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Wie der Computer in Uri Einzug hielt

In der deutschen Sprache ist die Bezeichnung Computer seit Anfang der 1960er-Jahre belegt. Die Anschaffung eines Computers im Kanton Uri hat der Regierungsrat 1970 beschlossen. Die elektronische Datenverarbeitung war im Vormarsch.
Rolf Gisler-Jauch

Ein altes lateinisches Wort liegt unserem modernen, aus dem Englischen entlehnten Wort Computer zugrunde. Das deutsche Synonym Rechner ist dabei nicht allzu weit von der ursprünglichen Wortbedeutung entfernt, heisst doch das englische Verb «compute» ebenso wie das zugrunde liegende lateinische «computare»: «(be)rechnen». Als «Computus» bezeichnete man im Mittelalter das Verfahren zur Berechnung des Osterfestes und der kirchlichen Feiertage, dessen Ergebnisse auf Tafeln dargestellt wurden. Ostern ist am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, wonach sich mit dem Abstand der Fastenzeit auch die Fasnacht richtet. Die Osterberechnung war die vorrangige Aufgabe einer Gruppe von Astronomen und Mathematikern, der Computisten. Das Wort Computer kam 1946 auf, als der Electronical Numerical Integrator and Computer (ENIAC) entwickelt wurde. Dieser erste rein elektronische Universalrechner diente der US-Armee zur Berechnung ballistischer Tabellen. In der deutschen Sprache ist die Bezeichnung Computer seit Anfang der 1960er-Jahre belegt.

Der früheste Vorläufer des Computers ist der um 1100 v. Chr. in Asien erfundene «Abakus». Das Rechenbrett bestand aus einem Rahmen mit Kugeln, die auf Stäben geführt wurden. Die Kugeln stellten dabei durch ihre Lage eine bestimmte Zahl dar (Stellenwertsystem). Erst im 17. Jahrhundert folgten dem «Abakus» immer kompliziertere Rechenmaschinen. Die 1623 vom deutschen Astronomen Wilhelm Schickard (1592–1653) aus Zahnrädern konstruierte Vier-Spezies-Maschine gilt als erster mechanischer Rechner der Neuzeit. Diese, von ihm «Rechenuhr» genannte, Maschine beherrschte das Addieren und Subtrahieren von bis zu sechsstelligen Zahlen.

Das binäre Zahlensystem von Leibniz

1703 erfand Gottfried Wilhelm Leibniz das aus 0 und 1 bestehende binäre Zahlensystem, das die operationale Grundlage der modernen Computertechnik bildet. Für den deutschen Philosophen und Mathematiker galt: «Ohne Gott ist nichts!» Deshalb setzte er für Gott die Eins und für das Nichts die Null. Gleichzeitig untersuchte er die Sprache und stellte fest, dass sie ständig Fehler zulässt. Dadurch entstehen Verständigungsprobleme, die zu Konflikten führen können. Leibniz glaubte erkannt zu haben, dass unser Denken eigentlich ein Rechenvorgang sei, womit sich der Kreis zur Religiosität und jener von Gott und Nichts, von 1 und 0, schliesse. Er versuchte deshalb eine sichere, logische Symbolsprache zu entwickeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den USA die ersten funktionstüchtigen Computer gebaut. Sie wurden auch elektronische Datenverarbeitungsanlagen oder Grossrechner genannt.

1950 kam an der ETH Zürich am Institut für Angewandte Mathematik der elektrisch angetriebene, mechanische Rechner mit der Bezeichnung ZUSE Z4 zum Einsatz. Sieben Jahre später wurden in der Schweiz erstmals Computer kommerziell eingesetzt, so bei den SBB, den Maschinenfabriken Rieter und BBC, bei Nestlé sowie den grossen Chemiefirmen. Es folgten die Swissair sowie Banken und Versicherungen.

1960er-Jahre: Nutzung der ersten Rechenmaschinen

Ende der 1960er-Jahre stand die Welt im Umbruch. Das Jahr 1968 war von Studentenunruhen geprägt. Ein Jahr später erfolgte als technisches Wunder die erste Mondlandung. Auch in Uri tat sich ­einiges. Bernhard Russi startete seine Skikarriere, die Samstagabend-Messe wurde eingeführt. Auf der kantonalen Ebene war zudem der Bau eines Verwaltungsgebäudes ein Thema.

Im Urnerland begannen Mitte der 1960er-Jahre einige Firmen, die Möglichkeiten dieser neuen Rechenmaschinen zu nützen. Beim Baugeschäft der Gebrüder Arnold, «ds Gärbers», ging man mit der Zeit und der Zahltag wurde mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) abgewickelt. Die Daten wurden auf Lochkarten erfasst und zur Auswertung der Firma IBM nach Zürich geschickt.

Bei dieser Urner Baufirma begann der junge Altdorfer Walter Volkart seine Lehre. Er war fasziniert, wie mit diesem neuen einfachen System Routinearbeit rationalisiert werden konnte: «Auf der Lochkarte war alles programmiert, der Lohn musste nur noch ins gelbe Lohnsäcklein abgepackt werden!» Nach Abschluss seiner kaufmännischen Ausbildung war Walter Volkart während vier Jahren in den Buchhaltungsabteilungen von Firmen in Genf und Zürich tätig. In Zürich besuchte er sodann diverse Kurse an der Handelsschule des kaufmännischen Vereins Zürich. Sein Ziel war das Diplom des eidgenössischen Buchhalters. Da erhielt er einen Telefonausruf aus dem Kanton Uri – doch davon in einem anderen Text dieser Artikelserie.

