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WESTERNREITEN: «Ich will der Beste in Europa werden»

Der Urner Bruno Zurfluh betreibt ein spezielles Hobby. Für die Western-Disziplin Reining investiert er viel Zeit und möchte bald der internationalen Konkurrenz die Stirn bieten.
Philipp Zurfluh
Bruno Zurfluh ist fokussiert im Einsatz bei einem Wettkampf in Deutschland. (Bild: Dirk Büttner (Bitz, 29. April 2017))

Bruno Zurfluh ist fokussiert im Einsatz bei einem Wettkampf in Deutschland. (Bild: Dirk Büttner (Bitz, 29. April 2017))

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Schnelle Drehungen, Stopps aus vollem Galopp und kontrolliertes Rückwärtsgehen: Bei diesen Manövern auf seinem Pferd ist der 35-jährige Bruno Zurfluh voll im Element und kann seiner Leidenschaft nachgehen. Die Rede ist von Reining. Es ist eine Form der Dressur des Westernreitens, bei der verschiedene Manöver ausgeführt werden. Ein Sport, der in der Schweiz kaum Bekanntheit und nur spärliche Medien- und TV-Präsenz geniesst.

Beim Reining ist vor allem eine gut funktionierende Beziehung zwischen Tier und Mensch entscheidend. «Das ist eine riesengrosse Herausforderung», betont Bruno Zurfluh, der im Kanton Uri aufgewachsen ist und jetzt im Aargau lebt. Um erfolgreich zu sein, brauche es jahrelanges Training. «Es gibt keine Anleitung, wie man diesen Sport richtig gut macht. Deshalb heisst es üben, üben und nochmals üben.» So müsse man äusserst präzise arbeiten, ansonsten passiere schnell ein Fehler.

Nicht nur an den Reiter stellt die Disziplin extrem hohe Anforderungen. Auch der Körper und die Psyche des Pferdes werden arg strapaziert, erklärt Zurfluh. «Das ideale Reining-Pferd ist wendig, aber trotzdem gut bemuskelt», sagt Bruno Zurfluh. Aber nicht nur: «Das Pferd muss sensibel auf die Vorgaben des Reiters reagieren und nervenstark sein.» Und Zurfluh ergänzt: «Das Pferd muss mir voll vertrauen, sonst funktioniert nichts.» Eindrücklich ist vor allem das Manöver Sliding Stop. Bei diesem bremst das Pferd im Bruchteil einer Sekunde von rund 60 Stundenkilometern auf null herunter. «Dieses Manöver braucht viel Training», so der 35-Jährige. So wird zum Beispiel auf eine Wand zugeritten, um dann abrupt abzubremsen und kurz vor der Wand zum Stehen zu kommen.

«Vielen Pferden wird der Wille gebrochen»

Hier drängt sich die Frage nach dem tiergerechten Umgang mit Pferden auf. «Die meisten Trainer gehen fürsorglich und fair mit den Tieren um», sagt Zurfluh. Doch wie überall im Spitzensport würde es schwarze Schafe geben. «Vielen Pferden wird der Wille gebrochen, weil sie nicht gut genug sind.» Auch Doping sei in der Szene ein vieldiskutiertes Thema. Doch an den Wettkämpfen würde es oft Kontrollen geben.

Der gelernte Bautechniker hat seine Leidenschaft fürs Reining erst vor einigen Jahren entdeckt. Vorher war er vor allem als Boxer tätig. Auch dem Schweizer Bobverband gehörte er an und stand sogar im Olympiakader.

Den ersten Kontakt mit Pferden hatte er vor rund zehn Jahren bei Freunden in Brasilien auf einer Ranch, als er ihnen beim Eintreiben von Rindern behilflich war. Er war derart fasziniert, dass er in der Schweiz selber ein Pferd kaufte.

Vor rund einem Jahr hat Zurfluh Kontakt aufgenommen mit Grischa Ludwig, einem international erfolgreichen deutschen Westernreiter, und ihn gefragt, ob er mit seinem Pferd vorbeikommen könne, um zu trainieren. «Grischa Ludwig hat sofort zugesagt, und ich konnte dort in Deutschland zwei Monate lang trainieren und einige andere Pferde von Grischa Ludwig reiten», sagt Zurfluh. Nun fahre er an jedem freien Tag nach Deutschland und trainiere auf der Ranch des Profi-Westernreiters. «Beim Reining ist es unmöglich, es selber zu erlernen, deshalb brauche ich Trainingspartner.» Auch mit Phil Küng, einem 26-jährigen Profi-Westernreiter, arbeitet er zusammen, um noch besser zu werden.

Zurfluh muss tief in die Taschen greifen

Wenn man an die Weltspitze wolle, sei auch ein Spitzenpferd die Voraussetzung dafür. «Die beste Blutlinie von einem Hengst und einer Stute ist deshalb vorauszusetzen», meint Zurfluh. «Mein Ziel ist es, in zwei bis drei Jahren in der Kategorie Non-Pro der beste Reiter in Europa zu sein.» Diese ist die Amateurkategorie. Um dieses Vorhaben zu realisieren, nutzt er jede Minute seiner Freizeit fürs Training und steckt seine gesamten ersparten finanziellen Mittel in seine Passion. Denn sein Hobby ist teuer: «Nur schon die Teilnahme an einem Wettkampf kann mehrere tausend Franken kosten.» Doch um sein Ziel zu erreichen, ist er bereit, alles zu tun.

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