Rapper Roger Rekless hat viel Lob für das Tonart-Festival

Das Tonart-Festival in Altdorf bot viel Musik und war an beiden Abenden ausverkauft. Der deutsche Rapper und Hip-Hop-Musiker Roger Rekless ist schon fast ein Dauergast und würde auch als Besucher von Bayern ans Festival reisen.

Interview: Markus Zwyssig
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Roger Rekless: «Die Liebe zur Musik und zur Kultur sind hier zu Hause.» (Bild: Valentin Luthiger, Altdorf, 23. März 2019)

Roger Rekless: «Die Liebe zur Musik und zur Kultur sind hier zu Hause.» (Bild: Valentin Luthiger, Altdorf, 23. März 2019)

Die grosse Bühne im Theater Uri gehörte am Freitag Son Little und am Samstag Rose Ann Dimalanta. Überzeugt hat am «Tonart» einmal mehr die Festival-Band Take This im Foyer. Die Musiker begleiteten am Freitag die Berner Sänger QC (Troubas Kater) und Schmidi Schmidhauser, am Samstag den Berner Rapper Knackeboul mit Chocolococolo und die Luzerner Soulsängerin Caroline Chevin.

Roger Rekless, der zum vierten Mal am Tonart-Festival dabei war, trat an beiden Abenden als Rapper auf und führte als Ansager durch das Programm. Der 37-jährige heisst eigentlich David Mayonga und ist in München geboren, sein Vater stammt aus dem Kongo. Er erzählt, wie er das Festival erlebt und was er daran so speziell findet.

Roger Rekless, Sie gehören bald schon zum Inventar des Tonart-Festivals. Was reizt Sie, immer wieder nach Altdorf zu kommen?

Das erste Mal war ich mit der Jazzband um den Saxofonisten Max Merseny hier. Den «flavour» und die Stimmung auf dem Festival fand ich sehr angenehm. Das Team war so liebevoll und engagiert. Zudem ist alles sehr professionell aufgezogen. Als OK-Chef Philipp Truniger mich angefragt hat, ob ich im darauf folgenden Jahr wieder kommen wolle zum «Freestylen», war ich sofort dabei.

Was ist das Spezielle am Festival?

Das Städtchen Altdorf ist wunderschön. Das Tonart-Festival ist eines der am liebevollsten kuratierten Festivals, die ich kenne. Sänger und Musiker fühlen sich am Festival immer sofort wohl – sei dies auf der Bühne oder auch Backstage. Ich habe hier viele Musiker kennengelernt, insbesondere die Schweizer Künstler Nemo und Ritschi oder den Engländer Benjamin Yellowitz.

Dem ist beim Auftritt am Tonart-Festival gleich beim ersten Song die Saite gerissen.

Ja, genau. Das war Pech. Wir sind immer noch miteinander in Kontakt. Ich habe Benjamin Yellowitz auch mal in meine Radiosendung eingeladen. Alles ist in Altdorf am Tonart-Festival entstanden. Man merkt: Die Liebe zur Musik und zur Kultur sind hier zu Hause. Die musikalische Qualität stimmt. Es treten ganz gute Leute auf. Von Beginn weg sehr gut verstanden, habe ich mich auch mit der Festival-Band Take This.

Inzwischen kennen Sie ja auch das Publikum sehr gut. Wie erleben Sie die Urner?

Das Publikum am Tonart-Festival ist sehr gut gemischt. Jung und Alt kommen ans Festival. Es sind Musikfans, die sich nicht auf ein bestimmtes Genre konzentrieren. Ich habe das Gefühl, das Publikum weiss gute Musik zu schätzen. Am Freitag sind die Urner meistens etwas distanzierter und reagieren verhaltener. Aber das ist auch nur am Anfang so. Zum Schluss geht es dann immer richtig ab.

Was hat Sie an diesem Festival besonders beeindruckt?

