Verteidigung fordert Freispruch

Im Urner Mordprozess bekamen die Strafuntersuchungsbehörden am Montag schlechte Noten, weil laut Verteidigung «elementare Grundsätze missachtet» wurden. Sie fordert deshalb einen Freispruch.

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Von links: einer der Laienrichter, der angeklagte Barbetreiber und dessen amtlicher Verteidiger. (Bild: Zeichnung Aleksandra Mladenovic)

Von links: einer der Laienrichter, der angeklagte Barbetreiber und dessen amtlicher Verteidiger. (Bild: Zeichnung Aleksandra Mladenovic)

Der 24-jährige Sasa S. hat am 12. November 2010 im Auftrag des Erstfelder Barbetreibers Ignaz W. versucht, dessen Ehefrau Nataliya K. zu erschiessen: So sieht es die Staatsanwaltschaft. Für Hansjörg Felber, den Verteidiger von Sasa S., und Linus Jaeggi, den Verteidiger von Ignaz W., liegt der Fall allerdings nicht so klar. Beide sind überzeugt: «Beim Untersuchungsverfahren wurden elementare Grundsätze missachtet.» Felber nahm gestern kein Blatt vor den Mund: «Die Staatsanwaltschaft schildert uns einen Tatablauf, der auf einer vorgefassten Meinung beruht und dem gesunden Menschenverstand widerspricht.» Das Gesamtkonstrukt weise zahlreiche gravierende Widersprüche und Ungereimtheiten auf, und es würden zahlreiche «Beweise» präsentiert, die einer genauen Überprüfung nicht standzuhalten vermöchten.

«Das Opfer gab die Richtung vor»

«Die Strafverfolgungsbehörden haben in diesem Fall ihre Objektivitätspflicht massiv verletzt», betonten die beiden Verteidiger. Das Opfer Nataliya K. habe die Richtung, in der zu untersuchen sei, schon am Tattag vorgegeben – indem es den Verdacht auf Sasa S. gelenkt habe. «Die Untersuchungsbehörden haben dies dankbar aufgenommen», so Felber. «Sie glaubten, die Täter bereits gefunden zu haben, und haben praktisch ausschliesslich nur noch in Richtung meines Klienten und von Ignaz W. untersucht», bemängelte Felber. Unterstützt worden seien die Behörden dabei von der Vorverurteilung durch den «Blick». Felber und Jaeggi bezeichneten die Kronzeugen der Staatsanwaltschaft gestern als unglaubwürdig.

Jaeggi betonte, dass Ignaz W. «gar kein plausibles Motiv» gehabt habe, einen Auftragskiller zu engagieren. «Die Angst, das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu verlieren, hat sicher nicht mitgespielt», betonte er. «Er wollte ja nur das Besuchsrecht für seinen Sohn und wollte daneben seiner Frau möglichst wenig Unterhaltszahlungen leisten.» Ignaz W. habe zudem genau gewusst, dass er auch im Falle des Todes von Nataliya K. nicht auf das Erbe seines Sohnes werde zugreifen können. «Dafür gibt es die Vormundschaftsbehörde. Geglaubt hat dies höchstens das Opfer selber. Und eine allfällige Auszahlung der Lebensversicherung wäre so oder so ans Betreibungsamt geflossen.»

Bruno Arnold

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