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Reportage

Was sich nachts im Gotthardtunnel tut: So sieht der Ausbau eines 30-Tonnen-Ventilators aus

Der längste Strassentunnel der Schweiz ist derzeit nachts oft gesperrt – unter anderem, um einen tonnenschweren Lüftungsventilator auszubauen.
Lucien Rahm
David Imholz (links) vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) steuert den Spezial-Hublader. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)David Imholz (links) vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) steuert den Spezial-Hublader. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
Mitarbeiter des AfBN koordinieren den Verlad von oben. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)Mitarbeiter des AfBN koordinieren den Verlad von oben. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
Die blaue Ventilatorröhre wiegt knapp 30 Tonnen. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)Die blaue Ventilatorröhre wiegt knapp 30 Tonnen. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)(Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)
Erwin Elmiger, Koordinator der Ventilator-Revision, im Sicherheitsstollen des Gotthardstrassentunnels. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)Erwin Elmiger, Koordinator der Ventilator-Revision, im Sicherheitsstollen des Gotthardstrassentunnels. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)
Erwin Elmiger vor einer Lüftungsklappe im Innern des Lüftungsschachtes. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)Erwin Elmiger vor einer Lüftungsklappe im Innern des Lüftungsschachtes. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)
Marino Walker beobachtet das Geschehen von der Schaltzentrale in Göschenen aus. (Bild: Urs Hanhart, Göschenen, 16. September 2019)Marino Walker beobachtet das Geschehen von der Schaltzentrale in Göschenen aus. (Bild: Urs Hanhart, Göschenen, 16. September 2019)
Ein Mitarbeiter einer privaten Reinigungsfirma füllt Trockeneis in ein Reinigungsgerät. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)Ein Mitarbeiter einer privaten Reinigungsfirma füllt Trockeneis in ein Reinigungsgerät. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)
Ein Lüftungsschaft wird mit Trockeneis gereinigt. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)Ein Lüftungsschaft wird mit Trockeneis gereinigt. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)
13 Bilder

Ein 30-Tonnen-Ventilator wird aus dem Gotthardtunnel ausgebaut

Wenige Minuten nach 20 Uhr beginnt die Polizei damit, die Autobahn A2 zwischen Göschenen und Airolo zu sperren. Rund 20 Minuten später ist der Gotthardstrassentunnel leer. Während drei Wochen ist das unterirdische Verbindungsstück zwischen Uri und dem Tessin für den Strassenverkehr wöchentlich vier Nächte lang nicht befahrbar. Die einzigen Fahrzeuge, die dann im rund 17 Kilometer langen Bauwerk verkehren, sind die Betriebswagen von etwa einem Dutzend verschiedener Firmen, die für die Bereiche Reinigung, Elektrik, Mechanik oder Bauingenieurwesen über Fachkräfte verfügen. Sie alle sind in dieser Nacht bis um halb 5 Uhr mit dem Unterhalt und der Kontrolle der Strassenröhre beschäftigt, die täglich von durchschnittlich 17'000 Fahrzeugen benutzt wird.

Überwacht wird die ganze Aktion von Marino Walker, der bis am Morgen in der Schaltzentrale in Göschenen sitzt, und das Geschehen auf 25 Monitoren beobachtet. Via Computerprogramm nimmt der Elektroinstallateur vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) einen Teil jener Anlagen im Tunnel vom Stromnetz, an denen heute Nacht gearbeitet wird. Walker kennt auch die Situation vor Ort, denn er war selber auch schon bei Sanierungsarbeiten beteiligt. Die Funktion, in der er sich diesmal befindet, schätzt er aber fast mehr. «Hier zu arbeiten, ist sicher angenehmer.» Denn unter anderem sei es im Tunnel heiss. Von bis zu 40 Grad ist die Rede. «Da läuft der Schweiss schon, bevor man überhaupt etwas macht.»

Marino Walker beobachtet das Geschehen von der Schaltzentrale in Göschenen aus. (Bild: Urs Hanhart, Göschenen, 16. September 2019)

Marino Walker beobachtet das Geschehen von der Schaltzentrale in Göschenen aus. (Bild: Urs Hanhart, Göschenen, 16. September 2019)

Spezialanfertigung holt Ventilator herunter

Die hohe Temperatur lässt sich langsam wahrnehmen, als man immer weiter in den Tunnel vordringt. Am Steuer des AfBN-Personenwagens, von dessen Dach aus die zitternden Strahlen des orangen Warnblinklichts an die uns seitlich flankierenden Betonwände geworfen werden, sitzt Erwin Elmiger vom AfBN, der die Wartungsnächte koordiniert. Er führt uns zur wohl eindrücklichsten Arbeit, die hier heute vorgenommen wird.

