Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Tänzerin kommt von Kanada über London nach Uri

Die diplomierte Tänzerin Jeanine Dinger trat einst in grossen Musical-Produktionen auf internationalen Bühnen auf. Nicht nur der Liebe wegen hat sie nun im Kanton Uri Fuss gefasst.
Claudia Naujoks
Die 31-jährige Tänzerin Jeanine Dinger unterrichtet in Altdorf im «Pine» Yoga. (Bild: Florian Arnold, 11. März 2019)

Die 31-jährige Tänzerin Jeanine Dinger unterrichtet in Altdorf im «Pine» Yoga. (Bild: Florian Arnold, 11. März 2019)

Das «Pine» an der Attinghauserstrasse in Altdorf ist ein kleines, schmuckes Café. Die zusammengewürfelten Schmuckstücke erinnern an die Zeiten, als «Möbel Bär» hier noch seine Angebote ausstellte. Das Ambiente vermittelt Offenheit, Aufgeschlossenheit, Toleranz, Einladung, Gemeinsamkeit, Willkommensein.

Und das passt zu Jeanine Dinger, die neben Aline Bär und Nathalie Scheidegger zu den Mitbetreiberinnen des Lokals gehört. Dass sie Kaffee ausschenkt, ist aber nur eine Nebenbeschäftigung der 31-Jährigen. Denn zum «Pine» gehören auch Therapie- und Turnräume. In diesen unterrichtet die ausgebildete Tänzerin heute hauptsächlich Yoga. Daneben entwickelt sie Choreografien – so etwa für die Theatergruppe Eigägwächs und jüngst für das Musical «D’Chinderbrugg», das am Wochenende in Altdorf gezeigt wird.

Der Weg ist vorgezeichnet

Ihr sympathischer Akzent verrät es: Jeanine Dinger stammt nicht in Uri auf. Sie wächst in einer eher ländlichen Gegend in der Nähe der Metropole Toronto auf und durchläuft eine übliche Schullaufbahn. Solange sie sich erinnern kann, hätten sie und ihre dreieinhalb Jahre ältere Schwester schon immer leidenschaftlich gern getanzt. Da liegt es nahe, die Passion zum Beruf zu machen. Sie besucht die Highschool, studiert danach an der Universität für Theater und Tanz in Toronto und schliesst diese nach vier Jahren mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Bis hierher ist ihr Weg wie vorgezeichnet.

Ab jetzt allerdings sieht sie in eine ungewisse Zukunft, denn nun versucht die junge Frau, beruflich als selbstständige Tänzerin Fuss zu fassen. Dieses Unterfangen gestaltet sich schwieriger als gedacht. Sie kommt für rund anderthalb Jahre in einer Sambagruppe unter, die zahlreiche Castings durchlaufen muss, um das eine oder andere Engagement zu ergattern. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Schwester bereits in London und unterrichtet Kinder im Alter zwischen ein und vier Jahren in Tanzen. Da sie Unterstützung gebrauchen kann und die mühsame berufliche Situation ihrer kleinen Schwester beobachtet, lädt sie diese ein, zu ihr nach London zu kommen. Sie bietet ihr einen Job an, der ihr zumindest ein regelmässiges Einkommen zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten garantiert. Jeanine Dinger nimmt das Angebot an und übersiedelt nach London.

Grosse Chance ergibt sich schon bald

Aber sie hat auch einen Traum: Sie möchte zeigen, was sie kann – und es auf die grossen Bühnen der Stadt schaffen. Deshalb besucht sie parallel Castings in London und wird zu einigen TV-Shows wie X-Factor und Werbeauftritten für Adidas, Footlocker und den London Olympics eingeladen. Allerdings sind das nur kurze Projekte, aber ihre Geduld wird nicht lange auf die Probe gestellt. Bereits in ihrem zweiten Jahr in London erhält sie die grosse Chance: Sie wird für das weltberühmte Musical «Wicked – Die Hexen von Oz» engagiert.

