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Von Kurztunnel bis Pontonbrücke: Die Axen-Notlösungen auf dem Prüfstand

Für eine allfällige neuerliche Sperrung existieren diverse Ideen für Zwischenlösungen. Bei Experten stossen diese auf Skepsis.
Lucien Rahm
Zwischenlösung nach Steinschlag: Vor neun Jahren führte eine Pontonbrücke am Lopper vorbei. (Bild: Pius Amrein, Hergiswil, 31. März 2010)

Zwischenlösung nach Steinschlag: Vor neun Jahren führte eine Pontonbrücke am Lopper vorbei. (Bild: Pius Amrein, Hergiswil, 31. März 2010)

Über 4000 Unterschriften hat die Junge SVP diese Woche bei der Urner Standeskanzlei eingereicht. Mit ihrer Petition wollen die Jungpolitiker den Regierungsrat dazu veranlassen, beim Bund noch mehr Druck für das Projekt Neue Axenstrasse (PNA) zu machen. Ausserdem fordern sie die Regierung auf, die Umsetzung von Notlösungen für den Fall einer erneuten Sperrung der Strasse zu prüfen.

Nicht nur die Junge SVP: Urner Politiker aller Parteien forderten zuvor bereits während der letzten Sperrung, Notlösungen umzusetzen. Insbesondere, um den immer wieder von Steinschlägen und Murgängen betroffenen Abschnitt Gumpisch sicher durchfahren zu können, wurden Ideen wie eine Überdachung, ein Kurztunnel oder eine schwimmende Strasse im See genannt. Doch wie realistisch schätzen Experten die Vorschläge ein?

Zwar wäre die Errichtung einer Galerie aus baulicher Sicht relativ rasch umsetzbar. Aus rechtlicher jedoch weniger: Der Bau müsste, auch wenn als Notmassnahme bezeichnet, das reguläre Bewilligungsverfahren durchlaufen, sagt Thomas Vogel, Professor am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich. «Das ginge drei bis vier Jahre.» Zudem wäre eine Galerie kein absoluter Schutz vor Steinschlägen. «Je nach Blockgrösse nützt ein Dach nichts.» Die Betondecke, die in der Regel etwa einen halben Meter dick sei, könne von schweren Steinen durchbrochen werden.

2009 durchschlugen mehrere Gesteinsbrocken die Galerie beim Ölberg. (Bild: Bundesamt für Strassen, 23. Februar 2009)

2009 durchschlugen mehrere Gesteinsbrocken die Galerie beim Ölberg. (Bild: Bundesamt für Strassen, 23. Februar 2009)

Aus diesem Grund sieht das PNA vor, im Bereich Gumpisch dereinst eine Galerie mit einer 1,75 Meter dicken Betondecke zu errichten, wie Paul Gerber vom Tiefbauamt Schwyz sagt, der das Projekt leitet. Der Murgang, der zur vorletzten, mehrwöchigen Sperrung führte, wäre gemäss Gerber ohne Gefährdung der Axenstrasse über die Galerie abgeleitet worden. «Die Axenstrasse hätte mit dieser Galerie nicht gesperrt werden müssen.» Mit ihrer Dicke, welche jene von den anderen Galeriedächern entlang der Axenstrasse somit um einiges übersteigt, würde die vorgesehene Galerie auch Murgängen und Lawinen, die nur alle 300 Jahre vorkommen und Bergstürzen, die nur alle 100 Jahre passieren, standhalten können, so Gerber. Statt Notmassnahmen umzusetzen, solle man sich daher auf diese langfristige Lösung fokussieren.

Kurztunnel war damals innert zweier Monate bewilligt

Ein anderer Vorschlag für eine Zwischenlösung wäre jene eines kurzen Tunnels, bei der die heute freiliegende Strasse bei der Stelle Gumpisch durch den Berg umgeleitet würde. Dies hält Vogel für keine gute Idee. «Das würde sich definitiv mit dem geplanten Projekt ‹Neue Axenstrasse› beissen.» Denn auch bei diesem ist gemäss Planungsunterlagen beabsichtigt, im Gebiet Gumpisch einen Tunneleingang zu erbauen. Der Aufwand für einen Tunnel von kurzer Länge wäre ausserdem in diesem Fall nicht verhältnismässig, findet Vogel.

Paul Gerber, Gesamtleiter Neue Axenstrasse.

Paul Gerber, Gesamtleiter Neue Axenstrasse.

