Landgericht Uri
Ehemaliger Polizist verwendete Bussgelder für Casinobesuche

Für Glücksspiele bediente er sich aus der Verbandskasse. Zudem fälschte der 61-Jährige als Kassier Bankauszüge. Gegenüber der Staatsanwaltschaft zeigt er sich geständig.

Markus Zwyssig
Merken
Drucken
Teilen

Qualifizierte Veruntreuung, mehrfache Veruntreuung und mehrfache Urkundenfälschung: Dafür wird einem heute 61-jährigen Rentner aus dem Kanton Uri eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten aufgebrummt. Die Probezeit wird bei drei Jahren angesetzt. Zudem muss er Kosten und Gebühren von insgesamt 12'000 Franken bezahlen. Der ehemalige Polizist zeigte sich gegenüber der Staatsanwaltschaft geständig. Er akzeptierte die entsprechenden Anträge, weshalb es zu einem abgekürzten Verfahren kam. Das heisst, es gab am Dienstag vor dem Landgericht Uri keine Plädoyers. Es fand einzig eine kurze Befragung des Beschuldigten statt. Die Anklageschrift wurde zum Urteil erhoben, welches anschliessend mündlich verlesen wurde.

Als Polizist und Gruppenchef der Bereitschafts- und Verkehrspolizei Uri hatte der Mann 55 Ordnungsbussenzettel, welche er über einen Gesamtbetrag von über 9000 Franken ausgestellt und bar eingenommen hatte, im Jahr 2017 erst verspätet eingereicht. Das Geld hatte er für private Zwecke verwendet, insbesondere für Geldspiele im Casino. Verschiedene Zahlungsfristen und Mahnungen, die Ordnungsbussgelder zu überweisen, konnte er nicht einhalten. Schliesslich beglich er aber den ausstehenden Betrag. Er wurde in diesem Zusammenhang nun der qualifizierten Veruntreuung schuldig gesprochen.

Geld aus Verbandskasse ging für Casinobesuche drauf

Verurteilt wird er auch der mehrfachen Veruntreuung als Kassier des Verbands der Kantonspolizei Uri. Von einem Bankkonto, auf welches er als Kassier alleine zugreifen konnte, hob er jeweils Bargeld ab – in der Absicht, die bezogenen Gelder nach eigenem Gutdünken für Geldspiele im Casino und für seinen Lebensunterhalt zu verwenden. Die Auflistung der Staatsanwaltschaft zeigt, dass er zwischen 2008 und 2018 insgesamt mehr als 100'000 Franken bezogen hatte.

Die Staatsanwaltschaft führt in der Anklageschrift aus, dass der Beschuldigte stets beabsichtigt habe, die von ihm getätigten Bezüge wieder mittels Einzahlungen oder dem Begleichen von Verbindlichkeiten des Verbands aus privaten Mitteln auszugleichen, sobald er über genügend Geld verfügt hätte. Dies tat er im Deliktzeitraum denn auch wiederholt, beziehungsweise musste es tun, weil entsprechende Verbindlichkeiten des Verbands entstanden. Auf dem Konto waren aber aufgrund seiner Bezüge nicht genügend Mittel vorhanden, um den Verbindlichkeiten nachzukommen. Der Ausstand belief sich schliesslich noch auf rund 25'000 Franken. Diesen Betrag zahlte der Mann schliesslich nach Anzeigeerstattung vollständig zurück.

Private Bezüge sollten durch gefälschte Bankauszüge unentdeckt bleiben

Mehrfache Urkundenfälschung beging er, indem er zwischen 2007 und 2017 über 100 Bankauszüge des Verbandskontos abänderte. Damit beabsichtigte er, dass seine Bezüge für private Zwecke von den Revisoren nicht entdeckt würden. So erhöhte er etwa die Saldi, indem er einzelne Ziffern hinzufügte. Er änderte Jahreszahlen, erhöhte den Habenzins oder veränderte die Höhe von Bankspesen.

Dadurch erschienen die Bezüge, die entstandenen Spesen sowie die zwecks Ausgleichs dieser Bezüge getätigten Einzahlungen nicht mehr in den Auszügen. Angezeigt wurden höhere als die tatsächlich bestehenden Saldi des Kontos und die Bezahlung von Verbindlichkeiten des Verbands an früheren als den tatsächlichen Daten.

Ebenfalls in der Absicht, dass die von ihm getätigten Bezüge insbesondere von den Revisoren nicht entdeckt würden, erstellte er – unter Beilage der von ihm abgeänderten Kontoauszüge – die Verwaltungsrechnungen des Verbands für die Jahre 2007 bis 2017. Dabei wies er jeweils ein höheres als das tatsächliche Verbandsvermögen aus.