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Kolumne

Von Löchern und Lücken

Josef Arnold-Luzzani äussert sich in seiner Kolumne zum Auftreten von Löchern und Lücken in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft - von Löchern in der Hose bis zu einer Zahnlücke.
Josef Arnold-Luzzani
Josef Arnold-Luzzani

Josef Arnold-Luzzani

Löcher in den Hosen wiesen früher auf hausfraulicher Nachlässigkeit hin. Wenn heute löchrige Jeans getragen werden, gilt dies nicht mehr als nachlässig, sondern vielmehr als lässig. Vielleicht schwingt bei dieser modischen Nachlässigkeit auch eine unterschwellige Tendenz zur Aufmüpfigkeit gegenüber dem heute schwelenden Perfektions- und Ordnungswahn mit.

Gelochte Hosen können somit eine gewisse Bereitschaft zum gesellschaftlichen Widerstand signalisieren. Löcher in den Hosen vermitteln aber auch Einblick in die darunter liegenden Beine, werden zum Symbol für die heute so viel beschworene Transparenz und stellen eine Stichprobe dar für die erotische Qualität der unteren Extremitäten.

Viele Löcher pflegt man entgegen dem Modetrend auch heute noch zusammenzunähen. Diese Tätigkeit besteht bekanntlich darin, die voneinander abweichenden Stoffränder einander anzunähern. Das hat den Nachteil, dass die Schönheit der darunter liegenden Schenkel zugedeckt wird.

In der Amtssprache würde das heissen: Das Zugedeckte fällt unter das anatomische Datenschutzgesetz. In der Politik nennt man das «Zusammenschnurpfen» von rechten und linken Rändern, eine Konkordanz herstellen. Das Ergebnis des Politisierens bleibe immer lückenhaft, behaupten lockere Zungen.

Der Vollständigkeit halber sei noch beigefügt, was Lücken, beziehungsweise Löcher überhaupt sind: Löcher sind ein Nichts innerhalb eines Etwas, und wenn sich dieses Nichts zum Beispiel in einer Zahnreihe befindet, bezeichnet man es als Lücke.

Kürzlich wurde sogar die Zahnstellung einer Bundesratskandidatin journalistisch abgehandelt und die darin enthaltene Lücke interpretiert: Die Kandidatin habe eine Lücke zwischen den Zähnen, und tiefgründig wurde dieses optische Sonderstellungsmerkmal interpretiert als Symbol für berglerische Bescheidenheit oder Mut zur Unvollkommenheit. Das ist ein schönes Kompliment, aber etwas fehlt darüber hinaus noch. Uri stellte noch nie einen Bundesrat oder eine Bundesrätin. Das ist eine Lücke, die noch zu schliessen wäre.

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