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Vom Stadion in die Kapelle

Der Exil-Urner Lorenz Gamma und seine Frau Ming Tsu leiten das Borromeo-Musikfestival. Die 47 Studenten kommen aus den USA und vielen weiteren Ländern. Auch ein paar einheimische Schüler sind dabei.
Markus Zwyssig
Lorenz Gamma probt zusammen mit seiner Frau Ming Tsu in der Kapelle der Kantonalen Mittelschule Uri. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 14. Juli 2018))

Lorenz Gamma probt zusammen mit seiner Frau Ming Tsu in der Kapelle der Kantonalen Mittelschule Uri. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 14. Juli 2018))

Vor ein paar Tagen hat Lorenz Gamma noch in der renommierten Hollywood Bowl in Los Angeles gespielt. 16000 Menschen lauschten in der grossen Freiluftarena den Klängen der Los Angeles Philharmonic, bei denen Gamma oft in den ersten Violinen spielt.

Inzwischen ist der Profimusiker zusammen mit seiner Frau in die Schweiz gereist. Bis Ende Monat geht es für den 46-jährigen Exil-Urner weit beschaulicher zu und her. Das Borromeo-Musikfestival in Altdorf, das am Dienstag, 17. Juli, beginnt, ist um einige Nummern kleiner. Der Name des Festivals rührt daher, weil die Kantonale Mittelschule Uri auch als Kollegium Karl Borromäus bekannt ist, und auch weil Gamma und seiner Frau Ming Tsu die Idee zu einem eigenen Festival vor rund zwei Jahren während eines Abendessens im Hotel Villa San Carlo Borromeo in Mailand kam.

Festival zu organisieren ist eine neue Erfahrung

Im Gespräch mit Lorenz Gamma wird schnell klar: Es muss nicht immer gleich eine volle Arena sein. Ein kleiner Auftrittsort ist für ihn nicht weniger reizvoll. «Musik kann auch im ganz kleinen Kreis berühren», sagt Gamma. «Manchmal genügen für ein besonderes Erlebnis schon fünf Zuhörer in einer Stube». Das Borromeo-Musikfestival sei ein eher intimer Anlass. Davon würden sowohl Schüler als auch die Zuhörer profitieren. Alles sei individueller und aus unmittelbarer Nähe erlebbar.

Bei der Familie Gamma dreht sich fast alles um die Musik. Lorenz Gamma spielt Violine und seine Frau Ming Tsu Klavier. Beide haben Lehraufträge an verschiedenen Universitäten. Zudem sind sie in mehreren musikalischen Projekten beteiligt. Die beiden sind Co-Direktoren des Borromeo-Musikfestivals. Lorenz Gamma hat selber schon oft an Festivals teilgenommen. Es ist aber das erste Mal, dass er als künstlerischer Leiter wirkt. «Ein Festival von A bis Z zu organisieren ist schon weit aufwendiger, als nur Teilnehmer zu sein.»

Teilnehmer reisen aus der halben Welt an

47 Schüler nehmen am Festival teil. Unterrichtet werden sie von 13 international renommierten Lehrkräften. Ein grosser Teil der Schüler kommt aus den USA. Aber auch die Zentralschweiz ist vertreten: Mit dabei sind Fabian Aschwanden und Naemi dal Farra aus Altdorf sowie zwei junge Teilnehmerinnen aus Luzern. Weitere Schüler kommen aus England, China, Japan, Korea, Taiwan. Der jüngste Teilnehmer ist 14, die meisten sind zwischen 18 und 24 Jahre alt – also im Mittel- und Hochschulalter. Gespielt wird vor allem Kammermusikliteratur. Die Romantik steht oft im Zentrum. «Das passt gut zum Kanton Uri», sagt Gamma. Brahms, Mendelssohn und Liszt sei die Natur sehr wichtig gewesen. Gamma lebt zwar die grösste Zeit des Jahres in Amerika, die Natur in Uri findet er aber immer wieder etwas Spezielles.

Heuer ist er öfter in der Schweiz als üblich

Für das Festival brauchte es eine lange Vorbereitungszeit. Erschwerend kam hinzu, dass Lorenz Gamma in Los Angeles wohnt. «Die Distanz fast ans andere Ende der Welt, hat das Organisieren nicht leichter gemacht», sagt der Musiker. Gewöhnlich ist Lorenz Gamma ein bis zweimal im Jahr in der Schweiz. Dieses Jahr ist er öfters hier. Es gab mehrere Sitzungen und Besprechungen am Kollegi. «Klar, viel geht auch per E-Mail. Aber vor Ort ist es einfacher», so Gamma.