1992 sah das noch anders aus. Damals wurde die Axenstrasse wegen Felssturzgefahr am Ölberg für acht Monate gesperrt. In dieser Zeit baute man einen 260 Meter langen Tunnel, wie auf der Webseite des PNA festgehalten ist. «Damit konnte die Gefahrenstelle hinterfahren werden», sagt Gerber. Der Kurztunnel, der rund 35 Millionen Franken gekostet habe, ist heute Teil der Axenstrasse. Müsste ein solches Vorhaben heute ein mehrjähriges Bewilligungsverfahren durchlaufen, lagen damals zwischen Sperrung und Tunnelbaubeginn nur etwa zwei Monate. «Vor 30 Jahren war diese Strasse noch beim Kanton angesiedelt und das Bewilligungsverfahren war wesentlich schneller», sagt Gerber. Es habe dabei zudem lediglich eine Felsnase hinterfahren werden müssen, heute ginge es um ein ganzes Tal. «Das wäre wesentlich schwieriger, zumal in den Portalbereichen die bestehenden Tunnel Stutzegg und Gumpisch Süd liegen würden.»

Schwimmende Brücke am realistischsten

Eine weitere Idee, die in der Diskussion um Notlösungen genannt wurde, kam auf dem Vierwaldstättersee vor neun Jahren bereits einmal zum Einsatz: eine sogenannte Pontonbrücke. Als ein Steinschlag die Kantonsstrasse zwischen Hergiswil und Stansstad 2010 unbefahrbar machte, wurden die beiden Orte mit einer 500 Meter langen Schwimmbrücke miteinander verbunden. Das nach dreieinhalb Wochen erstellte Bauwerk, dessen Errichtung fast 5 Millionen Franken kostete, war ein Jahr lang in Betrieb.

Die Pontonbrücke bei Hergiswil. (Bild: Werner Rupp, 9. Mai 2010)

Die Pontonbrücke bei Hergiswil. (Bild: Werner Rupp, 9. Mai 2010)

Eine solche Pontonbrücke hält Professor Thomas Vogel noch am ehesten für umsetzbar. Eine Fahrbahn, die sich auf Schwimmkörpern befindet, müsste hierbei via See am Bereich Gumpisch vorbeiführen. «Die Frage wäre einfach, wie man von der Strasse an den See kommt.» Da die Axenstrasse einiges höher liegt als das Seeufer, wären Rampen zu erstellen, um die schwimmende Brücke erreichen zu können. Dies sowie auch Miete und Unterhalt der Brücke wären mit Kosten verbunden, deren Verhältnismässigkeit je nach Nutzungsdauer fraglich wäre, so Vogel.

Benno Schmid, Mediensprecher Bundesamt für Strassen. (Bild: PD)

Benno Schmid, Mediensprecher Bundesamt für Strassen. (Bild: PD)

Von baulichen Notmassnahmen hält auch das Bundesamt für Strassen (Astra) nichts, das für die Axenstrasse zuständig ist. In der Planung der «Neuen Axenstrasse» sei man bereits relativ weit, daher wolle man sich auf das langfristig angelegte Projekt konzentrieren, sagt Astra-Sprecher Benno Schmid. «Bei einer neuerlichen Schliessung bauliche Notmassnahmen umzusetzen, würde die aktuelle Planung wiederum verzögern.» Schwierigkeiten sieht Schmid ebenso bei den diskutierten Notlösungen zu Wasser. «Bei einer Pontonbrücke wäre zu klären, wie sicher diese vor Steinschlägen ist.» Die Einrichtung eines umfassenden Fährbetriebs berge ebenfalls «viele offene Fragen». Zu klären wäre hierbei, woher man die Fähren nähme und in welchem Umfang sie zum Einsatz kämen. Klar ist für Schmid: «Das Verkehrsvolumen der Axenstrasse wäre mit einem Fährbetrieb niemals zu bewältigen.»

Thomas Vogel, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Geomatik an der ETH Zürich. (Bild: PD)

Thomas Vogel, Vorsteher des Departements Bau, Umwelt und Geomatik an der ETH Zürich. (Bild: PD)

Auch Professor Thomas Vogel ist der Ansicht, dass man sich auf das derzeit geplante Projekt fokussieren sollte. Bis dahin müsse man wohl einfach mit gelegentlichen Strassenschliessungen leben. Immerhin beabsichtigt das Astra aktuell, das Bachbett, das unter der Gumpischbrücke hindurchführt, mit einem Ablenkdamm zu versehen und weitere Schutznetze zu installieren. So soll die Gumpischbrücke vor Murgängen besser geschützt werden.

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