Bildungsdirektor: «Uri kann Strahlkraft nach aussen erwirken»

Was sagt Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg zum Institut, das in Altdorf mit der Uni Luzern geführt wird? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Bruno Arnold
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Das Institut «Kulturen der Alpen» in Altdorf wird in Zusammenarbeit mit der Universität Luzern geführt. Der operationelle Betrieb soll Mitte 2019 aufgenommen werden und ist vorerst auf die Jahre 2019 bis 2022 beschränkt.

Uni Luzern schafft Institut in Uri

Das universitäre Institut mit dem Namen «Kulturen der Alpen» wird in Zusammenarbeit mit der Universität Luzern geführt. Vorerst bis 2022 forschen in Altdorf Professoren und Doktoranden der Uni Luzern fächerübergreifend. Uri beteiligt sich in der Startphase mit 100'000 Franken pro Jahr am Institut.
Bruno Arnold

Beat Jörg, wieso will die Uni Luzern ihr Institut gerade in Uri ansiedeln?

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. (Bild: Florian Arnold, 17. April 2018)

Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. (Bild: Florian Arnold, 17. April 2018)

Das hat sich nicht zuletzt aufgrund eines persönlichen Gesprächs mit dem Rektor der Uni Luzern, Bruno Staffelbach, bei einem Treffen der Bildungsdirektoren ergeben. Er möchte die Uni Luzern zu einer Uni Zentralschweiz machen. Dies nicht etwa durch einen neuen Namen, sondern viel mehr dadurch, dass die Verantwortlichen der Uni Luzern den übrigen Zentralschweizer Kantonen das Gefühl vermitteln möchte, dass die Uni auch ihnen gehört. Dazu kann natürlich gerade die Ansiedlung eines Satelliten respektive eines Forschungsinstituts sehr viel beitragen. Wir können der Bevölkerung zeigen, dass wir nicht nur Beitragszahler sein müssen, sondern dass auch etwas zurückfliessen kann und dass wir auch im tertiären Bereich etwas anbieten können.

Was erwarten Sie von der Ansiedlung des Forschungsinstituts «Kulturen der Alpen» in Uri?

Ich bin überzeugt, dass der Kanton Uri damit eine gewisse Strahlkraft über die Kantonsgrenzen hinaus erwirken kann.

Das ist ein ideeller Wert. Aber schaut für Uri auch finanziell etwas heraus?

Die Wertschöpfung steht bei diesem Projekt nicht im Vordergrund. Es geht viel mehr um das positive Signal, das Uri nach aussen senden kann. Mit der Ansiedlung eines wissenschaftlichen Instituts ist vor allem auch eine Steigerung der Standortattraktivität des Kantons verbunden. Doch zurück zu Ihrer Frage: In Uri sollen jährlich wissenschaftliche Tagungen und Konferenzen mit nationaler und internationaler Beteiligung durchgeführt werden. Dies ist als Beitrag zur lokalen Verankerung und zur Förderung der interdisziplinären Forschung gedacht. Boris Previšiċ Mongelli, Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft an der Uni Luzern, wird für den Aufbau des Instituts verantwortlich sein. Unterstützt wird er von zwei weiteren Professoren. Ab Mitte 2019 sollen in Altdorf Doktoranden ihre wissenschaftliche Tätigkeit aufnehmen. Ausserdem will man durch eine Kooperation mit dem Kanton Tessin auch Leute aus dem südlichen Nachbarkanton für wissenschaftliche Arbeiten nach Uri holen. Die Ansiedlung ist also durchaus auch aus volkswirtschaftlicher Sicht zumindest nicht uninteressant. In den ersten drei Jahren werden wir jetzt versuchen, das Institut so zu verankern, dass es auch nachhaltig funktionieren kann.

Was soll in diesem Institut konkret erforscht werden?

Ein erstes Projekt, das wir am geplanten Institut optimal ansiedeln können, ist das soeben vom Schweizerischen Nationalfonds bewilligte und finanzierte historisch-literaturwissenschaftliche Projekt «Gebirgskrieg und Réduit in der Literatur». In Zukunft können dies aber auch Arbeiten zu spezifische Themen sein, die Uri schon heute auszeichnen. Unser Kanton hat bereits jetzt einen gewissen Bekanntheitsgrad und eine grosse Ausstrahlung im Bereich Musik, etwa durch das Haus der Volksmusik oder durch das Festival Alpentöne. Mit Forschungsarbeiten kann dieser Bekanntheitsgrad verstärkt werden, und zwar national und international. Uri wird aber auch die Möglichkeit erhalten, seinen eigenen Anliegen national und international Gehör zu verschaffen?

Wie soll das geschehen?

Am Institut können regionale Fragestellungen wissenschaftlich aufgearbeitet, publiziert und diskutiert werden. Um konkrete Beispiele zu nennen: Es könnten beispielsweise Themen wie Wasserzinsen oder Klimawandel untersucht werden. Wir starten nicht mit einem vollen Gefäss von Themen. Wir wollen das Gefäss viel mehr mit interessanten Themen füllen, die dem Institut die nötige Ausstrahlung und Schlagkraft bringen soll.

Wo soll das Institut angesiedelt werden?

Das kann ich noch nicht definitiv sagen. Wir führen zurzeit Vorabklärungen mit möglichen Partnern aus Uri, die sich allenfalls an den Kosten für die Ansiedlung und im Rahmen der Unterbringung des Hochschulinstituts beteiligen würden.