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Vier Künstler beziehen klare Positionen

Mit Keramik, Textil, Latex, Karton und auf der Leinwand haben Kunstschaffende Skulpturen und Bilder geschaffen. Sie beziehen mit ihren Arbeiten im Haus für Kunst Uri deutlich Stellung oder schaffen ihre ganz eigenen Welten.
Markus Zwyssig
Ein futuristisches Fahrzeug in der von Patrick Graf geschaffenen archäologischen Ausgrabungsstätte. (Bilder: F. X. Brun (Altdorf, 6. Juni 2018))

Ein futuristisches Fahrzeug in der von Patrick Graf geschaffenen archäologischen Ausgrabungsstätte. (Bilder: F. X. Brun (Altdorf, 6. Juni 2018))

Wer zurzeit das Obergeschoss im Haus für Kunst Uri betritt, wähnt sich auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Es scheint, als hätten die Menschen ihre zum Teil futuristisch aussehenden Maschinen gerade erst verlassen und die Werkzeuge liegen gelassen. «Zwei Monate lang habe ich an dieser Welt gearbeitet», verriet Künstler Patrick Graf gestern beim Presserundgang. Der 37-jährige Zürcher vermischt in seinen Werken aus lackiertem Karton Fiktion und Realität. Graf ist ein Geschichtenerzähler und Fantast. Er schafft ein eigenes Universum, das von Comic, Cartoon, TV, Kunstgeschichte, Werbung, und Trash beeinflusst wird.

Patrick Graf hat eine archäologische Ausgrabungsstätte geschaffen, in der es scheint, als hätten die Menschen ihre Maschinen gerade erst verlassen. Welt aus lackiertem Karton gearbeitet.

Patrick Graf hat eine archäologische Ausgrabungsstätte geschaffen, in der es scheint, als hätten die Menschen ihre Maschinen gerade erst verlassen. Welt aus lackiertem Karton gearbeitet.

Graf ist einer von vier Kunstschaffenden, die zurzeit im Haus für Kunst Uri ausstellen. «Sie alle beziehen klare Positionen», sagte Barbara Zürcher, Direktorin und Kuratorin im Haus für Kunst Uri. Ausgezeichnet sei ihr Umgang mit ganz unterschiedlichen Materialien wie Keramik, Latex, Karton und auf der Leinwand.

Kritischer Blick auf die Waren- und Konsumwelt

Mit der Waren- und Konsumwelt und dem allgegenwärtigen Material Plastik setzt sich die 64-jährige Marie-Claire Baldenweg kritisch auseinander. Die Künstlerin hat ganze Bildzyklen wie «Plastic Reality», «Plastic Dream Time» sowie ihre neuste Serie «Key Cards for Survival II» geschaffen. Die Künstlerin hinterfragt die Mechanismen der Werbung und stellt ethische Fragen. Die Solothurnerin ist Autodidaktin. 1987 ist sie mit ihrem Mann, dem Musiker Pfuri, und ihren drei Kindern nach Australien ausgewandert, wo sie als Malerin Fuss gefasst und an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen hat.

1993 kehrte die Familie in die Schweiz zurück und gründete die Familienband «Trash Bag». Während acht Jahren tourte die Familie durch die Schweiz – dem Medium Malerei und dem Thema Plastik bleibt sie treu.

Aufwendige Skulpturen, bizarre «Abhäutungen»

Die 30-jährige Selina Baumann hat Urner Wurzeln, lebt aber heute in Basel. Sie hat unter anderem auch einen grösseren Förderbeitrag der Kunst- und Kulturstiftung Uri erhalten. Spätestens seit ihrem Studienabschluss in Bildhauerei 2014 fällt sie mit ihren Skulpturen auf. Im Haus für Kunst zeigt sie Arbeiten vornehmlich aus Keramik. In mehreren Arbeitsschritten schafft die Künstlerin aufwendige Objekte. Ihren Plastiken gehen Zeichnungen voran, einige davon sind zurzeit im Danioth-Pavillon zu sehen. Die Arbeiten von Baumann werden Werken der verstorbenen Schweizer Avantgarde-Künstlerin Heidi Bucher gegenübergestellt. Sie zeichnete sich vor allem durch ihre eigenwillig-legendären «Abhäutungen» aus.

In der Ausstellung Positionen im Haus für Kunst Uri sind unter anderem Arbeiten der verstorbenen Schweizer Avantgarde-Künstlerin Heidi Bucher und Objekte von Selina Baumann zu sehen.

In der Ausstellung Positionen im Haus für Kunst Uri sind unter anderem Arbeiten der verstorbenen Schweizer Avantgarde-Künstlerin Heidi Bucher und Objekte von Selina Baumann zu sehen.

Von zentraler Bedeutung in ihrem Gesamtwerk ist die Beschäftigung mit Architektur, welche fast alle ausnahmslos aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Bei den entstandenen «Abhäutungen» von Wänden, Fenstern oder ganzen Zimmern, inklusive dem Parkettfussboden, handelt es sich um sogenannte Erinnerungsfetzen. Heidi Bucher zog auch ihr Atelier mit Latex ab. Es wurde zu ihrer ersten «Raumhaut» und wird im Haus für Kunst Uri unter anderen Arbeiten aus einer Privatsammlung gezeigt. Mit ihrem Tod 1993 verschwand Heidi Bucher aus dem Gedächtnis der Kunstwelt – doch nur vorübergehend. 2004 sorgte eine Einzelausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich aber dafür, dass Heidi Buchers Schaffen nicht vergessen ging. «Inzwischen geniesst ihre Arbeit postum grossen Erfolg mit Ausstellungen an der Art Basel und in London», sagte Barbara Zürcher. Ein Video im Dachstock im Haus für Kunst Uri gibt Einblick ins Schaffen der verstorbenen Künstlerin.

Hinweis

Die Vernissage der Ausstellung Positionen findet am Samstag um 17.30 Uhr statt. Zur Ausstellung gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm. Mehr dazu finden Sie unter www.hausfuerkunsturi.ch.

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