WAHLEN: Urs Janett: «Politik ist meine Passion»

Urs Janett sieht sich als Brückenbauer und als Mann mit einem Netzwerk, das Uri nutzen könnte. Er ist bereit, auf vieles zu verzichten, um Regierungsrat zu werden.

Bruno Arnold
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Urs Janett am 18. Januar im verschneiten Altdorfer Wald: «Hier bin ich auch gerne mit meiner Familie unterwegs.» (Bild Urs Hanhart)

Urs Janett am 18. Januar im verschneiten Altdorfer Wald: «Hier bin ich auch gerne mit meiner Familie unterwegs.» (Bild Urs Hanhart)

Urs Janett ist mit seinen knapp 40 Jahren ein Mann mit einem beeindruckenden Leistungsausweis. Er hat in Bern und Cardiff Rechtswissenschaften studiert, Zertifikatslehrgänge in Krisenkommunikation und Public Management absolviert, im In- und Ausland Erfahrungen im Bereich Personal- und Kaderselektion gesammelt. Der Altdorfer Jurist war als Leiter Recht und Personal bei der Baudirektion Uri und als Sekretär der Sicherheitsdirektion Uri tätig. Als Oberstleutnant unterstützt er den Bundesrat als Stabschef bei Einsätzen zur Bewältigung von besonderen und ausserordentlichen Lagen. Seit 2015 leitet Urs Janett das rund 120 Mitarbeiter zählende Generalsekretariat des Bundesverwaltungsgerichts in St. Gallen.

«Politik ist meine Passion»

Und ein Mann mit derartigen Qualitäten ist bereit, auf eine bereits lancierte erfolgreiche berufliche Karriere auf nationalem Parkett sowie auf einen prestigeträchtigen und nicht zuletzt finanziell deutlich besser dotierten Job zu verzichten, um Regierungsrat des Kantons Uri zu werden? «Ja», sagt Janett. «Politik ist meine Passion, den Schritt in die Urner Exekutive wollte ich immer machen.» Planen könne man die entsprechende Chance oder den konkreten Zeitpunkt natürlich nicht. Er wolle jedoch nicht verhehlen, dass ihm die aktuelle Tätigkeit in St. Gallen nun helfe, nicht mehr als Mitarbeiter der Verwaltung des Kantons Uri für den Regierungsrat kandidieren zu müssen. «Als Direktionssekretär wäre meine Ausgangslage bestimmt schwieriger gewesen», ist Janett überzeugt. Um sofort zu ergänzen: «Dass ich diese Funktion innehatte, hilft mir jetzt auch. Ich habe Erfahrungen und Vorwissen sammeln können und weiss nun beispielsweise genau, wie ein Regierungsantrag zu Stande kommt oder was es braucht, bis ein Landratsgeschäft reif ist.»

«Eine Herzensangelegenheit»

«Ich bin der Exekutivpolitiker, denn ich setze mich gerne für die Gesellschaft ein, indem ich mitgestalte», sagt Janett. Zudem sei er überzeugt, die nötige Lebenserfahrung und Bodenhaftung zu besitzen, die es für das Amt eines Regierungsrats brauche. «Jetzt ist der beste Moment für eine Kandidatur, auch wenn mir der Job in St. Gallen gefällt.» Für Janett wäre die mit einer Wahl verbundene berufliche Rückkehr nach Uri «eine Herzensangelegenheit». Der FDP-Mann betont: «Ich bin durch und durch Urner, lebe gerne hier und engagiere mich nicht nur politisch und beruflich, sondern auch in anderen Funktionen für den Kanton Uri, so zum Beispiel als Verwaltungsrat des EWA und der Schwimmbadgenossenschaft Altdorf.» Grundsätzlich spüre er «eine extrem starke Triebfeder» in sich. «Ich will einfach immer etwas anpacken, umsetzen und zu Ende bringen.»

Spricht man mit politischen und beruflichen Wegbegleitern, so wird Urs Janett als Person bezeichnet, die Zusammenhänge blitzschnell erfasst, vernetzt denkt und äusserst effizient arbeitet. Er könne Ruhe einbringen, aber auch den nötigen Druck aufsetzen, wenn dies nötig sei. Und er tue dies jeweils, ohne das Gesamte aus den Augen zu verlieren.

«Ich bin ein Politiker, der tragfähige und nachhaltige Lösungen finden will, hinter denen alle beteiligten Parteien stehen können», beschreibt Janett sich selber. «Ich bin ein Brückenbauer, der lieber die Chancen und nicht unbedingt die Probleme sieht.» Und ganz bestimmt sei er keine Windfahne: «Ich weiss, was ich will, stehe zu meiner Meinung, bin unerschrocken und habe vor niemandem Angst – höchstens Respekt. Deshalb bin ich fähig, auch ‹heissi Härdepfu› anzufassen», betont der aktuelle Altdorfer Gemeinderat.