Es gab auch diesmal wieder viele gute Erlebnisse. Für mich war das Konzert mit Son Little am Freitag auf der grossen Bühne sehr eindrücklich. Hier kennt man ihn zwar nicht so. Er ist aber ein wahnsinnig guter Songwriter. In der Musikerszene ist er bekannt, denn er schreibt ja auch für andere Songs. Das Konzert war so toll. Auf der Bühne stand nur ein Mann: mit Gitarre und einer tollen Stimme. Er war super bei der Sache. Das fand ich so cool. Son Little lud das Publikum dazu ein, mit auf eine Reise zu kommen, die ganz angenehm war.

Bei so viel Lob fürs Festival erübrigt sich die Frage ja zwar fast. Trotzdem: Kommen Sie nächstes Jahr wieder ans Festival?

Wenn ich eingeladen werde, komme ich gerne. Es ist aber nicht selbstverständlich, dass man immer wieder als Musiker dabei sein kann. Ich bin auch nicht böse, wenn es eine Änderung gibt. Ich habe mir schon überlegt, einmal nur als Besucher zu kommen. Meine Frau war letztes Mal schon einen Tag hier, diesmal ist sie die ganze Festivalzeit mit dabei. Das gibt uns Gelegenheit, ein bisschen die Umgebung anzuschauen. Bisher beschränkte sich das, was wir gesehen haben, ja auch auf Altdorf. Nun können wir mit dem Auto ein bisschen die Umgebung erkunden. Wir waren auch spazieren, bei den Badeinseln am See und oben beim Nussbäumli.

Sie sind bekannt für ihre spontanen Rap-Einlagen. Was fällt Ihnen zum Tonart-Festival und zu Altdorf ein?

(rappt spontan)

Das hab’ ich eigentlich beim ersten Mal schon festgestellt/Das liebevollste ist das Tonart-Festival/Die Leute fragen, warum denn das so ist/Wenn es nicht so wär, wär der Rekless da nicht/Gute Leute, die gutes «organizen»/So muss es sein, so kreiert man diese «nicen/vibes» und die ganz gute Stimmung/Deshalb gibt es Tonart-Festival immer mit uns.

Danke für diese Einlage! Um noch etwas ernster zu werden. Sie haben soeben ihr erstes Buch «Ein Neger darf nicht neben mir sitzen» veröffentlicht. Am «Tonart-Festival» haben Sie nie gross über Rassismus gesprochen. Ist der Kanton Uri heile Welt?

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Dabei habe ich viel Alltagsrassismus erlebt und beobachtet. Das Buch ist ein Sachbuch und handelt von den Dynamiken, die dahinter stehen. Am Tonart-Festival muss ich aber nicht darüber sprechen, weil ich hier Gast bin. Wenn man hier geboren ist und nicht schweizerisch ausschaut, dann macht man die eine oder andere Erfahrung. Alle Leute, die ich über das Tonart-Festival kennengelernt habe, sind Teil einer unglaublich offenen Community. Da musste ich Gott sei Dank nicht daran denken, über Rassismus zu sprechen.

Positives Fazit

Rund 800 Personen besuchten das 14. Tonart-Festival im Theater Uri in Altdorf. Die Organisatoren sind sehr zufrieden, wie der musikalische Leiter, Phi­lipp Truniger, auf Anfrage bestätigt. «Beide Abende waren ausverkauft», so Truniger. «Das Festival verlief wie geplant.»
Bereits machen sich die Organisatoren Gedanken über die bevorstehende 15. Auflage. «Zum Jubiläum wird es etwas Spezielles geben. Das Publikum darf sich auf eine Überraschung freuen», so Truniger. «Wir haben rund ein halbes Dutzend Ideen, was wir machen können.» Noch aber ist nichts konkret. Bekannt ist hingegen der Termin: Die 15. Ausgabe des Festivals findet am 27. und 28. März 2020 statt.