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WAHLEN: Wähler beantworten vier Fragen

Erstmals nach rund 100 Jahren könnten wieder drei Liberale in der Urner Regierung sitzen. Die Wahl vom Sonntag wird aber auch sonst geschichtsträchtig.
Bruno Arnold
«Auch die Stimme des linken und gewerkschaftlich organisierten Uri muss vertreten sein.» Regierungsratskandidat Dimitri Moretti, Erstfeld, SP (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Auch die Stimme des linken und gewerkschaftlich organisierten Uri muss vertreten sein.» Regierungsratskandidat Dimitri Moretti, Erstfeld, SP (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Bruno Arnold

Die Namen von fünf Urner Regierungsräten für die Legislaturperiode 2016–2020 sind seit dem 28. Februar bekannt. Wiedergewählt wurden Heidi Z’graggen (CVP, seit 2004); Beat Jörg (CVP, 2012), Urban Camenzind (CVP, 2012) und Barbara Bär (FDP, 2012). Neu schaffte Roger Nager (FDP, Andermatt) als wilder Kandidat die Wahl in die Urner Exekutive. Für den zweiten Wahlgang vom kommenden Sonntag hat die FDP mit Landrat Toni Epp, Silenen, einen ihrer beiden offiziell nominierten Kandidaten zurückgezogen. Alois Arnold-Fassbind (SVP, Bürglen) verzichtete hingegen als Letztplatzierter des ersten Wahlgangs von sich aus. Urs Janett (FDP, Altdorf), Dimitri Moretti (SP, Erstfeld) und Petra Simmen (SVP, Altdorf) treten erneut an. Sie haben im ersten Wahlgang die Ränge 6 (Janett), 8 (Moretti) und 9 (Simmen) belegt.

«Auch die Stimme des linken und gewerkschaftlich organisierten Uri muss vertreten sein.» Regierungsratskandidat Dimitri Moretti, Erstfeld, SP (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Auch die Stimme des linken und gewerkschaftlich organisierten Uri muss vertreten sein.» Regierungsratskandidat Dimitri Moretti, Erstfeld, SP (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

«Es darf niemandem egal sein, wer in den nächsten vier Jahren in der Regierung politisiert.» Regierungsratskandidat Urs Janett, Altdorf, FDP (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

«Es darf niemandem egal sein, wer in den nächsten vier Jahren in der Regierung politisiert.» Regierungsratskandidat Urs Janett, Altdorf, FDP (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

«Das Zünglein an der Waage dürfte am kommenden Sonntag wohl die CVP-Basis spielen.» Regierungsratskandidat Petra Simmen, Altdorf, SVP (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

«Das Zünglein an der Waage dürfte am kommenden Sonntag wohl die CVP-Basis spielen.» Regierungsratskandidat Petra Simmen, Altdorf, SVP (Bild: Florian Arnold / Neue UZ)

Was zählt die «Zauberformel»?

Seit 2010 setzt sich die Urner Regierung gemäss einer neuen «Zauberformel» aus drei CVP- und zwei FDP-Mitgliedern sowie je einem Vertreter von SVP und SP zusammen. Mit ihrer Wahl werden die Urnerinnen und Urner am kommenden Sonntag jene vier Fragen beantworten, die zurzeit am häufigsten gestellt werden:

  • Ist die SP ab Juni in keiner Zentralschweizer Regierung mehr vertreten?
  • Verliert die SVP Uri ihren erst 2010 gewonnenen Sitz im Regierungsrat bereits wieder?
  • Sitzen erstmals seit 1924 wieder drei Liberale in der Urner Regierung respektivezieht die FDP mit der CVP gleich?
  • Bleibt es bei der aktuellen Sitzverteilung in der Urner Exekutive?

Glaubt man der am häufigsten gemachten Vorhersage, so hat der 40-jährige Altdorfer Jurist Urs Janett die besten Chancen, gewählt zu werden. Trifft diese Prognose am Sonntag effektiv zu, so schreibt die FDP Uri Geschichte: Erstmals seit 1924 sässen dann wieder drei Liberale in der Urner Regierung. Und: CVP und FDP wären ab dem 1. Juni in der Exekutive gleich stark vertreten. Die beiden grössten Urner Parteien stellen auch die stärksten Landratsfraktionen (CVP: 22 Sitze; FDP: 18 Sitze). Geschichtsträchtig wird der kommende Sonntag aber so oder so. Im Fall einer Wahl von Janett wäre die erst seit 2010 geltende «Zauberformel» (3 CVP/2 FDP/1 SVP/1 SP) bereits nach kurzer Zeit wieder Geschichte, weil dann entweder die SVP oder die SP über die Klinge springen müssten.

«Arithmetisch 66,6 Prozent»

«Meine Chancen betragen, arithmetisch gesehen, 66,6 Prozent. Ich kann aber nur hoffen», gibt sich Urs Janett wenige Tage vor der Wahl diplomatisch. «Wichtig ist vor allem, dass die Leute überhaupt erst an die Urne gehen. Denn es darf niemandem egal sein, wer in den nächsten vier Jahren in der Urner Regierung politisiert», betont der FDP-Kandidat. «Ich weiss jedoch: Wer mich wählt, der entscheidet sich für eine starke Persönlichkeit.»

Und wie sieht es für die SP Uri aus? «Meine Chancen sind sicher intakt», hält Kandidat Dimitri Moretti fest. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass mich das Urner Volk wählen wird.» Woher nimmt der 44-jährige Oberstufenlehrer diese Zuversicht? «Unser Hauptargument wird den Ausschlag geben. Dieses lautet: Es dürfen nicht nur Bürgerliche in der Regierung sitzen, in der Exekutive muss auch die Stimme des linken und gewerkschaftlich organisierten Uri vertreten sein. Nur so können ausgewogene Lösungen entstehen.»

CVP als Zünglein an der Waage

«Es ist äusserst schwierig, eine Prognose zu stellen», erklärt die Kandidatin der SVP Uri, Petra Simmen. «Ich weiss nicht, ob das Volk eine rein bürgerliche Regierung wählen oder ob es zur seit 2010 gelebten Konkordanz stehen wird. Meine Chancen, gewählt zu werden, stehen bei 50 zu 50», meint die 48-jährige Altdorfer Drogistin. «Das Zünglein an der Waage dürfte am kommenden Sonntag wohl die CVP-Basis spielen.» Die grösste Urner Partei hat sich bekanntlich dafür ausgesprochen, weder mit einem eigenen Bewerber anzutreten noch eine Wahlempfehlung für einen Kandidaten einer andern Partei abzugeben. Der Hintergrund: Die CVP ist aus parteitaktischen Überlegungen nicht daran interessiert, die Mehrheit in der Regierung teilen zu müssen.

Beteiligung kann entscheiden

Einig sind sich die drei Kandidaten in einem Punkt: Wer am besten mobilisieren kann, der wird gewinnen, zumal die Wahlbeteiligung sicher nicht mehr so hoch sein wird wie am 28. Februar. Damals gingen nicht weniger als 61,6 Prozent der Urner an die Urne.

Dies war allerdings nicht allein den Gesamterneuerungswahlen zuzuschreiben. Für den Grossaufmarsch sorgte wohl ebenso die Tatsache, dass gleichentags über die zweite Röhre am Gotthard und die Durchsetzungsinitiative abgestimmt wurde. Diese beiden äusserst emotional diskutierten eidgenössischen Vorlagen hatten Leute aus allen politischen Lagern gleichermassen zum Abstimmen motiviert.

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