Integration als Herausforderung

Angesprochen auf die grössten Herausforderungen, die auf Uri warten, meint Janett: «Wir müssen global denken und dürfen nicht glauben, Uri sei anders als alles andere respektive eine heile Welt. Die Probleme, welche die Schweiz heute kennt, werden auch auf Uri zurückschlagen.» Er spricht damit konkret die Flüchtlingsproblematik an: «Ich meine nicht einfach die Aufnahme oder Unterbringung von Flüchtlingen, sondern vor allem deren Integration. Das wird uns in Zukunft beschäftigen – neben hauseigenen ‹Problemen› wie etwa die Kantonsfinanzen, die Zukunft des Armeestandorts Andermatt, aber auch Themen wie Neat, WOV oder Entwicklungsschwerpunkt Urner Talboden.

In einem Leserbrief war kürzlich zu lesen, dass in Uri notorisch über den «Braindrain» gejammert werde, also die Abwanderung von gut ausgebildeten Urnern, die nach ihren Lehr- und Wanderjahren nicht mehr in den Kanton zurückkehrten. Mit der Wahl von Urs Janett könne man Gegensteuer geben und einen qualifizierten Mann zurückholen. In St. Gallen will man dem Braindrain ebenfalls entgegentreten, allerdings aus einem andern Grund: Weil man Janett unbedingt am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen halten möchte, hoffen nicht wenige, dass der Altdorfer den Sprung in die Urner Regierung nicht schafft ...

«Das Volk wählt die Besten»

Und wie schätzt er selber seine Wahlchancen ein? «Ich bin überzeugt, dass sich das Urner Volk für die besten sieben Leute entscheiden und Diskussionen über die Parteizugehörigkeit oder über regionale Aspekte eher zweitrangig behandeln wird. Ob ich zu den besten sieben gehöre, weiss ich aber spätestens am 28. Februar. Oder am 10. April.»

Bruno Arnold

Zur Person

Alter: 40
Wohnort: Altdorf
Partei: FDP.Die Liberalen
Zivilstand: verheiratet mit Beatrice Kolvodouris, Vater von Mila (10) und Eleni (6)
Ausbildung: Rechtsanwalt
Berufliche Tätigkeit: Generalsekretär des Bundesverwaltungsgerichts in St. Gallen
Hobbys: Aktivitäten mit der Familie
Politische Tätigkeiten: seit 2007 Gemeinderat von Altdorf, zurzeit Verwalter; Sekretär der FDP.Die Liberalen Uri; Delegierter der FDP Uri an nationalen Parteitagen

«Will im Hintergrund tragfähige Lösungen suchen»

Urs Janett, gemäss Wahrnehmung vieler Aussenstehender sind in Uri Filz, Befangenheit und «Häfeli-Teckäli-Politik» an der Tagesordnung. Ist Ihre Wahl in die Regierung vertretbar, nachdem Ihre Frau als Urner Staatsanwältin arbeitet?
Urs Janett: Zwei unabhängige Rechtsgutachten zeigen, dass meine Wahl in die Regierung trotz dieser Konstellation rechtlich problemlos möglich ist. Für mich gibt es aber auch eine moralische Verpflichtung, denn Integrität ist für mich das höchste Gut. Meine Frau würde deshalb als stellvertretende Oberstaatsanwältin zurücktreten, falls ich als gewählter Regierungsrat die Justizdirektion übernähme. Zugute kommt mir aber sicher auch, dass ich in Uri kaum Verwandte habe, was die Filz- und Befangenheitsgefahr sicher minimiert.

In vielen Leserbriefen wird ein Jurist in der Regierung gefordert. Reicht es nicht, wenn der Kanzleidirektor Jurist ist und die Regierung auf Juristen in der Verwaltung respektive im Rechtsdienst zählen kann?
Janett: Das juristische Gewissen von Seiten der Verwaltung ist notwendig und sicher gut. Es braucht aber auch Impulse von Seiten der Regierung, denn sie muss steuern und lenken respektive Gesetze und Verordnungen umsetzen. Ich erachte es deshalb als Vorteil, wenn jemand in der Regierung sitzt, der weiss, was man darf und was nicht.

Ihnen wird da und dort fehlende Nähe zum Volk nachgesagt. Ist nicht gerade dies eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt als Regierungsrat zu kandidieren?
Janett: Ich bin nicht der Politiker, der mit spektakulären Vorschlägen, die nicht realisierbar sind, das Rampenlicht sucht und so versucht, einen grossen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Viel wichtiger ist es mir, im Hintergrund tragfähige Lösungen zu finden, die der Allgemeinheit dienen. Aufgrund meiner früheren beruflichen Anstellungen und meiner aktuellen Tätigkeit in St. Gallen verfüge ich aber über ein breit gefächertes und schweizweit greifendes Netzwerk sowie über gute Kontakte zur Bundesverwaltung. Genau dies könnte ich als gewählter Regierungsrat zum Nutzen des Kantons einsetzen.

Interview Bruno Arnold

Hinweis

Unsere Zeitung stellt alle Regierungsrats­kandidaten vor. Bereits erschienen sind die Porträts von Dimitri Moretti (SP, 11. Januar), Toni Epp (FDP, 13. Januar), Petra Simmen (SVP, 15. Januar) und Alois Arnold (SVP, 18. Januar).