Urner Theatertruppe spielt ein Stück Weltliteratur

«Momänt & Co.» führt ab Samstag auf der Bühne im Theater Uri Molières «Le Malade imaginaire» auf. Die Suche nach Sponsorengeldern war nicht einfach. Der Vorverkauf ist aber bereits vor der Premiere gut angelaufen.

Markus Zwyssig
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Zwei Ärzte (Silvia Arnold und Stefan Gisler) fühlen Argan (Guido Infanger) den Puls; links im Hintergrund: Musiker Florian Arnold. (Bild: Corinne Glanzmann, Altdorf, 2. Januar 2019)

Zwei Ärzte (Silvia Arnold und Stefan Gisler) fühlen Argan (Guido Infanger) den Puls; links im Hintergrund: Musiker Florian Arnold. (Bild: Corinne Glanzmann, Altdorf, 2. Januar 2019)

Noch sitzen nicht alle Perücken. Da und dort wird ein Hut zurechtgerückt, damit man das Gesicht des Schauspielers besser sieht. Es wird an der Gestik, an der Aussprache und am Ausdruck gefeilt. Kurz vor der Premiere nutzen die Schauspieler der Theatertruppe Momänt & Co. auf der Bühne im Theater Uri die Zeit für letzte Korrekturen und Verbesserungen.

Molières Klassiker der Weltliteratur «Le Malade imaginaire» wird in Altdorf in einer Mundartfassung gespielt. Regisseur Jürg Schneckenburger hat im Vorfeld gründlich recherchiert und nicht nur Bücher über das Leben und die Werke Molières studiert. Er hat sich auch intensiv mit den verschiedenen Übersetzungen befasst. «Nicht in allen Übersetzungen wird gleichermassen sorgfältig mit der Sprache umgegangen», sagt Schneckenburger. Die von ihm erarbeitete Bühnenfassung verwendet Passagen verschiedener Vorlagen. «Ich habe das Stück vor allem von den Spielmöglichkeiten her bearbeitet», erklärt er seine Vorgehensweise.

Die Rollenverteilung war schon früh klar

«Ein grosser Vorteil war für mich, dass ich schon beim Bearbeiten gewusst habe, wer welche Rolle spielt», so Schneckenburger. Auch habe er viel gekürzt, so dass das Stück nun rund 90 Minuten – ohne Pause – dauern wird.

Die Schauspieler reden auf der Bühne vornehmlich «Ürnertitsch». Hauptdarsteller Guido Infanger spricht jedoch Nidwaldner Dialekt und auch Beatrice Gasser verleugnet ihre Berner Wurzeln nicht. Des Weiteren spielen mit: Madlen Arnold, Silvia Arnold, Rosa Brand, Stefan Gisler, Corinne Gnos, Caroline Jauch, Sandra Lussmann-Arnold und Rahel Ziegler.

Jürg Schneckenburger führt zum zweiten Mal bei einer Produktion von «Momänt & Co.» Regie. Vor zwei Jahren brachte er «Die Hochzeit» von Bertolt Brecht auf die Bühne. Der 57-jährige Schneckenburger ist im Kanton Uri vor allem bekannt geworden durch seine zahlreichen Arbeiten für das Jugendtheater Altdorf und weitere Theaterprojekte mit Mario Schelbert und insbesondere mit Benno Muheim.

Molières Komödie bringt den Zuschauer zum Lachen, aber auch zum Nachdenken über den Tod und über die Künste der Mediziner. Schneckenburger hat sich für die aktuelle Produktion an der Commedia dell’arte orientiert. Diese Form des traditionellen Theaters war vor allem in Italien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert beliebt. Daher hat die Inszenierung durchaus auch operettenhafte Züge. Florian Arnold sorgt mit seiner Handorgel für Rhythmus und Klänge. Schauspieler bilden den Chor und bedienen Rhythmus- und Blasinstrumente. Monica Gogniat ist für die Choreografie verantwortlich und als Regieassistentin tätig.

Die Älteren helfen noch im Hintergrund mit

Die Theatertruppe Momänt & Co. wurde 1992 gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelles, engagiertes, anspruchsvolles, aber auch unterhaltsames Theater zu zeigen. Seit der Freilichtaufführung «Indergand» wird diese Zielsetzung in der Regel alle zwei Jahre auf der Bühne des Theaters Uri umgesetzt. Von der Stammbesetzung sind - wie schon vor zwei Jahren - nur noch Stefan Gisler und Sandra Lussmann dabei.

Die älteren Mitspieler haben sich zwar von der Bühne verabschiedet. Sie sind aber weiterhin mit dem Theater verbunden. So stammt die Mundartüberarbeitung von Marco Schenardi. Auch ist Luca Schenardi für die Grafik und das Plakat verantwortlich.

Todkranker Molière verstarb nach der vierten Aufführung

Die weltbekannte Komödie «Le Malade imaginaire» war Molières letztes Theaterstück. Uraufgeführt wurde es 1673. Molière war zu jener Zeit bereits todkrank. Der Autor liess es sich aber nicht nehmen, die Hauptrolle selber zu verkörpern. Bei der vierten Aufführung erlitt er einen Blutsturz und starb noch in seinem Kostüm nur wenige Stunden später.

Erzählt wird die Geschichte von Argan (Guido Infanger), einem eingebildeten Kranken. Er schwört auf die Verheissungen der Medizin. 24 Stunden am Tag will er von den Ärzten umgeben sein.
Dem Hypochonder Argan hat sich alles und jeder unterzuordnen. Tochter Angélique (Rahel Ziegler) soll um jeden Preis mit einem Arzt (Silvia Arnold) verheiratet werden, obwohl ihr Herz für einen anderen jungen Mann schlägt. Das Hausmädchen Toinette (Madlen Arnold) kämpft mit Witz und Esprit für die Rechte der Frau und verhilft der jungen Liebe, trotz aller Widrigkeiten, trotzdem noch zum Durchbruch. (MZ)

Gelder fürs Theater fliessen nur harzig

Genügend finanzielle Mittel für kulturelle Projekte zu finden, wird immer schwieriger. Stefan Gisler, Präsident von «Momänt & Co.», gibt offen zu, dass es nicht einfach war, genügend Sponsoren zu finden. Vor allem jetzt nach der Uri 18 müsse man deutlich mehr Anstrengungen unternehmen, als in früheren Jahren. «Wir dürfen aber insbesondere auf die Unterstützung vieler Stiftungen zählen.» Ein wenig ruhiger schlafen kann Gisler vor der Premiere nun dennoch. Der Vorverkauf ist gut angelaufen. «Wir haben schon rund ein Drittel der Tickets verkauft.»

Die Premiere findet morgen Samstag, 5. Januar, statt. Weitere Aufführungen: 9., 11., 12., 13., 16., 18., 19., 20., 24., 25., 26., 27., 30. Januar sowie am 1., 2., 3., 6. und 8. Februar. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr. Billette gibt es beim Theater Uri und am Schalter der Urner Zeitung sowie unter ticketino.com.