Wahlurnerin lebt ihr Westernmärchen

Yvonne Heinzer reitet an Turnieren in Italien, Frankreich und Deutschland. Dabei beweisen ihre Pferde einen ausgeprägten «Cow-Sense»: Die 50-Jährige ist amtierende Europacup- und Europameisterin in der Disziplin Cutting.

Nicole Auf der Maur
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Westernreiterin Yvonne Heinzer im Einsatz: Mit ihrem Pferd trennt sie ein Rind von dessen Herde. (Bild: PD)

Westernreiterin Yvonne Heinzer im Einsatz: Mit ihrem Pferd trennt sie ein Rind von dessen Herde. (Bild: PD)

«Brandy! Royal!» Yvonne Heinzer braucht nur einmal die Namen ihrer Pferde zu rufen, schon gucken beide neugierig aus dem Eingang ihres Stalls. 24 und 16 Jahre alt sind die beiden Westernpferde. Schon seit Jahren sind sie Heinzers Leidenschaft.

Seit Kindesbeinen an sass die gebürtige Goldauerin auf dem Pferderücken. Nach einer längeren Pause wollte sie sich mit 30 Jahren ein eigenes Pferd kaufen. «Ich hatte jedoch genug von der englischen Reitweise und wollte einen anderen Weg gehen», sagt sie. Deswegen habe sie sich dafür entschieden, ein Freizeitpferd, einen richtigen Kumpel, auszuwählen. «Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich 'Brandy' sah», meint Heinzer, die schon seit bald 30 Jahren im Kanton Uri wohnt.

«Brandy» bringt sie zum Westernreiten

Brandy ist ein Quarterhorse, ein Westernpferd. Durch ihn kam Heinzer langsam aber sicher zum Westernreiten. Der Schweizerische Cutting-Verband entdeckte das Talent der Reiterin und fragte sie an, ob sie nicht an den Wettbewerben teilnehmen wolle. In der Rookie-Klasse wurde sie gleich Schweizer Meisterin. «'Brandy' hat mich vieles gelernt. Leider war er von seiner körperlichen Konstitution nicht für den höheren Cutting-Sport geeignet», sagt Heinzer. Um weiter zu machen, kaufte sie sich ein zweites Pferd. Auch bei «Royal» war es Liebe auf den ersten Blick. Und mit der Pferdeverkäuferin fand Heinzer auch gleich ihre Trainerin.

Da das Westernreiten in der Schweiz – insbesondere das Cutting – nicht so weit verbreitet ist und Trainer, grosse Rinderherden sowie gute Bodenbedingungen fehlen, müssen Cutting-Reiter weite Wege auf sich nehmen, um zu trainieren. In Sheri Mason, einer amerikanischen Trainerin, die in Italien lebt, fand sie die perfekte Unterstützung. Mit Royal holte sich Heinzer in der Westerndisziplin Cutting den Schweizer-Meister-Titel und viele gute Platzierungen in ganz Europa.

«Snappy Hunter» lebt im Exil

Eines Tages schwärmte ihr die Trainerin von einem «Pferd mit Mega-Talent» vor. «So kam meine dritte grosse Liebe in mein Leben», erzählt Heinzer. «Snappy Hunter» lebt ganzjährig bei Mason in Italien, wo sie super Trainingsbedingungen vorfindet. Heinzer möchte ihr den Transport hin und her nicht immer zumuten und besucht das Pferd regelmässig für Trainings, Turniere und zum Liebkosen.

Grosse Unterstützung erhält die Westernreiterin von ihrem langjährigen Partner Kari. Auch hier ist es die Liebe, die Heinzer trägt. «Ohne Kari wäre es gar nicht möglich, diesen Sport zu betreiben», sagt sie. «Wir geniessen auch immer die Zeit mit unseren italienischen Freunden. Für uns ist es immer wie ein Kurzurlaub.» Gemeinsam besuchen sie und ihr Partner auch gerne grosse Westernturnieren in den USA. «Cutting ist – man glaubt es kaum – der an Preisgeldern gemessen am dritthöchsten dotierte Sport weltweit», sagt Heinzer.

Die Arbeit mit Rindern liegt den Pferden im Blut

In der Disziplin Cutting wird mit Rindern gearbeitet. Dabei muss ein Rind von der Herde abgesondert und für wenige Sekunden von ihr ferngehalten werden. Sobald das Rind durch die Reiterin und das Pferd von der Herde getrennt wurde, darf die Reiterin keine Zügelhilfe mehr geben. Das heisst, dass das Pferd ganz alleine am Rind arbeitet.

Die Westernpferderassen haben aufgrund ihrer jahrzehntelangen Zucht als Rancharbeitspferde einen natürlichen Instinkt zur Arbeit mit Rindern, den sogenannten «Cow-Sense». Wie zum Beispiel der Bordercollie als Schafhütehund, weiss das Pferd ganz genau, wie es sich bewegen muss, um das Rind von der Herde fernzuhalten. Ganz zur Freude von Reiterin Heinzer.