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VERKEHR: Grimsel-Bahn soll Uri Schub verleihen

Eine Eisenbahnlinie vom Berner Oberland ins Goms soll bald Realität werden. Auch die Gemeinde Andermatt und der Kanton Uri treiben das Projekt voran.
Schmalspurbahnnetz-nlz 2016

Schmalspurbahnnetz-nlz 2016

Elias Bricker

Geplant ist eine neue Eisenbahnlinie von Innertkirchen nach Oberwald. Das Kernstück bildet ein 22 Kilometer langer Tunnel quer durch den Grimselpass. Rund 580 Millionen Franken soll der Bau verschlingen. Und bereits in zehn Jahren soll möglich sein, mit dem Zug vom Berner Oberland ins Goms zu reisen. Geschätzte Fahrzeit: 40 bis 50 Minuten (siehe unsere Zeitung vom 5. Februar 2016).

Tunnel erhält doppelte Funktion

Was tönt wie eine verrückte Idee aus der Belle Époque, als Ingenieure auf alle möglichen Alpengipfel Bergbahnen bauen wollten, wird immer konkreter. Denn auch die nationale Stromnetzbetreiberin Swissgrid hat grosses Interesse am Projekt. Denn Swissgrid muss bald ihre Hochspannungsleitungen über den Grimselpass erneuern und ausbauen. Der Bau der neuen Stromleitung dürfte aber in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung werden. Denn das Grimselgebiet ist ein bedeutendes Schutzgebiet. Jahrelange Bewilligungs- und Einspracheverfahren dürfen fast programmiert sein. Um diese teuren Verfahrenskosten und raumplanerischen Hürden zu umgehen, will Swissgrid nun den geplanten Eisenbahntunnel gemeinsam mit der Grimselbahn AG nutzen, und die Stromleitungen durch den Berg statt über den Grimselpass verlegen.

Nager sitzt im Verwaltungsrat

So nimmt das ehrgeizige Projekt langsam Formen an. Die Einfache Gesellschaft Grimseltunnel, hinter der die Grimselbahn AG und die Swissgrid AG stehen, treiben die Planung aktiv voran. Unterstützt wird sie zudem von den Kantonen Wallis und Bern. Bereits 2018 wollen die Verantwortlichen das Konzessionsgesuch beim Bund einreichen.

Nun beteiligen sich aber auch der Kanton Uri sowie die Gemeinde Andermatt finanziell am Projekt. Der Kanton bezahlt mit NRP-Mitteln 150 000 Franken an die 6 Millionen Franken teuren Projektierungskosten. Und die Gemeinde Andermatt besitzt bei der Grimselbahn AG seit Neustem ein Aktienkapital in der Höhe von 10 000 Franken. Das zeigen Recherchen unserer Zeitung. Gemeindepräsident und designierter Regierungsrat Roger Nager sitzt inzwischen sogar im Verwaltungsrat der Grimselbahn AG.

Die Schweiz rückt zusammen

Doch was hat der geplante Alpentunnel zwischen dem Berner Oberland und dem Obergoms überhaupt mit Andermatt und dem Kanton Uri zu tun? «Das Projekt ist auch eine Chance für die Tourismusregion Andermatt», sagt Roger Nager. «Andermatt könnte dank der neuen Eisenbahnlinie noch besser erreichbar werden. Das wäre vor allem auch für den Tagestourismus interessant.» Der Gemeinderat Andermatt sei zudem der Ansicht, dass es wichtig sei, dass das Urserntal von Anfang an bei der Planung involviert sei. Deshalb habe er auch dem Aktienkapital der Grimselbahn AG in eigener Kompetenz zugestimmt.

Ins gleiche Horn bläst der Urner Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. «Der Grimseltunnel ist nicht nur eine Chance für Andermatt, sondern auch für die Zukunft der Gotthardberg­strecke.» Denn mit dem Grimseltunnel würden die zwei grössten Schmalspurnetze der Schweiz miteinander verschmelzen. Da wäre einerseits das durchgehende Schienennetz der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Rhätischen Bahn, andererseits die Golden-Pass-Linie von Montreux via Interlaken und Brünig nach Luzern (Zentralbahn). «Mit dem Grimseltunnel würde die Schweiz eisenbahntechnisch zusammenrücken», sagt Camenzind. «Davon könnte vor allem der Tourismus profitieren.»

Solidarität unter den Kantonen

Für Camenzind und Nager ist die Urner Beteiligung zudem ein weiterer Mosaikstein des Projekts San Gottardo. «San Gottardo» ist ein Projekt im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP). Damit soll die Zusammenarbeit der Kantone Uri, Wallis, Tessin und Graubünden in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Kultur gefördert werden. Immerhin, betonen sowohl Nager und Camenzind, könne Uri beim Ausbau der Skiarena Sedrun auch vom Projekt San Gottardo profitieren. Deshalb sei es nun richtig, dass Uri jetzt auch dem Kanton Wallis bei der Planung der Grimsel-Bahn unter die Arme greife. Die vier Gotthardkantone beteiligen sich im Rahmen des Projekts San Gottardo momentan mit rund 1,5 Millionen Franken.

Alles hängt von Swissgrid ab

Ob die Vision der Grimsel-Bahn überhaupt realisierbar ist, soll in den kommenden zwei Jahren abgeklärt werden – vor allem auch in finanzieller Hinsicht. Dabei dürfte am Schluss die nationale Netzgesellschaft Swissgrid die wichtigste Rolle spielen. «Eine reine Bahnlinie dürfte nicht realisierbar sein», sagt Projektleiter Peter Teuscher. «Nur ein gemeinsames Projekt mit Bahn und Hochspannungskabel wird eine echte Chance haben.»

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