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Warum auch Polizeihunde einen Lohn erhalten

Früh übt sich, wer ein Meister werden will – Polizeihunde beginnen schon im Alter von wenigen Wochen mit der Ausbildung. Diese Woche traf sich die Sondergruppe Hundeführer der Polizeikorps von Nid-, Obwalden und Uri zum Intensivtraining.
Philipp Unterschütz
Wiederholungskurs für Polizeihunde - im Bild Marco Keller, Chef des Diensthundewesens der Kantonspolizei Nidwalden, mit Inca. (Bilder Corinne Glanzmann, Ennetmoos, 16. Mai 2018)

Wiederholungskurs für Polizeihunde - im Bild Marco Keller, Chef des Diensthundewesens der Kantonspolizei Nidwalden, mit Inca. (Bilder Corinne Glanzmann, Ennetmoos, 16. Mai 2018)

«Halt, Polizei! Stehenbleiben, oder ich schicke den Hund!» Trotz der klaren Anweisung von Hundeführer Marco Keller, Chef des Diensthundewesens der Kantonspolizei Nidwalden, flüchtet die angesprochene Person in den Wald. Schäferhündin Inca (van de Duvetorre – der Name verrät ihre belgische Abstammung) braucht nur wenige Sekunden, um die Flüchtige zu stellen und hindert sie laut bellend an der weiteren Flucht. Inca wird zubeissen, falls die Person weiter versucht, wegzurennen oder sie gar angreift. Doch Marco Keller ruft Inca zurück und lobt sie – die Übungseinheit war erfolgreich.

Marco Keller und Inca gehören zur Sondergruppe Hundeführer Uno der Polizeikorps von Nidwalden, Obwalden und Uri, die diese Woche in Ennetmoos ein zweitägiges Intensivtraining absolviert. Die Sondergruppe der drei Kantone umfasst insgesamt neun Personen und acht Hunde. «Momentan sind zwei Hunde aus Nidwalden fertig ausgebildet und als Schutz- und Drogenspürhunde voll einsatzfähig. Ab nächstem Jahr kommen zwei Hunde aus Obwalden und einer aus Uri dazu», erklärt Anton Diethelm von der Obwaldner Kantonspolizei, der technische Leiter der Sondergruppe Uno. Im vergangenen Jahr leistete die Gruppe insgesamt 104 Einsätze mit drei Hunden, darunter auch viele Präventiveinsätze, die in der Erfolgsstatistik aber nicht mitberechnet werden. «Wir waren zwölfmal erfolgreich, es ging hauptsächlich um Drogenfunde und das Stellen von Personen.» Ausgebildet sind die Hunde der Sondergruppe als Schutzhunde und als Betäubungsmittelspürhunde. Es gäbe je nach Rasse und Eignung weitere Spezialisierungen wie beispielsweise Spürhunde für Sprengstoff, Notengeld oder Brandmittel. Diese Ausbildungen führt Uno laut Anton Diethelm aber nicht selber durch.

Hund darf nicht vermenschlicht werden

Die Polizeihunde – am geeignetsten sind Rassen wie deutsche oder belgische Schäferhunde oder Rottweiler – gehören den Hundehaltern persönlich. «Die Beziehung zwischen dem Hundeführer und seinem Tier ist das A und O, damit es funktioniert», sagt Marco Keller, der ab nächstem Jahr die Stelle als technischer Leiter der Uno übernehmen wird. «Wenn der Hund seinem Führer nicht vertraut, gibt es Probleme in Situationen, wo sich das Tier nicht wohl fühlt oder die ungewohnt sind.» Da Hundehalter ihr Tier im Regelfall sehr ins Herz geschlossen haben, bewegen sich auch Hundeführer auf einem schmalen Grat, allzu schnell kann eine Vermenschlichung des tierischen Partners geschehen.

«Der Halter muss immer der klare Chef, das Alphatier, bleiben.»

«Der Halter muss immer der klare Chef, das Alphatier, bleiben. Der Hund darf niemals den Lead übernehmen, sonst gibt es Konflikte», betont Keller. Er selber habe sich als 16-Jähriger zum ersten Mal einen Hund angeschafft. Heute sei Inca 24 Stunden mit ihm zusammen. Rund 20 Prozent seiner Arbeitszeit bei der Kantonspolizei ist er mit dem Hund unterwegs. Wenn er anderweitig beschäftigt sei, halte sich Inca im Hundezwinger auf dem Polizeiareal auf. Sie könne im übrigen sehr wohl zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden – und er gewähre ihr dann auch eine etwas «längere Leine».

Claudia Zurbrügg mit Inca (van de duvetorre)

Claudia Zurbrügg mit Inca (van de duvetorre)

Polizeihunde erhalten einen Lohn

Marco Keller.

Marco Keller.

Die Ausbildung beginnt in der Regel schon, wenn das Jungtier beim Züchter abgeholt wird. Auf der Wiese in Ennetmoos ist so auch bereits der erst 10 Wochen alte Ilay aus der Bohmter Heide des Urners Mario Danioth unterwegs. Der kleine Rottweiler verfolgt eine Futterspur und lernt so spielerisch, sich auf seine Nase am Boden zu konzentrieren. Zur Ausbildung gehören auch erste Kommandos und Jungtieren wird bald auch das Beissen auf spielerische Art beigebracht. Später folgen das Finden und Anzeigen von Gegenständen, Fährten verfolgen und Personen finden oder anhalten. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Schutzhund. «Die Hunde müssen Freude an der Arbeit haben, wir können sie nicht zwingen», erklärt Marco Keller. Ob sie geeignet sind, zeigen die Wesensprüfungen in zwei Stufen, später folgen Prüfungen des Schweizerischen Polizeihundeverbandes und eigene Einsatzüberprüfungen durch die Sondergruppe Uno. Die Hundeführer trainieren zwei Mal pro Monat je einen Tag, einmal pro Jahr gibt es eine Prüfung.

Polizeihunde erhalten übrigens auch «Lohn»: Der Halter bekommt Futtergeld und eine Ausbildungsentschädigung, zudem gibt es nach erfolgreichen Wesensprüfungen eine Ankaufsentschädigung. «Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Marco Keller. «Würde der effektive finanzielle und persönliche Aufwand voll entschädigt, könnten sich die Kantone kaum Hundeführer leisten.»

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