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WAHL: Josef Dittli: «Die Kantone sollen das Geld von Swisslos nicht horten»

Josef Dittli ist der neue Verwaltungsratspräsident von Swisslos. Die grösste Herausforderung ist für ihn das neue Geldspielgesetz. Als Ständerat kann er dabei selber mitreden.
«Das Geld muss in jedem Fall gemeinnützig eingesetzt werden.» Josef Dittli, Präsident Swisslos (Bild: PD)

«Das Geld muss in jedem Fall gemeinnützig eingesetzt werden.» Josef Dittli, Präsident Swisslos (Bild: PD)

Josef Dittli, Sie sind seit Freitag neuer Verwaltungsratspräsident von Swisslos. Spielen Sie selber Lotto?

Josef Dittli: Höchst selten. Ich habe kein Glück bei solchen Sachen. Weil ich sonst so viel Glück im Leben hatte, wäre es vermessen, das auch noch im Lotto zu erwarten (lacht). Ich freue mich, nun Verwaltungsratspräsident eines so erfolgreichen Unternehmens zu sein, das ist eine tolle Aufgabe.

Was werden Ihre Aufgaben sein?

Dittli: Einerseits führe ich den Verwaltungsrat als strategisches Gremium von Swisslos, andererseits leite ich zweimal im Jahr die Genossenschaftsversammlung. Swisslos ist eine Genossenschaft der Deutschschweizer Kantone und des Kantons Tessin. Ich stehe in regelmässigem Kontakt mit dem Direktor von Swisslos und bleibe über die wichtigsten Angelegenheiten im Bild. Dazu kommen repräsentative Aufgaben.

Sie sagten, Sie seien als Ständerat und Präsident von Stiftungen ausgelastet. Mit welchem Zusatzaufwand rechnen Sie?

Dittli: Das dürften vielleicht drei bis vier Tage im Monat sein. Als Ständerat bin ich etwa zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet. Das Amt als Verwaltungsratspräsident hat eine politische Komponente, was sich ideal mit dem Ständeratsmandat verträgt.

Bei Swisslos denken die meisten einfach ans Lottospielen. Was macht die Genossenschaft genau?

Dittli: Wir bieten Lotterien, Sportwetten und Lose an, in Papierform wie auch online. Bei den Lotterien ist Swisslotto unser traditionelles klassisches Produkt, heute bringt uns aber Euro Millions noch mehr ein. Bei den Sportwetten gibt es Angebote von Fussballmatches bis zu Pferderennen. Dazu kommt der ganze Bereich des Losverkaufs. Am bekanntesten sind wohl das Millionenlos und das «Happy Day»-Los.

Was geschieht mit den Einnahmen aus den Geldspielen?

Dittli: Ein Teil des verbleibenden Spielertrags wird für Verkauf, Werbung und Betrieb benötigt. Was übrig bleibt – rund zwei Drittel des Bruttospielertrags – ist Reingewinn. Das Gros davon wird anteilmässig auf die Kantone verteilt. Der Kanton Uri erhielt zum Beispiel in den letzten Jahren jeweils zwischen 1,9 und 2 Millionen Franken. Im Kanton fliessen die Gelder in den Lotteriefonds und in den Sportfonds. Damit werden Kulturveranstaltungen, Sportinfrastrukturen und -anlässe sowie soziale Projekte finanziert. Das Geld muss in jedem Fall gemeinnützig eingesetzt werden.

Haben Sie als Verwaltungsratspräsident Einfluss auf die Verteilung?

Dittli: Nein. Die Verteilung funktioniert nach einer mathematischen Formel, die der Genossenschaftsrat bestimmt. Diese kann man aber nicht einfach willkürlich verändern. Als Mitglied des Gesamtregierungsrats hatte ich mit der Verteilung der Gelder zu tun – und zwar für Beträge bis 1000 Franken. Als Sicherheitsdirektor war ich zudem politisch für das Lotteriewesen verantwortlich. Auch war ich bisher der delegierte Regierungsrat des Kantons Uri im Genossenschaftsrat von Swisslos. Diese Aufgabe wird nun ein anderes Regierungsratsmitglied übernehmen.

Welche Herausforderungen erwarten Sie als Verwaltungsratspräsident?

Dittli: Im Moment ist die grosse Herausforderung sicher das neue Geldspielgesetz, das gerade in den eidgenössischen Räten in Bern beraten wird. Es gibt da ein paar Risiken. Wenn etwa illegale Onlineanbieter aus dem Ausland nicht ausgeschlossen werden, wandert ein Teil der gesamten Geldspieleinnahmen quasi ins Ausland ab. Diese Gelder können dann nicht mehr für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden. Daran haben wir natürlich kein Interesse. Allgemein hat die politische Bedeutung des Amts in den letzten Jahren stark zugenommen. Das ist nicht zuletzt auch ein Grund, warum man mich als Verwaltungsratspräsident gewählt hat. Als aktiver Ständerat bin ich direkt an der Schnittstelle zur Politik.

Bestehen da Interessenkonflikte?

Dittli: Nein, Swisslos ist ja ein Unternehmen der Kantone. Es gehört aber zu den Spielregeln, dass man seine Interessenbindungen aufzeigt. Das Geldspielgesetz wird in der Sommersession im Ständerat behandelt. Wenn ich mich mit einem Votum oder einem Antrag einbringe, werde ich offenlegen, dass ich Verwaltungsratspräsident von Swisslos bin.

Steht hinter Ihrer Wahl die Hoffnung, dass Sie möglichst positiv auf die Beratung des Geldspielgesetzes einwirken können?

Dittli: Das mag sein. Es ist aber reiner Zufall, dass das Geldspielgesetz gerade jetzt im Parlament ist. Ich wäre auch ohne das Geldspielgesetz als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen worden. Doch es ist natürlich ideal, dass ich als Ständerat und – bald ehemaliger – Regierungsrat weiss, wie die Kantone funktionieren, und dass ich gleichzeitig auf Bundesebene an der Diskussion teilnehmen kann. Das ist nicht nur bei Swisslos nützlich, sondern auch im Ständerat, wo ich Informationen einbringen kann, die andere so nicht haben.

Welche Ziele haben Sie?

Dittli: In den nächsten Jahren wollen wir die Umsätze und die Gewinnausschüttungen steigern. Die Prinzipien der Gemeinnützigkeit sollen eingehalten werden. Die Kantone sollen das Geld aber nicht horten. Zudem ist es mir ein Anliegen, dass die Spielsuchtprävention gelebt wird, die man aber nicht übertreiben soll.

Dann kann es auch zu viel Prävention geben?

Dittli: Es wäre falsch, nichts zu machen. Deshalb finanzieren wir schon heute die Präventionsmassnahmen der Kantone mit einem halben Prozent der Spielerträge. Doch es gibt nicht zuletzt auch aus den Diskussionen zum neuen Geldspielgesetz Bestrebungen, nach denen neue bürokratische Expertengremien eingesetzt werden sollen. Man sollte es nicht übertreiben mit überbordenden Regulierungen in einem Bereich wie dem Lotteriewesen, in dem das Suchtpotenzial klein ist. Und wir möchten auch nicht als Milchkuh herhalten für die Prävention in anderen Suchtbereichen.

Wie werden Sie für Ihre Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident entlöhnt?

Dittli: Die Entlöhnung ist angemessen, aber nicht zu vergleichen mit dem, was in internationalen Grossbetrieben oder im Bankenwesen vorkommt. Swisslos ist faktisch eine öffentliche Institution.

Interview Franziska Herger

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