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WERKHOF: Roger Nager: «Ein paar Eimer Farbe reichen nicht»

Am Mittwoch befindet der Landrat über einen Projektierungskredit für einen fast 9 Millionen Franken teuren Neubau des Werkhofs. Das sei die günstigste aller Varianten, sagt Baudirektor Roger Nager im Interview.
Florian Arnold
Ein Blick ins Innere des Werkhofs im Galgenwäldli. (Bild: Angel Sanchez (14. März 2018))

Ein Blick ins Innere des Werkhofs im Galgenwäldli. (Bild: Angel Sanchez (14. März 2018))

Interview: Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Für 8,8 Millionen Franken will die Regierung einen neuen Werkhof für den Betrieb Kantonsstrassen bauen – und zwar auf der Wiese zwischen dem Tellpark in Schattdorf und den Dätwyler-Fabrikgebäuden. Eine Sanierung des bestehenden Werkhofs im Galgenwäldli mache keinen Sinn. Standort, Kosten und Konzept geben zu reden. Baudirektor Roger Nager nimmt Stellung.

Roger Nager, für den neuen Werkhof kamen verschiedene Alternativen in Frage. Wieso hat man sich gegen die Werkmatt, das Ruag-Areal oder die Einmietung in eine private Liegenschaft entschieden?

Insgesamt haben wir zusammen mit dem Amt für Raumentwicklung (ARE) 17 Standorte im Talboden geprüft. Neben der Eignung der Standorte waren die finanziellen Aspekte wichtig. In der Werkmatt Uri ist ein Werkhof nicht zonenkonform, also nicht bewilligungsfähig. Auf dem Ruag-Areal hätten wir das Land nicht kaufen können, sondern hätten im Baurecht bauen müssen, was erheblich teurer gewesen wäre. Und private Liegenschaften zur Miete standen nicht zur Verfügung und wären auf lange Sicht wohl teuer gewesen.

Was spricht für den Standort neben dem Tellpark?

Die Lage der Parzelle Rossgiessen ist sehr zentral. Es gibt genügend Land für den Neubau. Der Grundeigentümer ist verkaufsbereit. Zudem ist ein Werkhof im Industriegebiet zonenkonform.

Gibt es auch negative Punkte am neuen Standort?

Nach einer ersten Information haben wir bei Vertretern des Gemeinderates gewisse Vorbehalte gespürt. Man hätte an diesem Standort offenbar lieber hochwertigere Arbeitsplätze. Das können wir gut nachvollziehen. Aber schliesslich brauchen auch unsere «Chrampfer» einen guten Platz. Wichtig ist, dass der Werkhof zentral liegt. Zudem kann Schattdorf gewisse Synergien nutzen, beispielsweise beim Salzsilo oder den Waschboxen.

Gibt es einen Plan B, wenn der Landrat Nein sagt?

Lehnt der Landrat den Projektierungskredit ab, müssen wir nochmals über die Bücher und analysieren, warum der Entscheid negativ war. Über kurz oder lang käme die Totalerneuerung wieder aufs Tapet. Bis dahin müssten am alten Standort unnötige und nicht nachhaltige Investitionen getätigt werden. Man muss sich bewusst sein: Der Werkhof Galgenwäldi ist sehr alt und wurde nie saniert. Die am stärksten genutzten Gebäude stammen aus den 1950er-Jahren. Ein paar Eimer Farbe und neue Fenster alleine werden da kaum ausreichen.

Im Bericht der Regierung wird der alte Werkhof beinahe als «totgeweiht» dargestellt. Hofft man so, dass die Landräte einfach mit dem Kopf nicken?

Ich habe den Landrat bisher nicht als eine Gruppe von unkritischen Kopfnickern erlebt. Der Rat versteht es gut, unsere Projekte kritisch zu hinterfragen, und setzt sich, wenn aus seiner Sicht nötig, vehement für Verbesserungen ein. Das wird auch bei der Sanierung des Werkhofs der Fall sein. Und falls Zweifel an der Notwendigkeit bestehen, bin ich gerne bereit, mit den Landräten einen Augenschein in den alten Räumen vor Ort zu nehmen. Die landrätliche Baukommission hat das bereits gemacht und den Handlungsbedarf erkannt.

Wenn die Lage schon so kritisch ist: Übersteht der alte Werkhof die Übergangsfrist, bis der Neubau steht, oder sind Akutmassnahmen notwendig?

