Andi Imhof setzt auf Ausdauer- statt Sägemehltraining

Seine Abschiedssaison hatte sich Schwinger-Crack Andi Imhof (35) anders vorgestellt. Nun liebäugelt er damit, allenfalls noch ein Jahr anzuhängen.

Urs Hanhart
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Andi Imhof möchte gern noch einmal jubeln wie damals, 2018, auf dem Brünig. Wenn's dieses Jahr nicht mehr klappt, dann vielleicht 2021.

Andi Imhof möchte gern noch einmal jubeln wie damals, 2018, auf dem Brünig. Wenn's dieses Jahr nicht mehr klappt, dann vielleicht 2021.

Alexandra Wey / KEYSTONE

Genau gleich wie alle anderen Sportarten ist auch das Schwingen massiv von der Coronakrise betroffen. Sämtliche Innerschweizer Kantonalschwingfeste sind abgesagt worden, und niemand weiss derzeit, wann und ob die Saison heuer überhaupt noch beginnt. Andi Imhof aus Attinghausen, seines Zeichens der erfolgreichste Urner Schwinger und Nationalturner der letzten anderthalb Jahrzehnte und das Aushängeschild in diesen Sportarten schlechthin, wollte in dieser Saison seine Abschiedstournee geben und dann von der Wettkampfbühne abtreten. Seine Planung ist jedoch arg durcheinandergewirbelt worden. Dazu sagt er: «Ich habe mich sehr auf die Innerschweizer Kantonalschwingfeste und natürlich insbesondere auf jenes im Urnerland gefreut. Vor heimischer Kulisse wäre ich gerne nochmals angetreten. Das war mein eigentliches Hauptziel. Meine letzte Saison hatte ich mir anders vorgestellt. Nun hoffe ich, dass es nicht noch zu weiteren Absagen kommt, sondern irgendwann doch noch losgeht.»

Der 74-fache Kranzgewinner, der 2011 das Urner Kantonale für sich entscheiden konnte, hat aber volles Verständnis dafür, dass der Wettkampfsportbetrieb vorderhand vollständig ruht. Er betont: «Ich finde es gut, dass die Innerschweizer einen gemeinsamen Nenner gefunden und die Kantonalen übereinstimmend abgesagt haben. Das war sicherlich ein richtiger und vorausschauender Entscheid. Sonst wären die Veranstaltungen wohl vom Bund verboten worden.»

Es ist kein Techniktraining mehr möglich

Imhof befindet sich nach wie vor im Training, muss sich allerdings einschränken. Die Schwingkeller sind geschlossen. «Beim Schwingen kann man logischerweise den Zwei-Meter-Abstand nicht einhalten. Techniktraining ist nicht mehr möglich. Deshalb setze ich jetzt mehr auf Ausdauertraining, vor allem mit dem Velo, und absolviere zu Hause Krafteinheiten. Ich versuche, möglichst fit zu bleiben und die Form zu konservieren, um bereit zu sein, wenn es wieder losgeht mit den Schwingfesten», erklärt er und räumt noch ein: «Es ist nicht so einfach, sich für das Training zu motivieren. In der Gruppe geht das viel leichter. Aber ich habe noch Ziele vor Augen. Dadurch geht es schon irgendwie.»

Imhof kann unter anderem beim Bergfest auf dem Weissenstein antreten, sofern es stattfindet. Dort möchte er den in seinem Palmarès noch fehlenden Kranz holen. Im September findet in Bürglen der Nationalturntag statt. Bei diesem Event möchte das Aushängeschild des TV Bürglen nochmals ganz vorne mitmischen. Seinen aktuellen Formstand kann der 1,90 Meter grosse und 118 Kilogramm schwere Hüne aufgrund fehlender Vergleiche mit den Konkurrenten nicht richtig einschätzen. Immerhin hat er aber ein gutes Gefühl, wie er verrät: «Körperlich fühle ich mich sehr gut und auch bereit. Die Vorbereitung verlief gut, und die Schulterverletzung, die mir im letzten Jahr zu schaffen machte, ist voll ausgeheilt.» Imhof hofft, dass er am Pfingstmontag, also am 1. Juni, beim Glarner/Bündner Schwingfest in die Saison einsteigen kann. Ob dieses stattfinden wird, ist allerdings sehr fraglich.

Die Familie profitiert

Der Lockdown und die eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten haben immerhin auch ihr Gutes. Dazu sagt der Vorzeigeathlet: «Am meisten von der Ausnahmesituation profitiert meine Familie. So viel wie jetzt war ich abends schon lange nicht mehr zu Hause.» Bei der Gipo in Seedorf, wo Imhof als Projektleiter tätig ist, wird nach wie vor gearbeitet, wenn auch mit Anpassungen wegen der Abstandregeln. Dadurch hat sich zumindest am beruflichen Alltag des Schwing- und Nationalturn-Cracks nichts geändert.

Falls die ganze Saison ins Wasser fallen sollte und er keines seiner Ziele anpeilen kann, behält sich Imhof ein Hintertürchen offen: «Für mich war bisher immer klar, dass ich Ende Saison zurücktrete. Aber wenn wirklich nichts mehr gehen sollte, schliesse ich nicht ganz aus, dass ich allenfalls noch eine Saison anhängen würde.

So möchte ich natürlich nicht abtreten.»