Leserbrief

Was ist los im Bistum Chur?

Zur Entlassung von Martin Kopp als Generalvikar

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Die Entmachtung von Martin Kopp als Generalvikar des Bistums Chur hat in mir Bestürzung, Enttäuschung und grosse Wut ausgelöst. Das von der Bistumsleitung gewählte Vorgehen erinnert an autokratische Staatsführungen in China oder Nordkorea, wo Menschen, die eine andere Meinung vertreten, gnadenlos entsorgt werden. Ich finde dies als einer geschwisterlichen Kirche unwürdig. Inakzeptabel und unerhört, weil die Bistumsleitung den Ausnahmezustand durch das Coronavirus missbraucht, einen unbequemen Kirchenmann aus den Ämtern zu entlassen, in voller Kenntnis, dass die Kräfte im Bistum, die sich einen vermittelnden Bischof wünschen, ausgetrickst werden, weil es kaum mehr möglich ist, den Widerstand gegen diese Entlassung zu organisieren.

Ich kenne Marin Kopp seit vielen Jahren als engagierten Kirchenmann, als Priester und Seelsorger und ich weiss auch, dass er sich mit grossem Engagement für mehr Gleichberechtigung von Klerikern und Laien einsetzt. Martin Kopp hat immer aus Sorge um die Menschen im Bistum Chur gehandelt und dass ihm die Situation betreffend Bischofswahlvorgehen grosse Sorgen bereitete, war bekannt. Die Informationssperre und Geheimnistuerei um das Bischofswahlverfahren ist auch für uns Laien, die wir uns von der Kirchenleitung als «Kirchensklaven» behandelt vorkommen, ein nicht akzeptierbares Ärgernis.

Wir können schweigen und die Bistumsleitung in Chur gewähren lassen und uns dann mit einem weiteren konservativen Kirchenfürsten abmühen, der unser bewährtes duales System in Frage stellt oder wir müssen uns mit Martin Kopp solidarisieren und seinen und unseren Anliegen für eine geschwisterliche Kirche mit einer gemeinsamen Reaktion eine kräftige Stimme geben. Im Namen vieler engagierter Mitchristen fordere ich die sofortige Wiedereinsetzung von Martin Kopp in all seine Ämter, bis der neue Bischof in sein Amt eingesetzt ist. Weiter fordern wir ein transparentes, unserem schweizerischen Demokratieverständnis entsprechendes Vorgehen bei der Wahl des Bischofs. Die Geheimnistuerei um die Wahl ins Bischofsamt muss ein Ende haben. Die Kandidaten sollen vor der Wahl durchs Domkapitel bekannt sein und der Name des Bischofs soll sofort nach seiner Wahl durchs Domkapitel bekannt gegeben werden. Es braucht keine geheimnisumwitterte Wartezeit mehr, da die Dreierliste ja von Rom bereits abgesegnet wurde.

Trotz der Unzufriedenheit mit der Churer Bistumsleitung werde ich nicht aus der Kirche austreten, sondern mich mit engagierten Mitchristen für eine gleichberechtigte geschwisterliche Kirche von Laien und Priestern einsetzen. Die Hoffnung, dass der Geist der Vernunft doch noch ein Schlupfloch findet, um in die abgeschotteten Räumlichkeiten des Bischofssitzes hineinzukommen und man ihm dort zuhört, flackert noch auf Sparflamme. Es liegt an der Bistumsleitung, mit positiven Zeichen eines konstruktiven Dialogs den endgültigen Vertrauensverlust zu verhindern. Sonst könnte eintreten, wovor Martin Kopp eindringlich gewarnt hat. Ein Festhalten am monarchistisch klerikalen Führungsstil könnte den religiösen Frieden in der Schweiz gefährden.

Hans Gisler, Attinghausen