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VORSTOSS: SVP will dem Wolf nicht mehr länger «tatenlos» zusehen

Der Landrat will das Thema Wolf nicht mehr auf die lange Bank schieben. Die Regierung muss Antworten liefern – innert fünf Tagen.
Bruno Arnold
Der SVP-Vorstoss verlangt unter anderem wolfsfreie Zonen im Kanton. (Symbolbild Keystone)

Der SVP-Vorstoss verlangt unter anderem wolfsfreie Zonen im Kanton. (Symbolbild Keystone)

Die SVP-Fraktion des Urner Landrats macht sich aufgrund der jüngsten Wolfsrisse in Isenthal grosse Sorgen. Und sie will handeln: Der Wolf soll nicht mehr länger als geschützte Tierart gelten sowie gejagt werden dürfen. Anton Infanger, Bauen, hat gestern eine entsprechende Interpellation mit verschiedenen Fragen eingereicht (siehe Box).

Tourismus oder Wolf?

«Bereits vor der Alpfahrt hat der Wolf zugeschlagen», erklärte Infanger. «Wahllos hat er Schafe gerissen, und meist tut er dies aus blosser Lust am Töten.» Nicht nur für die Kantone Wallis und Graubünden, sondern auch für Uri stelle sich immer mehr die Frage: «Wollen wir eine intakte Land- und Alpwirtschaft und den Tourismus, oder wollen wir den Wolf?» Die SVP sei nicht mehr bereit, dieser Tierquälerei tatenlos zuzusehen. «Obschon wir mit Nahrungsmitteln gut ‹eingedeckt› sind, ist das Schaf immer noch ein Nutztier, das klar Priorität hat und das es zu schützen gilt», so der Erstunterzeichner. Der Wolf sei in den letzten Wochen nicht nur im Berggebiet, sondern auch in der Nähe von Siedlungsgebieten gesichtet worden.

Wie bereits 2015 stelle das Raubtier auch jetzt wieder eine grosse Gefahr für einen Teil der Alp- und Berglandwirtschaft dar. Der Sommer 2015 habe gezeigt, dass der Herdenschutz in gewissen Alpgebieten aus topografischen Gründen nur schwer oder gar nicht umsetzbar sei. Auch bestehe die Gefahr, dass sich die Massnahmen wie etwa Herdenschutzhunde oder dauerhafte Einzäunung negativ auf den Tourismus und das Wild auswirkten. Nicht selten komme es zu Angriffen von Herdenschutzhunden auf Wanderer. Zudem würde die dauerhafte grossflächige Einzäunung von Schafherden den Wildwechsel beträchtlich beeinflussen. «Hirsche, Rehe und Gämswild beziehen ihre Nahrung zu 70 bis 80 Prozent von diesen Wiesen», sagte Infanger. «Wird ihnen diese entzogen, holen sie ihre Nahrung halt vom Jungwald.»

Und schliesslich seien Präventionsmassnahmen zum Herdenschutz relativ kostspielig. Das hätten die im Sommer 2015 angefallenen Kosten von rund 67 000 Franken gezeigt. Komme hinzu, dass der Bund bezüglich Kostenübernahme künftig vermutlich weniger kulant sein werde. «Mittelfristig besteht eine grosse Gefahr, dass ein Teil der Urner Schafalpen nicht mehr bestossen wird», erklärte Infanger. «Tritt dies ein, ist längst nicht mehr nur die Alp- und Landwirtschaft betroffen.»

Vorstoss wird dringlich erklärt

Die Interpellation wurde mit 32 zu 27 Stimmen bei 1 Enthaltung dringlich erklärt. Das heisst: Der Regierungsrat muss die Antworten innert fünf Arbeitstagen liefern – gegen den Willen von Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti. Dieser hatte den Rat aufgefordert, auf eine Dringlicherklärung zu verzichten. In der neuen Zusammensetzung habe der Regierungsrat das Thema Wolf noch nicht thematisiert. Und um sachlich ausgewogene, qualitativ überzeugende und seriöse Antworten liefern zu können, brauche die Exekutive mehr Zeit.

Moretti versprach, die Interpellationsantwort für die Session vom 31. August zu traktandieren. Das reiche aus, zumal das Parlament in Bern das Thema erst im September behandeln werde. Doch die Mehrheit des Rats wollte nicht zuwarten. «Der Wolf ist in Uri seit Monaten ein Problem», sagte Max Baumann (SVP, Spiringen). «Wir dürfen dieses Thema nicht weiter auf die lange Bank schieben. Wunder können wir zwar nicht bewirken, aber mit der Dringlicherklärung erhält die Regierung den klaren Auftrag, nicht mehr länger zu warten und etwas zu tun», so Baumann. Unterstützung erhielt er von seinen Fraktionskollegen Alois Arnold-Fassbind und Christian Arnold: Mit der Dringlicherklärung setze man ein Zeichen, dass Uri nicht länger zuschauen wolle. Und gleichzeitig sende der Landrat ein Signal nach Bern, dass Uri erwarte, dass in dieser Sache etwas geschehe.

Fraktion hat konkrete Fragen

Der Grosse Rat des Kantons Wallis hat die Bundesversammlung mit einer Standesinitiative ersucht, zum Thema Wolf zu handeln. Am 24. Mai hat die Umweltkommission des Nationalrates knapp entschieden, den Wolf nicht mehr als geschützte Art einzustufen und somit dessen Jagd zu erlauben. In diesem Zusammenhang stellt Anton Infanger, Bauen, namens der SVP in einer Interpellation die folgenden Fragen:

Ist der Regierungsrat bereit, sich auf nationaler Ebene im Sinne der Standesinitiative aus dem Kanton Wallis so rasch wie möglich starkzumachen und damit dem Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen?

Ist der Regierungsrat gleichzeitig bereit, auch beim Bundesrat vorstellig zu werden und diesen zu ersuchen, die schweizerische Jagdgesetzgebung dahingehend abzuändern, dass der Wolf gejagt werden darf?

Teilt der Regierungsrat die Meinung, dass auf vielen Urner Schafalpen ein vollständiger Schutz vor Wolfsschäden nicht möglich ist, dass damit die Soll-Risszahl für einen Abschuss schwierig zu erreichen ist und damit nach unten korrigiert werden sollte?

Ist der Regierungsrat bereit, sich beim Bundesrat mit aller Kraft für eine Überarbeitung des Wolfskonzepts einzusetzen?

Ist die Regierung bereit, sich für «wolfsfreie Zonen» im Kanton Uri starkzumachen, falls die Standesinitiative aus dem Kanton Wallis im nationalen Parlament nicht durchkommen sollte?

Bruno Arnold

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