Leserbrief

«Was kommt noch?»

Zum Artikel «Regierungsrat gibt Pfarrerin recht» und zur Situation in der evangelisch-reformierten Kirche in Uri, Ausgabe vom 7. September

Drucken
Teilen

Ich bedauere sehr, wie sich das Verhalten an unseren Kirchgemeindeversammlungen verändert hat. Jeglicher Respekt auf Gegenseitigkeit ist verloren gegangen. Wo bleibt der Aspekt «christlich»?

Speziell im Urner Oberland fühlt man sich vernachlässigt. Das Motto: Eine Kirche zu sein, kann nicht dazu dienen, dass man mit dem zahlenmässig kleineren Teil so umgeht. An der Sitzung vom 11. März 2019 besuchte uns ein Teil des Kirchenrats, um zu hören, was uns wichtig ist: Man hörte uns zu, unser Wunsch war, wieder einen hundertprozentigen Pfarrer für die Vakanz in Altdorf zu suchen und Pfarrerin Rahel Eggenberger zu 50 Prozent als unsere Seelsorgerin zu behalten. Man sicherte uns auch zu, dies zu berücksichtigen. Um abschliessend zu sagen: «Gut dass wir miteinander gesprochen haben, so kennen wir auch eure Wünsche.» Inzwischen stellte sich heraus, dass man ohne uns zu informieren seit Anfang Jahr zwei Pfarrer zu 80 Prozent suchte.

Dies wurde nicht einmal erwähnt und man fand es auch nicht nötig, uns darüber aufzuklären, als wir nachfragten. Unsere Kirchgemeindemitglieder verstehen die Welt nicht mehr und sind masslos enttäuscht, dass man unseren Wünschen und Bedürfnissen nicht nachkommt. Auch hat man mir nahe gelegt, sollte Pfarrerin Eggenberger nicht weiterhin unsere Seelsorgerin sein, wird ein Grossteil aus unserer Kirche austreten. Ist es das, was unser Kirchenrat will?

Oder hat man vor, das Geschehnis wie damals mit Pfarrer Ulrich Schmaltz zu wiederholen? Mit Erleichterung hat man im Urner Oberland auf den Artikel reagiert, in dem es hiess, dass die Rechtsverweigerungsbeschwerde der Pfarrerin gutgeheissen wurde. Ein kleiner Lichtblick.

Wir möchten Sie alle bitten, auch auf uns Rücksicht zu nehmen, im Namen unserer christlichen Kirche und unserer Gemeinschaft. Und ich machte gestern am Buss- und Bettag eine neue Erfahrung: Als ich den Anwesenden, die inzwischen im Urlaub oder ortsabwesend waren, mitteilen wollte, was in unserer Kirche vorgeht, hat mich ein Mitglied des Kirchenrates bedroht und mir den Mund verboten, das Thema gehöre nicht hier her. Ich frage mich, wo sonst als in unsere Kirche?

Ich wünsche mir für die Zukunft wieder gute und speditive Sitzungen in denen man in unserem demokratischen Land wieder seine freie Meinung kundtun darf.

Monika Müller, Andermatt