Wenn die Seilbahn Teil des Schulwegs ist

Was für Touristen und Wanderer ein Erlebnis ist, gehört für viele Bewohner auf dem Haldi zum Alltag. Auch die Familie Arnold benutzt fast täglich die Luftseilbahn. Sie erklärt, warum die Bahn für die Familie ein nicht mehr wegzudenkendes Verkehrsmittel ist.

Remo Infanger
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Tim, Yvonne und Tino Arnold (von links) sind froh, die Seilbahn in renovierter Form wieder benutzen zu können. (Bild: Remo Infanger, Haldi, 29. August 2018)

Tim, Yvonne und Tino Arnold (von links) sind froh, die Seilbahn in renovierter Form wieder benutzen zu können. (Bild: Remo Infanger, Haldi, 29. August 2018)

Die Einen pendeln mit dem Zug, andere fahren mit dem Auto zur Arbeit. Manchmal aber geht es mit der Luftseilbahn am schnellsten. Das weiss auch die dreiköpfige Familie Arnold. Fünf Gehminuten von der Bergstation der Luftseilbahn Schattdorf-Haldi (LSH) sind Tino und Yvonne Arnold mit ihrem elfjährigen Sohn Tim zu Hause.

Wie viele andere Bewohner benutzt die Familie die Bahn fast täglich. «Die Seilbahn ist eine nicht mehr wegzudenkende Ergänzung zur Bergstrasse», sagt Yvonne Arnold. «Besonders im Winter, wenn es glatt wird auf der Strasse, sind wir froh um die Bahn.» Am stärksten auf die Seilbahn angewiesen ist aber das jüngste Familienmitglied. Tim Arnold besucht die sechste Primarklasse in Schattdorf. Viermal täglich steigt er in die Kabine der Luftseilbahn – fürs Mittagessen geht er nach Hause. Was für Berggänger oder Touristen ein luftiges Erlebnis mit Panoramablick ist, gehört für den Schüler zum Alltag. «Es ist schon cool, so zur Schule zu fahren, aber man gewöhnt sich halt dran», sagt Tim.

Darum wurde während der Sommerferien saniert

Die fünfminütige Fahrt in der Kabine wissen die Schüler zu nutzen. «Meisten quatschen wir einfach ein bisschen. Auch schon haben wir während der Fahrt das Gelernte vor einer Prüfung nochmals kurz repetiert», so Tim.

Vom 2. Juli bis zum 27. August wurde der Betrieb eingestellt, um die LSH auf Vordermann zu bringen und die ablaufende Konzession des Bundesamtes für Verkehr zu erneuern. «Neben einer neueren Kabine wurde die Steuerung modernisiert sowie der gesamte Antrieb mit Motor, Seiltrieb und Hydraulik ersetzt», erklärt Thomy Kempf. Als Projektleiter bei der Garaventa AG war er für die Revision der LSH verantwortlich. «Die Herausforderung bestand darin, die umfangreiche Sanierung in acht Wochen fertig zu bekommen».

Mit einer Kuhglocke bedankte sich Thomas Kempf von der Garaventa AG (ganz rechts) bei Thomas Dillier, Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Luftseilbahn Schattdorf-Haldi, für die gute Zusammenarbeit. (Bild: Georg Epp, Haldi, 1. September 2018)

Mit einer Kuhglocke bedankte sich Thomas Kempf von der Garaventa AG (ganz rechts) bei Thomas Dillier, Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Luftseilbahn Schattdorf-Haldi, für die gute Zusammenarbeit. (Bild: Georg Epp, Haldi, 1. September 2018)

Weil über 40 Schüler auf die Seilbahn angewiesen sind, habe man die Arbeiten während der Sommerferien durchgeführt. «Dank guter Planung und der eifrigen Mitarbeit des LSH-Teams haben wir die Bahn pünktlich der Gesellschaft übergeben können», so Kempf. Für die Familie Arnold bedeutet das wieder mehr Flexibilität. «Die Sanierung ist für die Bewohner auf dem Haldi ein wichtiges Zeichen, dass die Bahn auch weiterhin erhalten bleibt», sagt Tino Arnold.

Per Zufall auf der Jungfernfahrt dabei

Die Jungfernfahrt hat die Seilbahn hinter sich. Durch einen Zufall war auch Tim Arnold an Board. «Weil ich die Ziegenschau in Rothenthurm besucht habe, nahm ich frühmorgens zusammen mit einem Kollegen das erstbeste ‹Bähnli›», erinnert er sich. Ohne es zu wissen, war Tim somit der Allererste, der den fahrplanmässigen Kurs der neuen Haldi-Bahn einweihte.

Am Tag der offenen Tür erläuterte Maschinist Peter Furger die neuen Steuerungselemente. (Bild: Georg Epp, Haldi, 1. September 2018)

Am Tag der offenen Tür erläuterte Maschinist Peter Furger die neuen Steuerungselemente. (Bild: Georg Epp, Haldi, 1. September 2018)

Bevölkerung feiert renovierte Seilbahn

Am Samstag freute sich Verwaltungsratspräsident Thomas Dillier, die Bevölkerung und geladene Gäste zur Eröffnungsfeier der renovierten Luftseilbahn Schattdorf-Haldi (LSH) im bereitgestellten Zelt bei der Bergstation zu begrüssen.

Die Freude über die gelungene Renovation war auf der Sonnenterrasse so gross, dass auch der Himmel für einmal kalte Freudentränen vergoss. Dillier freute sich, dass das Vorhaben ohne Unfälle, im gesteckten Zeitrahmen über die Bühne gehen konnte. «Dazu brauchte es eine gute Vorbereitung und professionelle und konzentrierte Arbeit der beteiligten Unternehmer.» In die Totalsanierung wurden 1,6 Millionen Franken investiert, die LSH steuerte 300000 Franken bei.

Über 5000 Arbeitsstunden in die Renovation investiert

Edgar Welti, Technischer Leiter der Bahn, setzte sich einen sportlichen Zeitplan von nur acht Wochen Unterbruch des Betriebs. An total 54 Arbeitstagen wurden über 5000 Arbeitsstunden in die Renovation investiert. Erneuert wurden die Umlenkscheiben in der Talstation, die Laufwerke und die Kabinen wurden total renoviert. In der Bergstation montierte die Garaventa AG allein rund 15 Tonnen Material in den neuen Antrieb und die Firma Sisag lieferte ihre neu konzipierte Steuerung. Welti zeigte sich auch erfreut, dass in der vorgeschriebenen Nachtrettungsübung vom 20. August alles bestens klappte.

Landesstatthalter Urban Camenzind überbrachte den Dank der Urner Regierung: «Die Luftseilbahn ist und bleibt für den Tourismus und für unseren Kanton eine wichtige Bahn.» Der Schattdorfer Gemeindepräsident Rolf Zgraggen bedankte sich im Namen der Gemeinden Schattdorf und Bürglen bei den Verantwortlichen für die gelungene Sanierung. Pfarrer German Betschart stellte die Luftseilbahn unter den Machtschutz Gottes.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier vom Musikverein Haldi, von der Alphorngruppe «äänet am Schächä» und vom Ländlertrio Haldigrüäss. Ein Wettbewerb mit attraktiven Preisen rundete die gelungene Eröffnungsfeier ab. (EG)