Wie Sepp Herger zu seinem Hobby als Hornschlittenfahrer kam

Sepp Herger feiert am Dienstag, 19. März, mit Tausenden anderen «Sepp», «Josef», und «Josefina» Namenstag. Das gibt Anlass, die Karriere der «Seppersleut» des Hornschlittenclubs Uri Revue passieren zu lassen.

Philipp Zurfluh
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An der Hornschlitten-Europameisterschaft im Februar 2019 in Italien gewannen die Urner «Seppersleut» die Bronzemedaille. (Bild: PD, Lungiarü, 10. Februar 2019)

An der Hornschlitten-Europameisterschaft im Februar 2019 in Italien gewannen die Urner «Seppersleut» die Bronzemedaille. (Bild: PD, Lungiarü, 10. Februar 2019)

In der Zentralschweiz kann man sich kaum über zu wenige Feiertage beklagen. Gegenüber den reformierten Kantonen haben die Katholiken aufs Jahr hochgerechnet gut und gerne eine Woche mehr frei. Fronleichnam, Mariä Empfängnis und Allerheiligen lassen grüssen. Und auch der «Seppitag» am 19. März ist ein gesetzlicher Feiertag in bestimmten überwiegend katholisch bevölkerten Kantonen der Schweiz (Uri, Nidwalden, Schwyz, Tessin, Wallis; einzelne Gemeinden in Graubünden, Luzern, Solothurn, Zug), ebenfalls im Fürstentum Liechtenstein sowie in Kolumbien.

Sepp Herger aus Bürglen. (Bild: Philipp Zurfluh)

Sepp Herger aus Bürglen. (Bild: Philipp Zurfluh)

Jemand, der am «Seppitag» Namenstag hat, ist Sepp Herger aus Bürglen. Die meisten kennen ihn wohl vor allem im Zusammenhang mit dem Begriff «Seppersleut». Wenn man ans Hornschlittenfahren denkt, kommt man um die «Seppersleut» vom Hornschlittenclub Uri nicht herum. Das Team um Steuermann Richi Arnold, Bremser Sepp Herger und Hintermann Thomy Gisler vom Hornschlittenclub Uri, sorgte seit Jahren für Schlagzeilen. Vor 15 Jahren haben sie ein eingeschworenes Trio gebildet. Zu den grössten Erfolgen gehören der Schweizer-Meister-Titel 2018 und die EM-Bronzemedaille im Februar 2019. Dieser Auftritt auf europäischer Stufe war gleichbedeutend mit dem Rücktritt der drei Sportler. Der dritte Rang an der EM vor rund einem Monat war der perfekte Abgang. «Unser Traum war es schon immer, bei einer EM auf dem Podest zu stehen», sagt Sepp Herger stolz.

Lockere Atmosphäre statt Verbissenheit

Zum Hornschlittenfahren ist der 44-Jährige wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Er erinnert sich:

«Es war im Jahr 1999 an einem Freitagabend, als ich im Ausgang bei einem Bier von einem Freund gefragt wurde, ob ich Lust hätte an einem Hornschlittenrennen teilzunehmen, da ein Team noch nicht komplett war.»

Sepp Herger zögert keinen Moment und sagt zu. Es habe ihn zwar Überwindung gekostet. Die Leidenschaft zu diesem Sport lässt den Anlagetechniker aber nicht mehr los. «Es ist ein Teamsport und man verbringt viel Zeit zusammen.» Auch ausserhalb der Wettkämpfe herrsche unter den Hornschlittenfahrern eine lockere Atmosphäre, nicht so verbissen wie in anderen Sportarten.

Im Kanton Uri hat das Hornschlittenfahren vor allem durch das «Hooräschlittärännä» im Brunnital bei Unterschächen Bekanntheit erlangt. Der Anlass hat sich zu einem wahren Volksfest entwickelt. Die Rennen waren äusserst beliebt. So nahmen stets zwischen 30 und 60 Teams teil. Den meisten Teams ging es jeweils nicht ums Gewinnen, vielmehr stand der Spass im Vordergrund. 2016 wurde die Veranstaltung zum letzten Mal durchgeführt. «Die Organisation war mit immer mehr Aufwand verbunden. Irgendwann wollte niemand mehr Verantwortung übernehmen», bedauert der Bürgler. Selbst wenn das Hornschlitteln nach wie vor den Status einer Tradition geniesst, so scheint diese allmählich zu bröckeln. «Andere Sportarten ziehen bei den Jungen viel mehr.»

Was den Hornschlittenfahrern all die Jahre hinweg Schwierigkeiten bereitet hat, waren die mangelnden Trainingsmöglichkeiten. «In der Schweiz gibt es heute keine einzige Natureis-Rodelpiste.» So waren sie teilweise gezwungen ins Südtirol zu fahren, um dort zu trainieren. Die Wettkämpfe im Europacup-Rennen fanden mehrheitlich in Italien, Österreich und Slowenien statt. «Das Reisen hat viel Zeit in Anspruch genommen.» Teilweise sei man um 3 Uhr losgefahren, um rechtzeitig vor Ort zu sein.

Mit 90 Sachen die Piste herunter flitzen

Mit dem fahrbaren Untersatz kann so richtig Tempo gebolzt werden. Die Urner erreichten an den Wettkämpfen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 km/h. Sepp Herger fasst es so zusammen:

«Der Vorderste braucht Mut, die Hinterleute Vertrauen. Für Angst bleibt keine Zeit»

Trotz der hohen Tempi hat der 44-Jährige nie ernsthafte Verletzungen davongetragen. «Ein paar blaue Flecken gehören dazu», meint er und lacht. Während früher die Wettkämpfe in eher rustikalem Outfit mit Leinenhose bestritten wurden, wird bei professionellen Rennen mit Helm und Polstern gefahren. Ein Hightech-Rennschlitten besteht grösstenteils aus Holz. Weitere Materialien sind Metall und Carbon. «Einen guten Hornschlitten findet man nicht einfach irgendwo herumliegen», erklärt Sepp Herger. Die Anschaffungskosten belaufen sich auf rund 5000 Franken.

Ein spezielles Ritual am «Seppitag» hat der Bürgler nicht. Doch er trägt den Namen mit grossem Stolz. «Ich möchte ihn nicht mehr hergeben», sagt der 44-Jährige und schmunzelt. Der Name ist auch in seiner Familie verankert, so heisst auch sein Vater Sepp. Übrigens: Alle Seppi, Giusep, Giuseppe, Giuseppina, Joseph und Josephine kommen heute Dienstag in der Skiarena Andermatt-Sedrun in den Genuss einer kostenlosen Tageskarte, wenn sie ihren Ausweis an den Schaltern vorweisen.

Wackere «Seppersleut»: Richi Arnold, Sepp Herger und Thomy Gisler (von links) bei einem Europacup-Rennen vor elf Jahren in Slowenien. (Bild: PD, Dolenja Vas, 17. Februar 2008)

Wackere «Seppersleut»: Richi Arnold, Sepp Herger und Thomy Gisler (von links) bei einem Europacup-Rennen vor elf Jahren in Slowenien. (Bild: PD, Dolenja Vas, 17. Februar 2008)