Nach einem Jahr Tournee durch das United Kingdom – sie wäre eigentlich noch ein weiteres Jahr dazu verpflichtet gewesen – hat sie jedoch genug von der Reiserei. Ihr wird klar, dass das ständige Auf-Achse-Sein und Aus-dem-Koffer-Leben nichts für sie ist. Auch kann sie dem Leben, das von vielen Partys geprägt ist, nichts abgewinnen: «Das war mal eine schöne Erfahrung, aber auch zu viel für mich», erzählt sie. «Ich bin nicht direkt ein Gewohnheitstier, aber dieses unruhige Leben war nicht für mich.»

Fernbeziehung mit Urner entsteht

Parallel zu dieser Entwicklung schleicht sich ein Mann in Jeanine Dingers Leben: ein Urner. Sie lernt ihn in den Ferien 2010 kennen – eine Fernbeziehung beginnt, die sich über fünf Jahre erstrecken sollte. Die Tänzerin steht schliesslich vor einer schwierigen Entscheidung. Einerseits sind da die Möglichkeiten, welche die Weltmetropole London etwa mit einer Auswahl an Restaurants und zahlreichen kulturellen Angebote bereithält.

Andererseits sucht die Tänzerin nach ihrem richtigen Weg. Ihr wird klar, dass sie das hektische Grossstadtleben als anstrengend empfindet. Freundinnen trifft sie ohnehin nur selten, was jeweils mit zermürbenden Wegen verbunden ist. Ihr Leben ist geprägt von Mühen, über Castings zu Engagement zu gelangen. Es belastet sie immer mehr, bis sie nach zehn Jahren erkennt, dass dieser Beruf einfach nicht für sie ist. Deshalb übersiedelt sie nach Uri zu ihrer Liebe. «Ich habe realisiert, dass ich mit ihm zusammenleben wollte.»

Als Jeanine Dinger hier ankommt, ist es selbstverständlich für sie, dass sie Deutsch lernt und Kurse dafür besucht, denn sie möchte kommunizieren können. «Ich komme von aussen, ich muss mich anpassen.» Aber ein wenig wurmt sie die Tatsache, dass ihr Vater, ein Deutschstämmiger, der mit vier Jahren nach Kanada kam, bei ihnen zu Hause nicht mehr deutsch gesprochen hat. Mittlerweile ist sie sogar besser mit Mundart vertraut als mit Hochdeutsch. «Es lauft», sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre Augen leuchten, als sie erzählt, wie gern sie den Menschen hier beim Sprechen zuhört.

Schweizerdeutsch wird zur Gewohnheit

Inzwischen ist sie dreieinhalb Jahre hier in Altdorf und in dieser kurzen Zeit hat sie sich bereits ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut – sowohl beruflich, als auch privat. Sie ist Choreografin bei den Produktionen der Tanz-Theater-Gruppe Eigägwächs und Tanzlehrerin bei der Musikschule Uri. Unter «typisch Uri» darf man auch die Entstehungsgeschichte des «Pine» verbuchen, lief doch alles über persönliche Beziehungen ab.

Genau dies hat die 31-Jährige in London vermisst: Spontane Verabredungen im Freundeskreis, kurze Wege und ein stabiler Rahmen, in dem sie sich auch jetzt noch äusserst flexibel bewegt, vor allem was ihren Beruf betrifft. All das findet sie in Uri. Darüber hinaus resümiert sie:

«Dieser Beruf hier passt viel besser zu mir, denn wenn ich Yoga unterrichte, bin ich Jeanine und nicht in einer Rolle.»

Jeanine Dinger schätzt ihre beiden Partnerinnen im «Pine» sehr, vor allem ihre Offenheit und Experimentierfreudigkeit. Dieses «out of the box thinking» sei aussergewöhnlich, aber genau das, was sie sich selber für ihr Leben wünscht: offen für Neues zu sein und zu bleiben. «Und ich bringe den Canadian Style rein!» Sie schmunzelt. Als Ausländerin möchte sie in Uri so normal wie möglich leben. Gespannt sei sie auf die Zukunft, und offen für alle «opportunities».

Das «Pine» befindet sich an der Attinghauserstrasse 49 in Altdorf. Informationen unter www.pine-altdorf.ch. Tickets fürs Musical «D’Chinderbrugg» sind zu finden unter: www.theater-uri.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.