Interpellation bringt Stein ins Rollen

1969 wurde vom Bürgler Landrat Josef Schuler eine Interpellation betreffend Organisation und Rationalisierung der Staatsverwaltung eingereicht. Der Regierung wurde darin die Frage gestellt, ob dieser nicht auch der Ansicht sei, dass eine rationelle Organisation der Staatsverwaltung auch mit Rücksicht auf das kommende Verwaltungsgebäude notwendig sei und ob diesbezüglich bereits Studien im Gange seien. Es wurde zudem angefragt, ob die Regierung die Anschaffung eines Computers als notwendig oder zweckdienlich erachte und ob dieses Gerät in der Staatsverwaltung ausgelastet wäre oder auch den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden könnte. Der Regierungsrat hielt in seiner Antwort fest, dass Uri sich seit Jahren mit dem Problem der Anschaffung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage befasse.

Der Aufgabenbereich habe sich einerseits auf allen Gebieten vergrössert und sei anderseits wesentlich komplexer geworden. Die Personalbeschaffung stosse immer auf grössere Schwierigkeiten, was bewirke, dass die dem Kanton gesetzlich überbundenen Aufgaben mit dem bestehenden Personal teilweise kaum mehr fristgemäss durchgeführt werden könnten. Zudem sei es nicht möglich gewesen, die Sache eingehend zu studieren, da personell in der Verwaltung niemand in der Lage war, die erforderlichen Abklärungen vorzunehmen. Untersuchungen bei der Finanzverwaltung ergaben, dass ihre Aufgaben keine Datenverarbeitungsprobleme darstellen würden, sondern dies auf der Ebene der elektronischen Buchungsmaschine gelöst werden könnte. Der ­Regierungsrat wie auch der Landrat haben in der Folge die Anschaffung einer Maschine NCR 400 bewilligt.

Die angestellten Untersuchungen und Abklärungen bei der Steuerverwaltung führten hingegen zum Ergebnis, dass mit der Anschaffung eines Buchungsapparates der Weg zur Automation weiterer wichtiger Aufgabengebiete verbaut würde. Man gelangte zur Überzeugung, dass für den Kanton Uri eine kleine Datenverarbeitungsanlage angeschafft werden sollte. 1970 erledigte die Eidgenössische Munitionsfabrik Altdorf (MFA) das Rechnungswesen über das elektronische Rechenzentrum der Bundesverwaltung.

Das anzuschaffende System NCR 500, welches in mehreren hundert Betrieben in der Schweiz im Einsatz stand, sollte für die zu rationalisierenden Belange der Staatsverwaltung geeignet sein. Es war ein nach dem Baukastenprinzip aufgebauter Computer. Für die Rationalisierung der Steuerverwaltung sollte eine Basisanlage genügen. Der Regierungsrat kam zum Schluss: «Das System NCR 500 erlaubt das Einfahren in das Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung und zugleich eine kurzfristige Sanierung der Verhältnisse bei der Steuerverwaltung.» Die Basisanlage kostete 180 000 Franken. In einer zweiten Ausbaustufe kamen ein Lochstreifenleser, ein Zeilendrucker sowie ein Ausgabepuffer für 124 500 Franken dazu. Insgesamt betrugen die Anschaffungskosten 305 000 Franken.

Neue Anlage war im Winterberg-Gebäude untergebracht

Es wurde geschätzt, dass die Auslastung der Anlage für die erwähnten Arbeits­gebiete – auf Jahre hinaus gerechnet – bei rund 60 Prozent liegen würde. Eine gewisse Reserve betrachtete man als «einfach notwendig», um einerseits Spitzen zu brechen, anderseits grössere Bedürfnisse und Aufgabenstellungen anderer Gemeinden berücksichtigen zu können. Doch es sollte noch viel schneller kommen. Die Anschaffung des NCR 500 wurde vom Regierungsrat 1970 beschlossen. Die neue Anlage sollte bei der Steuerverwaltung untergebracht werden und für diesen Zweck ein Raum im Winterberg-Gebäude renoviert werden. Während der ersten Aufbauphase war die anzuschaffende Anlage der Finanzdirektion zu unterstellen. Verbunden mit dem späteren Ausbau der Anlage sollte zudem ein zu schaffendes EDV-Team der Gemeindedirektion beziehungsweise der Abteilung für Organisation angegliedert werden. Der politische Entscheid für ein EDV-System war gefallen. Nun war es Zeit die EDV-Abteilung aufzubauen. Man suchte nun noch einen «Lokführer» für dieses System. Es war Zeit für ein Telefon.

Im Rahmen der Forschungsarbeit des Staatsarchivs Uri hat sich Staatsarchivar-Stellvertreter Rolf Gisler-Jauch, Altdorf, seit einiger Zeit intensiv mit der Aufarbeitung der Geschichte der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in der Kantonalen Verwaltung befasst. Unsere Zeitung publiziert im Rahmen einer Artikelserie in loser Folge insgesamt fünf Beiträge.

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