Weshalb zieht es so viele nach Balmenschachen? «Hier haben wir unser Paradies»

Gletschersicht und Bachrauschen: In den elf sonnengebräunten Ferienhäusern im Balmenschachen sind regelmässig viele Bristner oder Heimwehbristner anzutreffen.

Paul Gwerder
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An Mariä Himmelfahrt trifft man sich bei Paul Gerig im Maderanertal.

An Mariä Himmelfahrt trifft man sich bei Paul Gerig im Maderanertal.

Bild: Paul Gwerder (Balmenschachen, 15. August 2020)

Der Wanderer erreicht von der Golzern Talstation entlang dem wild rauschenden Chärstelenbach nach etwas mehr als einer Stunde die Siedlung Balmenschachen. Auf rund 1200 m.ü.M. führt der Weg über ein Talsträsschen. Vorbei an Bergwiesen und durch Waldpartien zur «Legni» und von hier zur Alp Stössi und zuletzt über die Schachenbrücke ins Bilderbuchparadies. Dort verbringen fast nur ehemalige Bristner oder Heimwehbristner ihre Ferien in den elf sonnengebräunten Ferienhäusern. Das ist ähnlich wie in Äsch oder im Brunnital – dort trifft man ebenfalls nur Schächentaler an.

An Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, sassen vor dem zweitletzten Ferienhaus neun Personen und unterhielten sich über Gott und die Welt. Dieses ehemalige «Gaissgädeli» konnte der heute 66-jährige Paul Gerig aus Silenen von seinen Vorfahren abkaufen. An diesem sonnigen und warmen Tag sassen neben seiner Frau auch noch Schwestern von ihm und ein paar Freunde am Tisch. Auf die Frage, weshalb sie immer wieder hier im Balmenschachen anzutreffen seien, waren sich alle mit der Antwort einig: «Hier ist noch Natur pur, es gibt wunderschöne Bergblumen und neben dem Rauschen des Chärstelenbaches ist fast nichts zu hören. Und alle sind froh, können sie hier ihre Ferien und freien Tage verbringen». Paul Gerig sprach für alle: «Wir sind sehr viel da, denn hier haben wir alles, was wir brauchen. Von hier können wir abwechslungsreiche Wanderungen unternehmen und deshalb kommen auch unsere Kinder gerne ins Maderanertal». Gerig wird es sowieso nie langweilig, denn er hat noch eine faszinierende Tätigkeit. In der Nähe wohnen seine Bienen, welche er regelmässig besuchen muss. Froh sind alle Ferienleute im Maderanertal, dass sie seit einigen Jahren eine direkte Erschliessungsstrasse haben, das macht den Zugang recht viel einfacher. Die Ferienleute lieben die vielfältige Alpenflora in dieser weitgehend unberührten Natur mit herrlicher Sicht auf die Gletscher und Wasserfälle und sogar kristallklare Bergseen gibt es in der Nähe.

Mit den Nachbarn ein Glas Wein trinken

Die Ferienleute im Balmenschachen kennen sich alle recht gut. «Wir haben mit allen Menschen hier einen sehr guten Kontakt. Feindschaften untereinander kennen wir nicht», so Gerig. Häufig sitzen sie mit einigen Nachbarn zusammen – entweder hier oder ein paar Meter weiter vorne bei einem anderen Ferienhausbesitzer und trinken ein gutes Glas Wein zusammen. Recht gut erinnern sich die heimatverbundenen Ferienleute an frühere Jahre, dann war hier noch viel mehr los und es gab einen Lebensmittelladen und eine Sägerei.

Ein paar Häuser weiter entfernt sitzt der 73-jährige Martin Jauch mit seiner Frau Berta bei einem Kaffee an einem Tisch und geniesst das schöne Wetter. «Dieses Haus konnten ich und mein Bruder zusammen von unseren Grosseltern abkaufen. Und danach gab es für uns viel Arbeit mit der Renovation des alten Alphüttlis», erinnerte sich Martin Jauch. Und in einem sind sich das Ehepaar Jauch einig: Es gefalle ihnen je länger je besser im Balmenschachen, «denn hier haben wir unser Paradies.» Langweilig wird es der Familie Jauch nie, denn oft kommen ihre Kinder mit den Grosskindern zu Besuch oder verbringen ein paar Ferientage im Maderanertal.

In den elf Ferienhäusern sind fast nur Bristner-stämmige Leute anzutreffen.

In den elf Ferienhäusern sind fast nur Bristner-stämmige Leute anzutreffen.

Bild: Paul Gwerder
(Balmenschachen, 15. August 2020)

«Ans Aufgeben dachte zu dieser Zeit niemand in Balmenschachen»

Schlechte Erinnerung hat das Ehepaar an das Unwetter vom 22. August im Jahr 2005. Damals wurde die Alpsiedlung Balmenschachen stark von einer riesigen Ribi «übermurt», zehn Häuser sind stark beschädigt worden und ein Ferienhaus ist sogar spurlos verschwunden. Die Maderanertalstrasse wurde auf einer Länge von einem Kilometer zerstört und war nicht mehr befahrbar. Dank der nachbarlichen Hilfe und monatelanger Arbeit konnten alle Häuser wieder renoviert werden. «Ans Aufgeben dachte zu dieser Zeit niemand im Balmenschachen», betonte Jauch. Seine Frau hat aber heute noch ein ungutes Gefühl, wenn ein Gewitter angesagt ist.

Vom Balmenschachen gibt es zahlreiche Wandermöglichkeiten und die SAC Hütten liegen für gut Trainierte ebenfalls nicht allzu weit entfernt. Zu dieser Jahreszeit geht Martin Jauch häufig an die Heidelbeeren und seine Frau sucht Pilze in der Umgebung, so läuft immer etwas. Martin Jauch ist aber nicht nur im Sommer oft hier anzutreffen, denn er geht mit den Schneeschuhen bei sicheren Schneeverhältnissen gerne ab und zu einmal im Winter zu seinem Ferienhaus.