40 Jahre Musikschule Uri: Von der Betteltour zur Erfolgsgeschichte

Zum Abschluss des 40-Jahr-Jubiläums der Musikschule Uri blicken der erste Präsident der Musikschule Uri Markus Meier, die heutige Präsidentin Cordelia Dal Farra und Regierungsrat Beat Jörg in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft .

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Ein Bild von der Gründungsversammlung der Musikschule Uri vom 9. März 1979; von links: Präsident Markus Meier, Initiant Luzius Emanuel Wernly und Vizepräsident Robert Fäh. (Bild: PD)

Ein Bild von der Gründungsversammlung der Musikschule Uri vom 9. März 1979; von links: Präsident Markus Meier, Initiant Luzius Emanuel Wernly und Vizepräsident Robert Fäh. (Bild: PD)

(pd/pz) Dies Jahr konnte die Musikschule Uri ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Markus Meier, der erste Präsident, die heutige Präsidentin Cordelia Dal Farra und Regierungsrat Beat Jörg haben zusammen einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewagt.

«Wir sind am Anfang vor grossen Herausforderungen gestanden», erinnert sich Markus Meier. «Und bei der ersten GV ist es zur Sache gegangen.» Ein paar Männer sind es, die Ende der 1970-er Jahre die Idee einer Musikschule haben und zwar eine kantonale. So eine gibt es damals nur im Kanton Glarus. Doch die Idee bringt allerlei Herausforderungen mit sich. Alt Ständerat und Bildungs- und Kulturdirektor Hans Danioth sorgt politisch für eine gute Stimmung. Der Musiker und einer der Initianten und Motor der Musikschule, Luzius Emanuel Wernly, putzt mit einigen hundert Fragebögen in der Hand die Klinken, um die Meinung der Urner Bevölkerung zum Projekt zu erfragen.

Robert Fäh, Direktionssekretär der Erziehungsdirektion, und Markus Meier überzeugen die Gemeinden und Kantonsverwaltung, damit diese der Kostenregelung – Eltern, Kanton und Gemeinden zahlen je ein Drittel – zustimmen. «Das ist eine Betteltournee durch den Kanton gewesen», erinnert sich Meier. Ein Glück für die Initianten: Die Kantons- beziehungsweise Behördenvertreter, Robert Fäh und Hans Danioth, sind Feuer und Flamme für die Musikschule.

Aussengemeinden sollen 
nicht benachteiligt werden

Am 9. März 1979 treffen sich 186 Frauen und Männer im Saal des Hotels zum Goldenen Schlüssel in Altdorf zur Gründungsversammlung. Es sind auch Gegner da. Zum einen gibt es da die Musikschule Altdorf. «Dir. E. Schmid votiert für unbedingte Erhaltung des Gratismusikunterrichts in Altdorf; er habe seine Berechtigung als Schnupperlehre, als Schule mit ausschliesslichem Gruppenunterricht und ohne Leistungs- und Selektionsdruck. Er hofft auf gute Zusammenarbeit», heisst es im Protokoll der Versammlung. Besorgnis äussert auch ein «Hr. Christen» aus Wassen. «Er befürchtet die Aussengemeinden könnten erneut benachteiligt werden.» Im Protokoll wird sogleich angefügt: «Der Zweckartikel verpflichtet jedoch den Vorstand, das Schwergewicht auf die Aussengemeinden zu legen.» Sobald vier Schüler aus einem Ort kommen, fährt die Lehrperson zu ihnen.

1979 beginnt der Musikschulunterricht: 110 Schüler, zehn Lehrer, als Leiter amtet Heini Iten. «Wir wollten nur qualifizierte Lehrer», sagt Markus Meier.

«Das hat auch Stunk gegeben.»

Unterstützung kommt von bald von Max Dätwyler. Ihm ist es ein Anliegen, sein Elternhaus einer sinnvollen Nutzung zuzuführen und so die Musikschule Uri zu fördern. Einige Jahre nach der Gründung zügelt die Musikschule darum in das neue «Haus der Musik», das die Dätwyler-Stiftung ihr zu einem symbolischen Mietzins von 1 Franken vermietet.

