kontakt treten. Dazu gehört aber auch jener unbekannte Mann, der angeblich der wahre Schütze gewesen sein soll. Diese Personen werden dazu angehalten, allfällige Kontaktaufnahmen von Walker unverzüglich zu melden. Zudem darf sich Walker nicht in Erstfeld aufhalten, dies zum Schutz seiner Ex-Frau, auf die im November 2010 geschossen worden ist.

Eine besondere Massnahme legt das Obergericht aber auch dem als Auftragsschützen verurteilten Sasa Sindelic auf. Die Verfahrensleitung will von den Verantwortlichen der Strafanstalt Thorberg laufend darüber informiert werden, mit wem Sindelic Kontakt (persönlich oder über Korrespondenz) hat.

Rechtsgültiges Urteil fehlt

Walker soll 2010 ausserhalb seines Lokals in Erstfeld auf einen Gast geschossen haben und später die Ermordung seiner damaligen Frau in Auftrag gegeben haben. Im Herbst 2013 wurde er deswegen vom Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt. Ein rechtskräftiges Urteil fehlt nach wie vor. Walker war im November 2010 in Untersuchungshaft genommen worden und befand sich inzwischen während mehr als vier Jahren hinter Gittern. Am 29. Januar 2015 war er freigelassen worden, nachdem die Verfahrensleitung des Obergerichts ein Haftentlassungsgesuch gutgeheissen hatte. Weil das Bundesgericht jedoch eine Beschwerde der Urner Oberstaatsanwaltschaft gegen den Entscheid der Verfahrensleitung gutgeheissen hatte, musste Walker am 5. Mai wieder zurück ins Gefängnis. Am 20. Juli lehnte das Obergericht ein weiteres Haftentlassungsgesuch ab. Argumentiert wurde damals mit Kollusionsgefahr – dies nach Aussagen des als Auftragsschütze verurteilten und inhaftierten Sasa Sindelic. Gegenüber der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens hatte Sindelic ausgesagt, bei den Schüssen auf Walkers ehemalige Frau habe es sich um ein Mordkomplott gehandelt. Er selber habe einen Schützen engagiert, der lediglich auf die Handtasche der Frau hätte schiessen sollen. Walker habe mit der Sache nichts zu tun gehabt. Wer dieser Täter sein soll, wurde im Fernsehbeitrag nicht publik gemacht, und das Fernsehen SRF weigert sich, den Namen desselben der Justiz zu nennen.

Neues Verfahren eröffnet

Wegen der Aussagen von Sindelic hat die Urner Justiz im Sommer ein zweites Strafverfahren eröffnet. Im Juli war die Fortsetzung der Sicherheitshaft nicht zuletzt wegen dieses neuen Strafverfahrens angeordnet worden. Mittlerweile hat der ausserordentliche Staatsanwalt die Abklärungen eingestellt. Es sei nicht davon auszugehen, dass der mögliche Schütze bis zur Hauptverhandlung identifiziert werden könne, so das Obergericht. Dies mindere die Möglichkeit der Verdunkelung.

Imholz will zuerst analysieren

Die Staatsanwaltschaft kann die Verfügung innert 30 Tagen an das Bundesgericht weiterziehen. «Ich werde nach Analyse der begründeten Haftentlassungverfügung entscheiden, ob diese mit dem ordentlichen Rechtsmittel an das Bundesgericht weitergezogen wird», hielt Oberstaatsanwalt Thomas Imholz gestern fest. «Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich mich dazu nicht äussern.»

Linus Jaeggi, der Verteidiger von Ignaz Walker, zeigte sich gestern «sehr zufrieden» mit der angeordneten Entlassung. «Endlich hat sich die Vernunft durchgesetzt», so Jaeggi. «Ich hoffe, dass jetzt auch die Staatsanwaltschaft etwas einsichtiger wird und wir den Prozess in aller Ruhe zu Ende bringen können.» Dass die Verfahrensleitung von sich aus die Haftprüfung eingeleitet habe, sei aussergewöhnlich und bestätige, «dass sich eine Haftentlassung aufdrängte», betonte der Verteidiger.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.