VERKEHR: Urner Regierung für Verladestationen am Gotthard

Für die Regierung ist es möglich, den Gotthardtunnel ohne zweite Röhre wirtschaftsverträglich zu sanieren. Dazu braucht es aber eine Kurz- und eine Lang-RoLa.

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Bei der Sanierung des Tunnels sollen die Güter auf der Schiene durch den Gotthard rollen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Bei der Sanierung des Tunnels sollen die Güter auf der Schiene durch den Gotthard rollen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Markus Zwyssig

Während der Sanierung des Gotthardtunnels kann die Verbindung ins Tessin stets gewährleistet werden – auch ohne den Bau einer zweiten Röhre. Davon ist die Urner Regierung überzeugt. Sie setzt dabei auf die Neat, auf Verladeeinrichtungen im Gebiet Rynächt und Biasca für LKW sowie in Göschenen und ­Airolo für PW. Dabei sollen keine wirtschaftlichen Nachteile für den Kanton Uri entstehen. Das hält die Regierung in ihrer Antwort auf ein Postulat von Daniel Furrer (CVP, Erstfeld) fest.

Für ein Nein gewappnet

Furrer forderte in seinem Vorstoss einen Bericht. Er wollte Auskunft darüber, wie die Sanierung bei einem Nein des Stimmvolks am 28. Februar 2016 zur zweiten Gotthardröhre aussieht. Der Erstfelder Landrat geht davon aus, dass dadurch eine Variante mit Bahnverlad für Personen- und Lastwagenverkehr wieder in den Vordergrund rückt.

Die Regierung hat für den jetzt vorgelegten Bericht Grundlagen ausgewertet und zusätzlich verschiedene Fachgespräche mit Experten geführt. Und das sind für die Regierung die Voraussetzungen, dass es klappt: Während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels ist der Betrieb einer Rollenden Landstrasse (RoLa) unumgänglich. Die Regierung fordert eine Lang-RoLa von Grenze zu Grenze (Basel–Chiasso) und eine Kurz-RoLa Rynächt–Biasca. «Was die Kurz-RoLa betrifft, zeigen verschiedene Analysen sowohl des Bundes als auch unabhängiger Verkehrsexperten, dass ein LKW-Kurzverlad durch den Basistunnel zwischen Rynächt und Biasca mit drei Zügen pro Stunde machbar ist», schreibt die Regierung. Es wird davon ausgegangen, dass der Verladestandort nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder verschwinden soll.

Weiterer Verladestandort gefordert

Der Kanton Uri fordert im Interesse einer tragbaren Umsetzung des Verladestandorts Rynächt nördlich des Kantons einen weiteren Verladestandort. Der Kanton Uri selbst hat den Nachweis erbracht, dass verschiedene zusätzliche Standorte technisch möglich sind. Zudem würde der Betrieb einer Lang-­RoLa den Verladestandort Rynächt stark entlasten. Eine im Stundentakt verkehrende Lang-RoLa zwischen Basel und Chiasso in Kombination mit einer Kurz-RoLa stellt zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung, um den Strassentransitgüterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

Der Bau des Terminals im Rynächt, der rund ein bis zwei Jahre dauern wird, führt zu mehr Arbeit im Kanton Uri. Je nach umgesetzter Variante entstehen beim Verladestandort zwischen 75 und 100 Arbeitsplätze. Die Regierung denkt dabei an die Bereiche Leitung, Koordination und Verkehrsmanagement, Check-in und Kasse, Kontrolle der Lastwagen, Unterstützung bei der Nachbehandlung der Lastwagen, Einweiser bei der Auffahrt auf die RoLa-Komposition, Unterstützung bei der Sicherung der Lastwagen auf dem Zug, Rangierarbeiter und Lokführer.

Kapazität von 600 Autos pro Stunde

Die Personenwagen sollen zwischen Göschenen und Airolo verladen werden. Gemäss den Angaben der SBB ist bei einem Verlad von 600 Autos pro Stunde und Richtung mit Investitionskosten von 25 bis 27 Millionen Franken in Göschenen und 24 bis 34 Millionen Franken in Airolo zu rechnen. Die Betriebskosten belaufen sich auf 33 bis 44 Millionen Franken pro Jahr. Für den Betrieb und Unterhalt der Verladeterminals ist ein Personalbedarf von zirka 75 Mitarbeitern notwendig.

Die Urner Regierung setzt sich für eine wirtschaftsverträgliche Sanierung mit ausgewogenen Verlademöglichkeiten ein. Gemäss Kostenschätzungen verursacht dies deutlich weniger Kosten als eine zweite Röhre: zirka 1,1 Milliarden Franken statt der 2,8 Milliarden Franken für den Bau einer zweiten Gotthard-Strassenröhre.

Tunnel muss länger offen sein

Für die Regierung ist es unabdingbar, dass die Öffnungszeiten während der Hauptverkehrszeit im Sommer länger und die Sperrzeiten in den übrigen Jahreszeiten kürzer werden. Die Bauzeit soll mit allen Mitteln minimiert werden. Dabei denkt die Regierung an eine vorgezogene Sanierung des Sicherheitsstollens, an die Schaffung von Zwischenangriffsstellen, auch an die Maximierung der Anzahl Arbeitsstellen. Die Sanierung soll nicht länger als 3 bis 4 Jahre dauern.

Der Regierungsrat beantragt dem Landrat, den Bericht «Umsetzung der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels mit Bahnverlad» zur Kenntnis zu nehmen und das entsprechende Postulat von Daniel Furrer (CVP, Erstfeld) als materiell erledigt abzuschreiben. Der Landrat wird den Bericht in einer seiner nächsten Sessionen behandeln.