Der Beginn 1979: Heini Iten unterrichtet als erster Leiter. (Bild: PD)

Der Beginn 1979: Heini Iten unterrichtet als erster Leiter. (Bild: PD)

Neu kommen auch Tanz
und Theater zum Zug

Warum die Idee einer kantonalen Musikschule und nicht einzelne Musikschulen für jede Gemeinde? «Das war für uns nie ein Thema», sagt Markus Meier. «Ihr habt damals visionär gedacht», lobt Beat Jörg. Später mehrere Musikschulen zusammen zu schliessen, wäre sehr viel schwieriger gewesen, meint der Bildungs- und Kulturdirektor. Markus Meier lobt auch die heutige Musikschulleitung: «Es ist sehr gut, dass die Musikschule nicht stehen bleibt, sondern kämpft», sagt er zu Cordelia Dal Farra, Präsidentin der Musikschule Uri. Schliesslich habe die heutige Leitung die Drei-Sparten-Schule mit Musik, Tanz und Theater eingeführt.

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg: «Der Kanton nimmt seine Verantwortung wahr»

Apropos Team: Da sei Gabriela Schuler, die das Team zusammenhält und sich um die Finanzen kümmert. Ebenfalls um die Finanzen kümmerte sich Oswald Walker, der 30 Jahre Kassier des Vereins Musikschule Uri war. Ohne die Arbeit der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder hätte ich in meinen 25 Jahren als Präsident keine Möglichkeit gehabt, die Musikschule zu dieser Blüte zu führen», sagt Markus Meier. Heute zahlt noch immer die öffentliche Hand 60 Prozent der Unterrichtskosten. In Kritik seien diese nie gestanden, meint Beat Jörg: «Der Kanton nimmt seine Verantwortung wahr, damit die Musikschule Uri auch in Zukunft weiter bestehen kann.» Die Musikschule nehme eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, erklärt er.

Die Gründung wirke bis heute nach, sagt Cordelia Dal Farra. «Ihr habt damals einen gesunden Samen gesetzt, aus dem nun ein grosser Baum gewachsen ist.» Der Verein Musikschule müsse einerseits dem Erbe Sorge tragen, andererseits aber auch in die Zukunft blicken. Wichtig ist der Vereinspräsidentin, dass die Musikschule als ein Bildungsinstitut anerkannt wird, das sich allerdings im Feld der Freizeitaktivitäten behaupten muss. Weiterhin wolle man attraktiv bleiben, eine Musikschule für alle sein und eine möglichst grosse Instrumentenvielfalt sowie Tanz und Theater auch nach Ende des Pilotprogramms anbieten. Die beiden Sparten würden den Musikunterricht optimal ergänzen, so Beat Jörg. «Und wenn das Pilotprojekt nach drei Jahren erfolgreich ausläuft, sei man auch von Kantonsseite bereit, die beiden Sparten voll in die Musikschule zu integrieren.»

Markus Meier: «Der Erfolg hat
 uns recht gegeben»

Ja, es sei anfangs eine Betteltour durch Uri gewesen, meint Markus Meier. «Der Erfolg hat uns recht gegeben.» Zahlreiche erfolgreiche Schüler sind aus der Musikschule hervorgegangen wie Lorenz Gamma, Geschwister Maria und Fränggi Gehrig, Michel Truniger, Lea Zieger, Christian Zgraggen, Patrick und Tino Horat. «Meine Vision wäre – um im Bild des Baums zu bleiben – dass wir den gesunden Stamm erhalten, aber die Äste weiter ausstrecken. Die Musikschule soll noch bunter und noch blühender werden, ohne den Fokus von Qualität zu verlieren.»

Weitere Vorstandsmitglieder; von links nach rechts: Kassier Oswald Walker, Agnes Frey, Annemarie German und Aktuar Edy Amacher. (Bild: PD)

Weitere Vorstandsmitglieder; von links nach rechts: Kassier Oswald Walker, Agnes Frey, Annemarie German und Aktuar Edy Amacher. (Bild: PD)