Er habe bei den Vorbereitungen auf die Erstauflage des Borromeo-Musikfestivals grosse Unterstützung erfahren, sagt Gamma erfreut. «Die Urner Arbeitsgruppe unter der Leitung von Felix Aschwanden und Markus Imhof hat bei der Problemlösung und vor allem beim Brainstorming kräftig mitgeholfen.»

Übernachten werden die Festivalteilnehmer im ehemaligen Internat St. Josef (neu Campus Altdorf der Ecole Lémania) in Altdorf. «Alle 60 am Festival beteiligten Personen wohnen in der Nähe», so Gamma. Das bringe viele Vorteile mit sich. «Vor allem müssen wir nicht mehrmals täglich einen Bus organisieren. Die Lokalitäten können problemlos zu Fuss erreicht werden.»

Und diese Nähe schätzt Gamma auch sonst im Kanton Uri. «Da spart man täglich locker ein bis zwei Stunden Zeit», sagt er. In Los Angeles sei alles viel weiter auseinander und wegen des dichten Verkehrs auch viel schwieriger zu erreichen. «Da geht am meisten Zeit drauf, weil man von A nach B gelangen will.»

Lorenz Gamma und seine Frau Ming freuen sich, dass es nun endlich losgeht. «Wir hoffen, dass sich die Musiker hier wohlfühlen», sagt Gamma. «Das Programm ist vollgepackt mit Unterricht, Probe und Konzert.» Logistisch sei es ein erhebliches Puzzle gewesen, dafür zu sorgen, dass es bei den Schülern während der ganzen Zeit nirgends zu Überschneidungen komme.

12 Konzerte, drei verschiedene Auftrittsorte

Ein wichtiger Teil des Borromeo-Festivals sind die Konzerte. Die Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, auf einer Bühne zu spielen. «Wir haben drei tolle Auftrittsorte gefunden, die sich sehr gut für Klassik-Konzerte eignen», gibt sich Gamma überzeugt.

Am Donnerstag findet um 19.30 Uhr das erste Konzert in der Kollegi-Kapelle statt. Ab dann haben Schüler und Lehrer fast täglich einen Auftritt. Insgesamt sind es deren 12 von Schülern und Lehrern gespielte Konzerte, welche hauptsächlich in der Kapelle der Kantonalen Mittelschule zur Aufführung gelangen. Zweimal wird Bach gespielt in der kleinen Kapelle beim St. Josef. Schliesslich gibt es ein weiteres Konzert im Garten im Haus der Musik. Alle Konzerte sind gratis. Besucht werden können auch die Meisterkurse, die jeweils um 15 Uhr in der Kollegi-Kapelle stattfinden.

Austauschjahr legte Grundstein fürs Auswanden

Lorenz Gamma ist im Kanton Uri aufgewachsen. Sein Vater, Martin Gamma, war in Altdorf Arzt. Seine Mutter Nina Gamma war Berufscellistin. Lorenz Gamma war schon früh von Amerika fasziniert. Gepackt hat es ihn vor rund 30 Jahren bei einem Austauschjahr zur Mittelschulzeit. «Das hat mich sehr geprägt», so Gamma. Seine Studien begann er am Konservatorium in Luzern. Beendet hat er sie in Amerika. Seine musikalische Karriere startete er aber in der Schweiz. Lorenz Gamma war an der Oper Zürich und spielte beim bekannten Amar Quartett mit. Inzwischen musiziert er vor allem bei der Los Angeles Philharmonic. Lorenz Gamma lebt seit 12 Jahren in Los Angeles.

Für die nächsten zwei Wochen lehrt und inspiriert nun Lorenz Gamma hoffnungsvolle Musiktalente am Kollegi in Altdorf. In nicht weniger als 40 verschiedenen Zimmern an der Kantonalen Mittelschule und dem Bernarda-Schulhaus wird bis Ende Monat fast nonstop musiziert.

Wie viel übt Lorenz Gamma täglich, um als Musiker mithalten zu können? «Früher habe ich täglich rund drei Stunden Violine geübt», sagt Gamma. Heute müsse eine Stunde pro Tag genügen. Beim Violinespielen könne er auf das während der langen Ausbildungszeit Gelernte zurückgreifen. Gamma setzt auf Effizienz: «Ich konzentriere mich beim Üben auf die schwierigen Stellen.»

Hinweis

Weitere Informationen über das Borromeo-Musikfestival gibt es im Internet unter www.borromeo-musicfestival.org

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