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Von Radarkontrollen und 180-Grad-Kehrtwenden

Redaktionsleiter Bruno Arnold zur neuen Tempo-30-Zone in Bürglen.
Bruno Arnold, Redaktionsleiter
Bruno Arnold

Bruno Arnold

«Achtung: Radar in der Tempo-30-Zone in Bürglen!» Diese Mitteilung machte gestern Freitag in den sozialen Medien die Runde. Dies geschah in Windeseile, nur wenige Stunden, nachdem der Ärger über die Montage der Tafeln und über die weisse Beschriftung auf der Strasse abgeflaut war. Am Stammtisch zweifelte kaum einer am Wahrheitsgehalt. Über die Radarmeldung wurde heftig diskutiert – und gleichzeitig wieder mal so richtig über die Polizei gewettert. «Das habe ich erwartet!» «Haben die eigentlich am Karfreitag nichts Gescheiteres zu tun?» «Das ist der Gipfel, eine absolute Frechheit!» So tönte es. Und ein paar Dutzend Mal musste ich mir sagen lassen: «Das müäsch jätz aber sofort i Zittig tüä!»

Ich gebe zu: Für einmal kam mir diese (abgedroschene) Aufforderung gelegen, weil ich als «Ä-so-gsee»-Autor an der Reihe und noch immer auf der Suche nach einem aktuellen Thema war. «Ich werde das mit dem Radar umgehend abklären», sagte ich und zückte mein iPhone. Dafür hat man es ja schliesslich, oder ... Pikettoffizier Oliver Schürch, seines Zeichens Chef der Urner Bereitschafts- und Verkehrspolizei, wusste nichts von einer Radarkontrolle in der Bürgler Tempo-30-Zone. Er wollte eine solche aber auch nicht grundsätzlich ausschliessen und den Sachverhalt daher «sicherheitshalber» intern abklären. Schon kurze Zeit später konnte er allerdings «Entwarnung» geben: «Herr Arnold: Fake News!», lautete seine Antwort auf meine Frage.

Zurück in der Runde, sorgte ich mit meiner «Aufklärung» über die Falschmeldung für erstaunliche Reaktionen:«Das habe ich erwartet!» «Die haben am Karfreitag sicher Gescheiteres zu tun!» Oder: «Das wäre ja der Gipfel und eine absolute Frechheit gewesen!» tönte es nun. Gleichzeitig begann aber auch eine Diskussion über Fake News. «Ihr von den Medien seid schuld, wenn solcher Unsinn verbreitet wird!» musste ich mir anhören – obwohl weder auf der Online-Ausgabe unserer Zeitung etwas über die vermeintliche Kontrolle zu lesen geschweige denn zum Erscheinen in der gedruckten Ausgabe geplant war ...

In deutlich versöhnlicherem Tonfall wurde dann über die Entstehung von Gerüchten philosophiert und darüber, dass wohl schon jeder einmal der Verbreiter von unbestätigten oder falschen Nachrichten gewesen sein dürfte. Man fragte sich, ob die Radarmeldung nun in «manipulativer Absicht» entstanden sei oder, ob die Verbreiter ganz einfach den Wahrheitsgehalt nicht geprüft hätten. Fast schon philosophisch fachsimpelte man über den Begriff Wahrheit und auch darüber, dass es ganz einfach nicht fair sei, jemanden durch die ungefilterte Weiterverbreitung von nicht gesicherten Nachrichten in Verruf zu bringen und ihm damit zu schaden. Von Schimpftiraden über die Polizei war keine Rede mehr. Die Meinungen erfuhren sogar eine 180-Grad-Kehrtwende, wie man sie sonst höchstens beim Bundesamt für Kultur erleben kann, wenn es um den Einbau von seeseitigen Fenstern geht. Womit die Diskussion zum nächsten Thema lanciert war: Statt um Fake News ging es nun um Filz, «Häfeli-Teckeli», Bestechlichkeit und um überhebliche und äusserst vergessliche Politiker.

Bruno Arnold, Redaktionsleiter

bruno.arnold@urnerzeitung.ch

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