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WAHL: Urner Landammann-Wahl: Nur Urban Camenzind kann feiern

Ein historischer Moment für den Kanton Uri: Bei der Wahl um den Urner Landammann hat niemand das absolute Mehr erreicht. Deutlich gewählt wurde Urban Camenzind als Landesstatthalter – doch er wird auch als Kandidat für den zweiten Wahlgang gehandelt.
Florian Arnold und Bruno Arnold
Der amtierende Landammann Beat Jörg (links) gratuliert Urban Camenzind zur Wahl zum Landesstatthalter. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

Der amtierende Landammann Beat Jörg (links) gratuliert Urban Camenzind zur Wahl zum Landesstatthalter. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

Florian Arnold und Bruno Arnold

redaktion@urnerzeitung.ch

Erst zum zweiten Mal seit 1888 ist im Kanton Uri eine als Landammann vorgeschlagene Person nicht gewählt worden. Fast 60 Jahre nach Peter Tresch (FDP, Silenen) musste gestern Barbara Bär (FDP, Altdorf) diese Schmach erdulden – obwohl sie an den jeweiligen Parteitagen aufgrund des Anciennitätsprinzips die offizielle Unterstützung der FDP, der CVP und der SP Uri zugesichert bekommen hatte. Die SVP hatte sich hingegen ohne Gegenstimme für Roger Nager ausgesprochen. «Als Landammann steht man der Regierung vor und muss bei Krisen die Führung übernehmen und professionell kommunizieren. Beide Qualitäten bringt Barbara Bär nicht mit», so die SVP Uri.

Mit 3728 Stimmen lag die amtierende Statthalterin am Sonntag um 18 Voten ­hinter ihrem Parteikollegen Roger Nager zurück. Dieser erhielt 46,8 Prozent der gültigen Stimmen, Barbara Bär 46,6 Prozent. 6,6 Prozent der gültigen Wahlzettel enthielten den Namen eines andern Regierungsrats. «Ich freue mich über die erhaltenen Stimmen und danke der Urner Bevölkerung dafür», sagte Barbara Bär am Sonntag im Rathaus. Trotzdem muss das Resultat auch als Misstrauensvotum gewertet werden. «Als ich 2012 mein Amt als Direktionsvorsteherin antrat, habe ich Aufgaben übernommen, die eine grosse Herausforderung darstellen – mit Themen, die bewegen», so Bärs Erklärung. Ihr sei es aber auch gelungen, wichtige Themen wie etwa den Um- und Neubau des Kantonsspitals voranzutreiben. «Ich bemühe mich nach bestem Wissen und Gewissen, nach den Interessen des Urner Volks zu handeln.» Dies wolle sie auch noch für den Rest der Amtsdauer bis 2020 machen. In den nächsten Tagen will sie mit dem Regierungskollegium und ihrer Partei das weitere Vorgehen besprechen.

«Für Barbara Bär tut es mir leid»

Roger Nager gab sich gestern überrascht. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Stimmen erhalten würde.» Gar mit einer Wahl zu rechnen, sei für ihn nie ein Thema gewesen, dementsprechend habe er auch sein Sonntagsprogramm nicht auf die Politik ausgerichtet, wie er am Telefon erklärte. «Die vielen Stimmen ehren mich als Regierungsrat, es tut mir aber auch leid für die offizielle Kandidatin.» In Sachen zweiter Wahlgang hält Nager an seinen Aussagen fest, dass das Amt für ihn eine grosse Herausforderung darstellen würde, zumal er eine grosse Direktion mit aufwendigen Geschäften führe.

Die SVP Uri sieht sich nach diesen Wahlen zwar nicht als Siegerin, wie SVP-Parteipräsident Pascal Blöchlinger auf Anfrage erklärte. «Das Resultat zeigt aber, dass die Bevölkerung unsere Bedenken teilt», so der SVP-Präsident. «Sieger ist der Kanton Uri dann, wenn er einen guten Landammann hat, der kommunikativ stark ist.» Nachdem die SVP seit den Wahlen 2016 nicht mehr in der Urner Regierung vertreten ist, kündete sie an, verstärkt Oppositionspolitik zu betreiben. «Wir waren in dieser Wahl sicher freier als andere Parteien», so Blöchlinger. «Ich erwarte aber von allen Parteien eine kritische Politik, die den Finger auf unangenehme Stellen hält.»

Sebastian Züst, Mitglied der SP-Uri-Geschäftsleitung, bezeichnet das Vorgehen der SVP als «clevere Kampagne». «Sie zielt mit Sicherheit auf die nächsten Regierungsratswahlen ab, indem der Sitz von Barbara Bär angegriffen wird», so die Einschätzung von Sebastian Züst. «Für mich war es der falsche Zeitpunkt, um über die Regierungskompetenz von einzelnen Personen zu sprechen. Dafür sind die Gesamterneuerungswahlen da.» Das Prinzip der Anciennität sieht Züst nicht als hinfällig an. «Sofern Anciennität das Kriterium sein soll, dann wäre nach Barbara Bärs Ausscheiden Urban Camenzind an der Reihe. Diese Entscheidung müssen aber FDP und CVP unter sich ausmachen.»

Urban Camenzind für den zweiten Wahlgang zu portieren, schliesst CVP-Parteipräsident Flavio Gisler nicht aus. «Wir versuchen aber auf freundschaftlichem Weg, mit den anderen Parteien eine Lösung zu finden. Mit einer Kampfwahl Unruhen in die Regierung zu bringen, wäre aus unserer Sicht falsch.» So will die CVP zuerst den Entscheid der FDP abwarten. Und dieser wird in den kommenden Tagen fallen. «Nachdem sich die Emotionen etwas beruhigt haben, werden wir uns mit unseren Kandidaten zusammensetzen», sagt FDP-Parteipräsident Matthias Steinegger. «Heute, Sonntagabend, werden wir aber bereits eine erste Analyse machen», sagte er gestern. Die Anciennität sieht er nicht grundsätzlich in Gefahr. «Sie ist einfach nicht in jedem Fall gegeben. Hier wurde klar auf den Mann respektive die Frau gespielt und nicht auf die Partei.»

Camenzind von 85,9 Prozent gewählt

Unbestritten verlief die Wahl des Landesstatthalters. Urban Camenzind erreichte in allen Gemeinden das absolute Mehr und erhielt 85,9 Prozent der gültigen Stimmen. Auf Vereinzelte entfielen 14,1 Prozent. Nicht zur Berechnung des absoluten Mehrs beigezogen werden, konnten 16,3 Prozent leere und 2,8 Prozent ungültige Wahlzettel.

«Ich bin sehr zu frieden mit dem Resultat», sagte Urban Camenzind gestern im Rathaus in Altdorf. «Die Unterstützung freut mich. Sie ist Dank und Bestätigung für die Arbeit, die ich in den vergangenen sechs Jahren gemacht habe», so der Volkswirtschaftsdirektor. Zur Landammannwahl äusserte sich Camenzind wie folgt: «Die Regierung steht hinter dem Anciennitätsprinzip und möchte dieses auch nicht hinterfragen.» Ebenso, ob er für einen zweiten Wahlgang als Landammann-Kandidat zur Verfügung stehe, beantwortete er eher zurückhaltend: «Wir warten den Entscheid der FDP ab und werden anhand dessen weitere Schritte beschliessen.»

Regierungsrätin Barbara Bär nimmt Gratulationen von Landammann Beat Jörg entgegen. (Bild:Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

Regierungsrätin Barbara Bär nimmt Gratulationen von Landammann Beat Jörg entgegen. (Bild:Urs Hanhart (Altdorf, 4. März 2018))

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