VERKEHRSPOLIZEI URI: Neuer Chef will vor allem schützen und dienen

«Der Urner ist komplett anders, als das Image, das er hat»: Nach 100 Tagen im Amt freut sich Damian Meier über die grosse Akzeptanz.

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Damian Meier, Chef der Verkehrspolizei Uri. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Damian Meier, Chef der Verkehrspolizei Uri. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Ihre ersten 100 Tage als Chef der Verkehrspolizei Uri sind vorbei: Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Damian Meier: Sehr positiv. Ich habe eine äusserst spannende Funktion übernommen. Jeder Tag bringt etwas Neues, und genau das habe ich gesucht. Auch der Umgang mit den über sechzig Leuten meiner Abteilung fasziniert mich. Ich spüre, dass ich als neuer Chef sehr gut akzeptiert werde.

Sie waren Primarlehrer und Jurist, jetzt sind Sie oberster Urner Verkehrspolizist: Was hat Sie an diesem Job gereizt?
Meier: Vor allem das spannende polizeiliche Umfeld. Strafrecht und Strassenverkehrsrecht als Nebenzweig des Strafrechts waren schon im Studium meine grosse Leidenschaft. Ich wollte eigentlich nie in einem Anwaltsbüro sitzen und Akten studieren. Einem Juristen bieten sich schweizweit nur wenige Möglichkeiten, als Quereinsteiger bei der Polizei zu landen. Ich bin dankbar, eine solche Chance erhalten zu haben.

Ihre Leute an der Basis wissen mehr über die polizeiliche Arbeit als Sie als Quereinsteiger. Ist das kein Problem?
Meier: Alle meine Frontleute verstehen mehr als ich (lacht). Neuere Lehren sagen zwar, es sei egal, welches Unternehmen man führe. Wichtig sei, dass man das Führen gelernt habe. Ich teile diese Meinung nicht ganz. Gerade bei der Polizei muss man wissen, was an der Basis läuft, was es bei Ernstfällen zu beachten gilt und wie man in Krisensituationen führt. Deshalb bin ich möglichst oft an der Front.

Ihr Vorgänger hat die Polizeiarbeit von Grund auf gelernt. Jetzt wurde ein Jurist gesucht. Braucht es einen Juristen?
Meier: Im Kanton Uri war man der Meinung, dass es für diese Stelle einen Juristen brauche.

Fragen wir anders: Wo ist in Ihrem Job juristisches Wissen notwendig?
Meier: In der gesamten schweizerischen Polizeilandschaft ist eine gewisse Verakademisierung festzustellen. Und es ist auch so, dass für gewisse Funktionen ein Jurist gesucht wird. In den meisten Kantonen ist zum Beispiel der Chef der Kriminalpolizei ein Jurist. Weil Verkehrswesen sehr viel mit Strassenverkehrsrecht zu tun hat, werden schweizweit auch immer mehr Juristen als Chef einer Verkehrspolizei angestellt.

Wie erleben Sie den Urner ganz generell?
Meier: Komplett anders, als das Image, das er hat.

Welches Image hat er denn?
Meier: Für viele ist er ein Mensch, der in einem engen Tal inmitten von Bergen wohnt und einen eher eingeschränkten Horizont aufweist. In meinem früheren Umfeld in Luzern habe ich aber bedeutend mehr Leute mit einem eingeschränkten Horizont erlebt. Ich staune über die Offenheit der Urner und bin positiv überrascht, wie man hier akzeptiert wird, sobald eine Vertrauensbasis geschaffen ist. Ich habe mein Bild des Urners total korrigieren müssen und fühle mich im Urnerland sehr wohl.

Welches sind die grössten Herausforderungen der nächsten Monate?
Meier: Das dürfte die mögliche Reorganisation der Kantonspolizei Uri sein. Wir werden diskutieren, ob die Verkehrspolizei zu einer Verkehrs- und Bereitschaftspolizei werden soll. Auch die Zukunft der Urner Polizeiposten und die Situation im Urserntal nach dem Bau des Ferienresorts werden uns stark beschäftigen.

Dafür wird Ihre Abteilung durch die Inbetriebnahme des Schwerverkehrszentrums (SVZ) entlastet.
Meier: Das SVZ bringt für unsere Leute sicher mehr Luft und somit Spielraum, um dem eigentlichen Auftrag nachzukommen.

Sie haben dann wieder mehr Zeit, um die Urner zu büssen?
Meier (lacht): Büssen und Bürger ärgern steht nicht im Vordergrund der polizeilichen Arbeit. Ich sehe die Polizei als Dienstleistungsunternehmung nach dem Motto «Schützen und Dienen». Wir werden also in Zukunft mehr Zeit haben, um dem Bürger zu dienen.

Bruno Arnold

Das ausführliche Interview lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Urner Zeitung.