Verkehr
Astra-Chronik zeigt: Die Axenstrasse war seit Juli 2019 an 70 Tagen gesperrt

Laut dem Bundesamt für Strassen funktioniert das Warnsystem am Axen sehr gut. Auch die Sperrung am Mittwoch war berechtigt. Fehlalarme werden erkannt und die Strasse geht dann nach rund 5 Minuten wieder auf. Eine Chronik zeigt, wann die Strasse jeweils gesperrt wurde.

Anian Heierli
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Immer wenn die Axenstrasse zu ist, liegen die Nerven der betroffenen Autofahrer blank. Pendler kommen morgens zu spät zur Arbeit, am Feierabend müssen sie noch eine extra Runde um den Vierwaldstättersee drehen und bei längeren Sperrungen resultiert daraus ein finanzieller Schaden fürs Transportgewerbe.

Oberhalb der Axenstrasse wird ein Steinschutznetz installiert.

Oberhalb der Axenstrasse wird ein Steinschutznetz installiert.

Bild: Geoprävent (Sisikon, 8. September 2020)

Auch am Dienstag kam es auf der Axenstrasse im Bereich «Gumpisch» wieder einmal zu einem Steinschlag. Die Strasse wurde vorübergehend gesperrt bis Mittwochmittag. Zuvor hatten nachts um 00.40 Uhr die Überwachungsinstrumente oben am Berg Bewegungen im Gelände registriert. Zwar sind die Sperrungen für Verkehrsteilnehmer ärgerlich, doch sie sind nötig.

Seit September 2019 ist das Überwachungssystem in Betrieb

Denn im «Gumpischtal» besteht immer ein gewisses Risiko. Aus diesem Grund wurde nach dem massiven Steinschlag vom 28. Juli 2019 ein automatisches Überwachungs- und Ampelsystem eingeführt. Damals donnerte ein 12 Tonnen schwerer Felsbrocken den Berg hinunter und verfehlte die Strasse nur knapp. Das Überwachungssystem ist seit September 2019 in Betrieb und detektiert die Bewegung am Berg. Im Ernstfall veranlasst es automatisch die Sperrung der Strasse mittels Ampeln.

Spezialisten begutachten absturzgefährdete Felsblöcke im Risikogebiet.

Spezialisten begutachten absturzgefährdete Felsblöcke im Risikogebiet.

Bild: Valentin Luthiger (Sisikon, 15. August 2019)

Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist mit diesem System zufrieden. «Die Funktionsweise des Überwachungs- und Alarmsystems garantiert eine grösstmögliche Verfügbarkeit bei maximaler Sicherheit der Axenstrasse», sagt Sprecher Samuel Hool. «Auch der Vorfall am Dienstag hat gezeigt, dass das eingesetzte Sicherheitskonzept funktioniert.» Seit April 2020 sei die Anlage vollautomatisch in Betrieb. Fehlalarme etwa durch Vögel würden rasch erkannt, weil dann keine Steine in die Netze fallen. Dann geht die Strasse nach fünf Minuten wieder auf.

Folgende Chronik des Astra zeigt, wie oft das System bereits geholfen hat. Seit Juli 2019 war die Axenstrasse an 70 Tagen gesperrt.

  • 17. Februar 2021: Oberhalb der Axenstrasse donnerten Steine in die Schutznetze. In der Folge wurde die Axenstrasse umgehend gesperrt und die Fahrzeuge auf der Strasse wurden gewendet. Es gab weder verletzte Personen, noch traten grosse Beschädigungen auf. (Sperrdauer: 0,5 Tage, Schäden: minimal)
  • 3. Februar 2021: 150 Meter oberhalb der Axenstrasse waren zwei Felsbrocken lose, die abzustürzen drohten. Die Felsspezialisten lösten die Brocken und brachten diese zum Absturz. Dabei sind die Blöcke zum Teil auseinandergebrochen. An der Galerie entstanden minimale, nicht-sicherheitsrelevante Schäden. (Sperrdauer: 1,5 Tage, Schäden: keine)
  • 25. September 2020: Die Überwachungsinstrumente registrierten Geländebewegungen im Bereich «Gumpisch». Die Axenstrasse musste kurz gesperrt werden. Kleine Steine aktivierten die Sensoren. (Sperrdauer 0,5 Tage, Schäden: keine)
  • 9. Juni 2020: Die Axenstrasse wurde gesperrt, da Niederschläge zu einem Steinschlag führten. Wegen schlechter Sicht flogen die Helikopter zur Kontrolle erst am Folgetag. Die Strasse wurde am 11. Juni wieder geöffnet. (Sperrdauer: 2 Tage, Schäden: keine)
  • 8. Juni 2020: Die Axenstrasse musste abends um 21.45 Uhr im Gebiet «Gumpisch» zwischen dem Kreisel Flüelen und der Abzweigung Wolfsprung gesperrt werden. Grund war ein Steinschlag in Folge von Niederschlägen. (Sperrdauer: 0,5 Tage, Schäden: keine)
  • 5. Mai 2020: Ein Murgang mit Block-Schlag von mehreren hundert Kubikmetern Material beschädigte den Ablenk-Damm, das Rückhaltenetz und die Warnanlage. Die Strasse wurde um 22.10 Uhr gesperrt. Die Strasseninfrastruktur blieb unversehrt. (Sperrdauer: 1 Tag, Schäden: verbogene Leitplanke, stark beschädigter Damm-Kopf mit aufgerissener Netzabdeckung, kaputte Reissleinen und kaputte Sensoren)
  • 2. Oktober 2019: In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober ereignete sich ein grösserer Murgang, bestehend aus zehn Schüben. Diese wurden von der Überwachungsanlage erkannt und die Strasse musste für den Verkehr gesperrt werden. (Sperrdauer: 10 Tage; Schäden: geknickte Stütze, kaputte Reissleinen, Schäden am Wald)
  • 28. Juli 2019: Nach heftigen Regenfällen kam es zu Felsstürzen. Zwei Blöcke (200 und 300 Kubikmeter) blieben oberhalb der Strasse liegen und waren absturzgefährdet. Spezialisten bohrten Löcher in die Blöcke und mussten diese gemeinsam in einer Sprengung zerkleinern. Alle Arbeiten wurden am hängenden Seil mit der Rega ausgeführt. Im Anschluss an den Felssturz installierte man verschiedene Schutznetze und baute einen Ablenk-Damm. (Sperrdauer: 7 Wochen, Schäden: keine)