Erwin Elmiger, Koordinator der Ventilator-Revision, im Sicherheitsstollen des Gotthardstrassentunnels. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)

Erwin Elmiger, Koordinator der Ventilator-Revision, im Sicherheitsstollen des Gotthardstrassentunnels. (Bild: Urs Hanhart, 16. September 2019)

Etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Südportal bauen die Männer vom AfBN einen 30 Tonnen schweren Lüftungsventilator aus, der nach ungefähr zehn Jahren Betrieb wieder einmal revidiert werden muss. Zu diesem Zweck befindet sich ein mehrere Meter langer Lastwagenanhänger im Tunnel, der zugleich ein Hublader ist. Die Ladefläche lässt sich damit senkrecht in die Höhe bewegen – für Transportgut, das durch die Decke gehoben werden muss. «Meines Wissens eine Spezialanfertigung», sagt Elmiger, das Geschehen danebenstehend mitverfolgend. Um das spätere Gewicht tragen zu können, ist diese von zwei Lastwagen – einer davor, einer dahinter – hergebracht worden. Sie sind mit Kies oder Betonelementen beladen, damit die Bremsen bei der schweren Last der Ladung richtig funktionieren.

Punktgenaue Ausrichtung erfolgt mit Laserpointern

Bevor Hublader und Ventilator zusammenfinden können, muss Ersterer aber zunächst genau darunter platziert werden. Die Deckenlucke ist zuvor bereits auf einen anderen Lastwagen heruntergelassen worden. Damit der Lader nun zentimetergenau ausgerichtet werden kann, befindet sich an seinen beiden Enden je ein Laserpointer, der einen roten Punkt an die Decke projiziert. Die Punkte müssen auf einem hellen Band zu liegen kommen, das zuvor an der Decke befestigt worden ist. Nach rund einer Viertelstunde gelingt die korrekte Positionierung in der Breite. Ein genaues Auge braucht der beobachtende Mitarbeiter, der seine Kollegen via Funk koordiniert, danach bei der Ausrichtung der Länge. Nur ganz knapp touchiert der vordere Hebearm die Seitenmauer nicht. Speziell für den Einsatz des Laders wurde schon für frühere Verwendungen ein Teil der Mauerecke entfernt, damit er genau in den vorgesehenen Platz hineinpasst.

Mit dem präzisen Arbeiten ist es damit aber noch längst nicht getan. Auch der Lüftungsventilator und die ihn umhüllende, himmelblau lackierte Röhrenkonstruktion passen nur knapp durch die Deckenöffnung. Beim Bedienen der Fernsteuerung, welche die Hebearme in Bewegung setzt, ist eine entsprechend ruhige Hand gefragt. Diese stellt heute AfBN-Mitarbeiter David Imholz zur Verfügung. Mit dem Steuerknüppel, der sich auf dem umgehängten Gerät befindet, kann er die Hebearme derart langsam und präzis bewegen, dass die Veränderung kaum sichtbar ist.

David Imholz (links) vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) steuert den Spezial-Hublader. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)

David Imholz (links) vom Amt für Betrieb Nationalstrassen (AfBN) steuert den Spezial-Hublader. (Bild: Urs Hanhart, Airolo, 16. September 2019)

Ventilator gerät bewusst in leichte Schieflage

Der Schweiss fliesst dabei nicht in Unmengen zu Boden – nicht nur, weil sich die zuvor angekündigten 40 Grad dank permanentem Wind im Tunnel gar nie empfinden lassen. «Ein Stress ist das eigentlich nicht», sagt Imholz auf die Frage, ob das Steuern nicht auch mit Druck verbunden ist. Bei der Steuerung verlässt er sich ganz auf die Kommandos seiner vier Kollegen, die sich am Ventilator im Schacht über der Strasse befinden. Jeder von ihnen sitzt an einer der vier Halterungen, unter denen die Hebearme genau platziert werden müssen. Die vier Männer wiederum werden koordiniert von einem Mitarbeiter, der sich noch einen Stock über ihnen befindet und von dort aus die Gesamtübersicht hat. «Achtung, app!», kündigt Imholz eine der Abwärtsbewegungen an. Auf diese folgen Weitere, welche das tonnenschwere Lüftungsgerät seitwärts, wieder aufwärts, wieder runter oder gar in eine leichte Schieflage befördern – bis sie letztlich aus dem Schacht hinausmanövriert ist und in Richtung Boden gesenkt werden kann. Mit zentimeterdicken Schrauben wird sie danach definitiv auf den gelben Trägern befestigt.

So wird der Ventilator – übrigens einer von 23 im ganzen Gotthardtunnel – am nächsten Morgen in den Werkhof in Flüelen gebracht, wo er revidiert wird. «Er wird dort zerlegt, sandgestrahlt, gereinigt, neu beschichtet, die Verschleissteile werden ersetzt, der Motor gewartet, die Schaufeln geröntgt», sagt Michael Zgraggen, Gruppenleiter Mechanik beim AfBN. Bis das Gerät wieder einsatzbereit ist, sorgt an seiner Stelle ein Ersatz für frische Luft in der Strassenröhre. Im Frühling, nach rund 1000 Arbeitsstunden, wird der gewartete Ventilator dann wieder in den Tunnel zurückgebracht – um die nächsten 70'000 Betriebsstunden bis zur nächsten Revision in Angriff zu nehmen.

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