Weil das Schutzmaterial fehlt: Das Historische Museum in Altdorf kann noch nicht öffnen

Die Eröffnung der neuen Ausstellung im Historischen Museum Uri in Altdorf muss verschoben werden. Bei der Besorgung von Plexiglasschutzwand sowie Hygieneartikeln in grösseren Mengen lief nicht alles termingerecht

Rolf Gisler-Jauch*
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Die Sonderausstellung zur Urner Medizingeschichte steht im Historischen Museum bereit.

Die Sonderausstellung zur Urner Medizingeschichte steht im Historischen Museum bereit.

Bild: PD/Marlys Arnold-Gisler

Das Leben in der Zeit von Covid-19 geriet aus den Fugen. Es werden unzählige Kapitel geschrieben, die in die Geschichte eingehen werden. Als sich der Vorstand des Historischen Vereins Uri vor Jahr und Tag für das Thema «Urner Medizingeschichte» anlässlich der Sommerausstellung 2020 entschied, kam dem Gremium keineswegs hellseherische Fähigkeiten zu, sondern der Beweggrund bildete das in diesem Jahr anfallende 100-Jahr-Jubiläum der Urner Ärztegesellschaft. Und nun schreibt das Coronavirus eines der bedeutendsten Kapitel der Medizingeschichte.

Als der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausgerufen hatte, mussten auch die Museen schliessen. Das Historische Museum Uri hätte wegen der Winterpause sowieso erst Anfang Mai seine Pforten geöffnet. Dieser Beschluss traf somit vor allem das Ausstellungsteam um Walter Bär in seinen Vorbereitungen. Das Museum lebt insbesondere von der Ehrenamtlichkeit. Nebst dem Museumswartpaar gehören sämtliche sechs Helferinnen und Helfer als aktive «Ü65er» formell und altersmässig der Risikogruppe an. Die Vorbereitungen mussten eingestellt werden.

Angesichts der sinkenden Covid-19-Zahlen, lockerte der Bundesrat weitere Massnahmen und erlaubte nun unter anderem die Öffnung der Museen bereits ab dem 11. Mai. Voraussetzung war ein Schutzkonzept. Die Meldung war sehr erfreulich, doch auch überraschend. Nun musste etwas gehen. Es wurde beschlossen, das Museum auf den Samstag, 16. Mai, zu öffnen und die Öffnung wurde optimistisch öffentlich kommuniziert.

Der Verband der Museen der Schweiz (VMS) hielt ein geeignetes Schutzkonzept bereit, das es nun umzusetzen galt. Zuerst war jedoch ein personelles Problem zu lösen, durfte doch gemäss Schutzkonzept das bewährte Museumswartpaar Marlys und Kobi Arnold als «Ü65er» nicht in den Ausstellungsbetrieb einbezogen werden. Bei den «Arnolds» werden personelle Engpässe jedoch gleich familienintern dank der zweiten und dritten Generation gelöst.

Warten auf Hygieneartikel und Plexiglaswänden

Im Museum wird der Aufenthalt pro Raum auf fünf Personen beschränkt. Die unteren beiden Räume dürfen nur auf Anweisung des Aufsichtspersonals besucht werden. Bei der Besorgung von Plexiglasschutzwand sowie Hygieneartikeln in grösseren Mengen lief nicht alles termingerecht beziehungsweise es winkten leere Regale. Bei den Öffnungsanstrengungen hat die Einhaltung des Schutzkonzepts und damit die Gesundheit von Besucherinnen und Besuchern sowie des Museumspersonals oberste Priorität. Dem Konservator stellte sich zwar nicht die Gretchenfrage, sondern er sass vor der Entscheidung, das Museum «auf gut Glück» zu öffnen oder zuzuwarten, bis alle Vorschriften nicht nur geplant, sondern auch eingehalten werden können. Bilder von wartenden Besuchern vor dem geschlossenen Museum brachten zwar nicht schlaflose Nächte, erzeugten aber ein ungutes Gefühl.

Nun denn: Das Historische Museum wollte öffnen, kann es aber doch nicht. Sobald es trotzdem öffnen kann, erfährt man dies am schnellsten unter: www.hvu.ch. Die Website gibt den Mitgliedern des Historischen Vereins Uri dann auch den Hinweis, wann die Jahresversammlung stattfinden wird.

* Rolf Gisler-Jauch ist Konservator und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsarchiv Uri.

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