Nach Sicherheitsaudits in den Jahren 2012 und 2015 mussten wir bereits Massnahmen treffen. Diese behindern den Betrieb heute zusätzlich. Gemäss aktuellem Kenntnisstand müssen wir keine weiteren Notmassnahmen treffen. Der Werkhof sollte die Zeit bis zum Neubau überstehen. Es geht mir aber nicht nur um die Infrastruktur. Unsere Mitarbeiter müssen täglich im total veralteten Gebäude arbeiten. Gerade im Winter ist das sehr hart. Die Werkstätten sind nicht oder nur teilweise geheizt. Es kam mehrmals vor, dass die Schneeräumungsmaschinen in der Garage über Nacht nicht voll abtauen konnten. Das ist kein angemessener Arbeitsort.

900 000 Franken für die Planung und fast 9 Millionen für den Bau. Das tönt nach exorbitanten Summen. Was macht dieses Vorhaben so teuer?

Schaut man auf die nackten Zahlen, ist das viel Geld. Etwa so viel, wie wir in den Erweiterungsbau des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri investiert haben. Mit dem Neubau des Werkhofs ersetzen wir insgesamt fünf Gebäude mit Büroräumen, Werkstätten, Garagen, Lagerhallen, Waschanlagen et cetera. Das gibt es nicht zum Nulltarif. Bereits bei der Testplanung wurde auf ein flächenoptimiertes Projekt geachtet.

Strebt man denn eine Luxuslösung an?

Das können und werden wir uns nicht leisten. Selbstverständlich haben wir unser Projekt von externen Fachleuten mit anderen, ähnlich grossen Werkhöfen verglichen. Unsere Lösung schnitt da klar am besten ab. Wie Sie im Landratsantrag sehen, ist der Neubau an einem neuen Standort wirtschaftlich die günstigste Lösung. Alle anderen Varianten sind teurer. Wir wollen transparent aufzeigen, wo der Franken mit dem grössten Nutzen investiert werden kann.

Der Kanton investiert bald in die West-Ost-Verbindung, den Bahnhof Altdorf und das Spital. Kann er sich überhaupt einen neuen Werkhof leisten?

Ganz klar ja. Wie die WOV, der Bahnhof Altdorf oder das Spital ist der Neubau des Werkhofs im Finanzplan eingerechnet. Wir wussten seit Längerem, dass diese Ausgabe kommt, und haben das entsprechend eingeplant.

Aber kommt man nicht zur falschen Zeit mit diesem Anliegen, nachdem man seit Jahren Kenntnis hat vom desolaten Galgenwäldli?

Gegenfrage: Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt? Die Sanierung wurde in den vergangenen Jahren aus Spargründen immer wieder nach hinten geschoben. Während dieser Zeit hat sich der Werkhof nicht einfach von alleine erholt. Heute ist die Situation so, dass wir jede grössere Unterhaltsmassnahme nicht mehr amortisieren können. Wenn wir also zu lange so weitermachen, geben wir unter dem Strich mittelfristig unnötig Geld aus. Natürlich könnte man auch diesen Weg einschlagen. Wir meinen aber, es ist die Pflicht der Baudirektion, die Öffentlichkeit auf diesen Umstand deutlich hinzuweisen.

Die Parzelle des neuen Standorts ist unwesentlich grösser als die alte. Wie kann so eine Verbesserung für die Arbeiter erwirkt werden?

Bei so einem Projekt spart man am effektivsten über die Fläche. Darum haben wir das Raumprogramm mehrmals überarbeitet und bauen nur das Notwendige. Die Verbesserung für die Arbeiter wird dennoch erreicht, denn wir können die Räume neu und sinnvoll anordnen und zeitgemäss einrichten. Im Galgenwäldli mussten einzelne Bereiche aus Gründen der Arbeitssicherheit ausser Betrieb genommen werden. Das ist schlicht und einfach kein tolerierbarer Zustand mehr.

Der Neubau soll einen modernen Betrieb ermöglichen. Lassen sich dadurch auch Betriebskosten einsparen?

Es kommen immer mehr Aufgaben auf den Betrieb Kantonsstrassen zu, die wir auf absehbare Zeit wohl mit dem gleichen Personalbestand stemmen müssen. Die Bedürfnisse der Bevölkerung auf gut unterhaltene und im Winter geräumte Strassen sind gross, vom Talboden bis hinauf auf die Passhöhen. Laufen die Arbeitsschritte im Werkhof besser und schneller ab, bleibt mehr Zeit für die Arbeiten draussen bei den Leuten.

Im Galgenwäldli soll ein grosses Entwicklungspotenzial vorhanden sein. Was ist dort vorstellbar?

Wie man entlang der Gotthardstrasse sehen kann, wäre eine Ansiedlung zum Wohnen und fürs Gewerbe gut möglich. Mit der Nähe zur WOV und zum Naherholungsgebiet Galgenwäldi ist die Lage für vielerlei Nutzungen sehr attraktiv.

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